Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) nutzt den Internationalen Tag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar, um auf bestehende Ungerechtigkeiten für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) und ihre Angehörigen aufmerksam zu machen. Der von den Vereinten Nationen im Jahr 2009 ins Leben gerufene Tag erinnert daran, dass soziale Gerechtigkeit weltweit noch lange nicht erreicht ist und ruft zu konkreten Schritten auf, um Armut, Ungleichheit und Ausgrenzung zu bekämpfen. Für die DMSG steht in diesem Jahr dabei besonders die Verbesserung der Lebenssituation von MS-Erkrankten und pflegenden Familien im Fokus. 

Unser Appell: Bessere Rentenabsicherung  

Anlässlich der Bundestagswahl im vergangenen Jahr, hat die DMSG eine Anpassung der sogenannten Bestandsrenten für volle oder teilweise Erwerbsminderung gefordert, damit Menschen mit MS, die krankheitsbedingt früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, nicht auf Grundsicherung angewiesen sind. „Es ist entscheidend, dass die Rentenzahlungen so angepasst werden, dass die Menschen nicht auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen sind“, erklärte dazu Bundesgeschäftsführer Herbert Temmes. 

Seitdem ist keine neue grundlegende Reform der Erwerbsminderungsrente erfolgt. Der Zuschlag für Bestandsrentner, der seit Juli 2024 gezahlt wird, bringt zwar etwas mehr Geld, diese Regelung war jedoch bereits zuvor beschlossen worden. Für viele MS-Erkrankte bedeutet das eine kleine Entlastung, aber keine echte Lösung. Eine armutsfeste Erwerbsminderungsrente gibt es weiterhin nicht. 

Politisch wird zwar über die Stabilisierung der gesetzlichen Rente gesprochen, doch konkrete Schritte, die die Erwerbsminderungsrente grundlegend verbessern, stehen bislang aus. Veränderungen für viele Erkrankte lassen weiter auf sich warten. 

Pflegende Angehörige: Weiterhin Handlungsbedarf 

Auch bei der sozialen Absicherung pflegender Angehöriger bleibt der Reformbedarf groß. Auch Menschen mit MS können im Verlauf ihrer Erkrankung auf Unterstützung angewiesen sein und werden dann meist zu Hause von Angehörigen gepflegt. Die DMSG hatte gefordert, dass diese Pflege konsequent rentenwirksam anerkannt und beruflich besser abgesichert wird. Zwar wurden Leistungen der Pflegeversicherung zuletzt angepasst, eine umfassende rentenrechtliche Absicherung häuslicher Pflege im Sinne der Forderungen steht jedoch weiterhin aus. Für viele Familien bedeutet das viel Verantwortung ohne ausreichende soziale Sicherheit. 

Blick nach vorn: Chancen und Ziele für 2026 

Auch im Jahr 2026 kommt es darauf an, wie sich Forschung und Versorgung bei Multipler Sklerose weiterentwickeln. Wenn neue Therapieansätze die nächsten Schritte in Richtung Zulassung gehen und internationale Forschungsstrategien zur Prävention und frühen Behandlung weiter vorangebracht werden, kann das neue Perspektiven für Menschen mit MS eröffnen. Davon profitieren nicht nur Erkrankte, sondern auch behandelnde Ärzte sowie Forschende. 

Vor allem der stärkere Fokus auf Prävention – insbesondere zur Verhinderung von Pflegebedürftigkeit – und auf ein besseres Verständnis der biologischen Prozesse vor dem sichtbaren Ausbruch der Erkrankung bieten langfristige Chancen. Je früher MS erkannt und behandelt wird, desto besser sind die langfristigen Aussichten auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Einschränkungen. 

Gleichzeitig bleibt die medizinische Versorgung ein zentrales Thema. Individuelle Therapieentscheidungen, eine leitliniengerechte Behandlung und barrierefreie Strukturen im Gesundheitssystem müssen weiter gestärkt werden, damit Fortschritte aus der Forschung auch im Alltag der Betroffenen ankommen. Bislang liegen aus dem verantwortlichen Ressort noch keine Vorschläge vor, wie die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen generell im deutschen Gesundheitssystem weiter geplant ist. Das angedachte Primärversorgungssystem darf keinen verschlechterten oder langsameren Zugang zu Fachärzten bedeuten. Auch dürfen Menschen mit Verdacht auf schwerwiegende Erkrankungen nicht durch neue Regelungen an einem schnellen Zugang zu Diagnosen und Therapien gehindert werden.  

Aktionstag am 20. Februar 2026: #HierEntstehtWIR 

Jährlich entstehen durch das Engagement der Projekt-Partner von Aktion Mensch rund 9.500 Angebote und Aktionen für mehr Teilhabe vor Ort. Im Rahmen der Initiative #HierEntstehtWIR ruft die Aktion Mensch dazu auf, sich am 20. Februar 2026, dem Internationalen Tag der sozialen Gerechtigkeit, an einem bundesweiten Aktionstag zu beteiligen. An diesem Tag soll das Aktionsmotiv unter dem Hashtag #HierEntstehtWIR in den bekannten Kanälen der Sozialen Medien veröffentlicht werden. Auf der Webseite von Aktion Mensch stehen das Motiv sowie vorbereitete Textvorschläge zum Download bereit. Eigene Geschichten, Fotos und Einblicke von MS-Erkrankten und Betroffenen können die Beiträge ergänzen und sichtbar machen, was durch gemeinsames Engagement und Förderung möglich wird. 

Redaktion:DMSG Bundesverband e.V. – 19.02.2026

Über den Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Hintergrund:
Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.

Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 280.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.

MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,9 Mio. Menschen.

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