Industrieller Druck ist im Alltag allgegenwärtig. In einer losen Interviewreihe stellt der VDMA-Fachverband Druck- und Papiertechnik Akteure aus seinen Reihen vor, die in diesem Markt aktiv sind. Im aktuellen Interview erklärt Zsolt Rozsnyai, der verantwortliche Produktmanager für Digitaldruck bei der KRONES AG, welche Pläne das Unternehmen im digitalen Direktdruck auf Glas, Kunststoffe und Metalle verfolgt, welche Märkte dabei im Fokus stehen und welche technologischen Herausforderungen zu meistern sind.

Herr Rozsnyai, was verstehen Sie unter „Industriellem Druck“?

Zsolt Rozsnyai: Der industrielle Druck ist in der Regel ein Schritt in einer Gesamtkette. Die jeweilige Drucktechnologie muss daher mit den konventionellen Applikationsmöglichkeiten mithalten können. Wo Sie beispielsweise bisher vorgedruckte Etiketten aufkleben, darf der Direktdruck auf Produkte oder Verpackungen den Gesamtprozess nicht aufhalten oder ihn verlangsamen. Das ist gerade in den Hochgeschwindigkeitsprozessen der Getränkeindustrie mit bis zu 81.000 Behältern pro Stunde eine Herausforderung.

In welchen Bereichen des Industriellen Drucks sind Sie als Maschinenbauer aktiv?

Rozsnyai: Krones plant Fabriken für die Getränkeindustrie und rüstet sie mit der kompletten Prozesstechnik aus: Abfüllanlagen, Verpackung, Etikettiermaschinen, Inspektion, Intralogistik und IT-Lösungen. Bei PET-Flaschen reicht unser Angebot vom Design über Anlagen, die bis zu 81.000 Flaschen pro Stunde fertigen, Abfülltechnik bis hin zum Bottle-to-Bottle-Recycling. Aus gebrauchter Flasche wird dabei neue Flasche. Dieser Hintergrund ist wichtig, um unsere Aktivitäten im Industriellen Druck einzuordnen. Wir beschäftigen uns intensiv mit dem digitalen Direktdruck auf Hohlkörper. Wir werden im September eine Druckanlage vorstellen, mit der Inkjet-Druck im Hochgeschwindigkeitsbereich eine echte Alternative zu konventionellen Dekorationsmöglichkeiten sein wird.

Welche konkreten Anwendungen stehen dabei im Mittelpunkt?

Rozsnyai: Wir haben mit dem Digitaldruck sowohl Glas- als auch Kunststoffbehälter für die Getränkeindustrie im Blick. Bisher vor allem Glas und PET. Doch unsere Entwickler arbeiten an Lösungen für weitere Kunststoffe und Metall. Wir werden künftig das gesamte Spektrum an Substraten im Inkjet-Verfahren bedrucken – im Hochgeschwindigkeitsbereich. Wir gehen davon aus, dass der digitale Direktdruck dem Etikettendruck Marktanteile abnehmen wird – und sind für diese Entwicklung gewappnet. Noch prüfen Anwender von Fall zu Fall genau, ob sich der Einsatz des Digitaldrucks lohnt. Es hängt von Design, Druckqualität und Druckhöhe ab. Bei optimierten Etikettengrößen beispielsweise im No Label Look sind bereits heute in vielen Fällen positive Business Cases gegenüber konventionellen Dekorationsmöglichkeiten erreichbar.

Wie unterscheiden sich die Kundenanforderungen vom klassischen Druckmarkt?

Rozsnyai: Die Farben sind andere als beim Druck auf Papier. Die Migrationseigenschaften sind im Lebensmittelbereich sehr wichtig. Daneben gehen mit dem Bottle-to-Bottle-Recyling hohe Anforderungen einher. Die Farben müssen im Gebrauch perfekt haften und sich dann vor dem Recycling ebenso wie Etiketten absolut rückstandsfrei ablösen lassen. Daneben ist die Druckqualität entscheidend; wobei die Toleranzen bei Glasflaschen im Millimeterbereich liegen. Es gilt, die Druckköpfe so zu führen, dass sie trotz der unebenen Substrate und der genannten Geschwindigkeiten perfekte Druckergebnisse erzielen. Und im PET-Bereich ist es die Herausforderung, die zu bedruckenden Flächen exakt vor dem Druckkopf auszurichten. Der große Vorteil: Wir können auch nicht etikettierbare Bereiche bedrucken.

Setzt Krones auch noch auf weitere Druckverfahren in industriellen Anwendungen?

Rozsnyai: Nein. Der Fokus liegt klar auf dem Inkjet-Verfahren. Wir entwickeln die Prozesse und auch die Farben größtenteils inhouse und arbeiten dabei eng mit Partnern sowie auch mit unserer Tochterfirma Till GmbH aus Kelkheim zusammen. Wir brauchen den Überblick über den Gesamtprozess inklusive des Recyclings, weil wir den Prozess gegenüber unseren Kunden verantworten.

In welchem Maß trägt der Industrielle Druck zu ihren Gesamtumsätzen bei?

Rozsnyai: Wir stehen in den Startblöcken. Die erste Serienanlage stellen wir im September auf der Leitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie drinktec in München vor. Wir arbeiten seit 2006 an der Direktdrucktechnologie – und haben jetzt genügend Knowhow aufgebaut, um damit in Serie zu gehen. Wir hatten 2013 einen ersten Prototyp vorgestellt, der bei Großkunden im Feldtest gelaufen ist. Es gibt Markenartikler, die unsere Entwicklung sehr genau verfolgen und großes Interesse an der Inkjet-Technologie bekunden.

Marktstudien prognostizieren ein starkes globales Wachstum im Industriellen Druck. Wie schätzen Sie die Wachstumschancen ein?

Rozsnyai: Für eine Aussage dazu ist es noch zu früh. Aber wie gesagt, die Markenartikler lassen sich regelmäßig auf dem Laufenden halten. Ich gehe davon aus, dass wir als Krones in diesem Bereich einigen Erfolg haben werden. Die Erfahrungen von Till, deren drei Anlagen im Markt sehr gut angenommen werden, unterstützen diese Einschätzung.

Treibt Ihr Unternehmen Entwicklungen in den Zukunftsfeldern gedruckte Elektronik, gedruckte Bio-/Medizintechnik oder 3D-Druck voran?

Rozsnyai: Für uns ist der 3D-Druck ein Riesenthema – allerdings als Anwender. Gerade im Leichtbau wenden wir die Verfahren zunehmend an und haben dafür Druckanlagen im Haus. Bisher vor allem im Kunststoffbereich. Doch wird schauen uns auch die Metalldruckverfahren genau an.

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