Ein gelbes Jackett, ein rosafarbener Hidschab, eine rote Fliege – die Absolvent:innen der TH Lübeck warteten an diesem Samstag, dem 21. März 2026, in festlicher Kleidung gespannt darauf, dass die Feier zu ihren Ehren begann. Insgesamt haben 379 Studierende in diesem Wintersemester ihren Abschluss gemacht – vor Ort in St. Petri, im Herzen Lübecks, hatten sich 145 der Absolvent:innen versammelt.

Als Christoph Liedtke, der Drummer der Band Friend`tett, die ersten Töne anspielt, legt sich das allgemeine Gemurmel, bis nur noch die Stimme von Sängerin Kristina Love durch die hohe Halle schallt. Don´t Start Now von Dua Lipa ist der Eröffnungssong. Zwar handelt es sich hier um eine Art Trennungshymne, den Kern kann man allerdings auch auf das Leben selbst übertragen: Neue Lebensabschnitte, die eigenen Stärken und die eigene Unabhängigkeit müssen gefeiert werden.

Insgesamt freuten sich zum Ende dieses Wintersemesters 379 Absolvent:innen der insgesamt vier Fachbereiche der TH Lübeck über ihren erfolgreich abgeschlossenen Lebensabschnitt. 76 junge Menschen erlangten ihren Abschluss im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften, 140 Bachelor- und Masterstudierende zählt der Fachbereich Bauwesen, 75 Absolventinnen bringt der Fachbereich Elektrotechnik und Informatik hervor, und 88 Absolvent*innen beginnen einen neuen Lebensabschnitt mit einem Zeugnis aus dem Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaft.

„Wohlan, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht“, Pastorin Lilly Schaack wählt in ihrer Rede das Bild des Turmbaus von Babel. Ein Unterfangen, das das Streben der Menschen symbolisiert, sich selbst zu verherrlichen und sich über Gott zu stellen. Doch eben auch die Geschichte eines großen Bauprojektes: „Da sind Menschen mit einer Vision. Teamarbeit, Organisation, Material, Planung. Ich stelle mir vor: Es wurde gerechnet und gezeichnet, verworfen und verbessert. Projektpläne, Deadlines, Diskussionen.“ Alles Dinge, die auch den Absolvent:innen der TH Lübeck bekannt sein müssten.

Doch wer die Geschichte genau liest, bemerkt, dass der Bau nicht an den Fähigkeiten, sondern an der Kommunikation scheiterte. „Ein Studium ist kein Turm, den man alleine baut“, sagte Schaack, „es ist immer ein Gemeinschaftsprojekt.“ Den Absolvent:innen gab sie damit vor allem eine Botschaft mit auf den Weg: „Bleiben Sie dran. Bleiben Sie neugierig auf die Perspektiven anderer. Die besten Ideen entstehen selten allein.“

Die Studentinnen Albiona Pacolli, Gözde Karaoglu und Elena Sahakyan erinnerten sich sehr gut an einige solcher herausfordernden Projekte. Die drei jungen Frauen gingen am Samstag mit ihrem Bachelorabschluss in Architektur nach Hause. Das Spezielle an ihrem Studium war für sie stets die Nähe zur Praxis, zum Beispiel in Form von Umgebungsmodellen: „Wenn sich der eigene Entwurf dann in ein Gesamtbild einfügt“, sagte Gözde Karaoglu, „sei das immer etwas Besonderes gewesen.“ Das Studium sei abwechslungsreich, praxisnah und biete einem dadurch den direkten Zugang in die Arbeitswelt. Alle drei arbeiteten während des Studiums bereits in Architekturbüros und können jetzt Vollzeit das umsetzen, was sie über ihre Zeit an der TH Lübeck gelernt haben. Ein langer Abschied ist es allerdings nicht, alle drei streben ihren Master an und wollen zum Wintersemester wieder zurückkehren.

„Ich freue mich, sie alle hier zu sehen, und frage mich, ob sie es selbst schon glauben können“, begann Dr. Muriel Helbig, die Präsidentin der TH Lübeck, mit ihren Worten an die Absolvent:innen. Doch statt von Unsicherheiten der Welt und
Herausforderungen im neuen Lebensschnitt zu sprechen, führte sie alle im Raum in die Gegenwart, genau zu diesem einen Moment: „Vielleicht wäre es heute einfach mal schön, einen Moment durchzuatmen.“ Quasi im Hier und Jetzt zu sein und einfach zu hören: „Herzlichen Glückwunsch, das haben Sie richtig gut gemacht.“

Und auch Helbig spricht noch einmal an, was es braucht, um ein Studium zu bewältigen: „Dieses Zeugnis ist weit mehr als ein Abschluss. Es steht für Jahre Ihres Engagements und Ihrer Ausdauer, aber auch für Unterstützung durch Ihre Familien und Freundinnen und Freunde. So ein Studium ist anspruchsvoll – Sie haben es gemeistert und können mit Recht stolz auf sich sein!“ Und ergänzt: „Ich wünsche Ihnen, dass Ihr bei uns erworbenes Wissen Sie auf Ihrem beruflichen Lebensweg gut begleitet, Sie eine Tätigkeit finden, die Ihnen Freude bereitet, und mit der Sie einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft leisten können.“

Stadtpräsident Henning Schumann zeigt noch einmal die Chancen und Möglichkeiten der Absolvent:innen auf, die jetzt auf sie warten: „Als Stadtpräsident bin ich stolz, in einer Stadt zu leben, die reich ist an Geschichte und Kultur – und zugleich an Innovationskraft, wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Dynamik. Die Technische Hochschule Lübeck ist eine tragende Säule dieser Stärke und prägt Lübeck als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort weit über die Region hinaus. Die Absolvent*innen der Lübecker TH sind bestens gerüstet, um dazu beizutragen, die bestehenden Herausforderungen unserer Zeit zu lösen. Ob in Lübeck, in Europa oder weltweit.“

„Nächte mit viel Kaffee und wenig Schlaf“, etwas, das wahrscheinlich nicht nur Masterabsolvent des Studiengangs Umweltwissenschaften- und Management, Tobias Haeger, kannte. Und die Freude darüber, wenn jemand plötzlich sagte, dass er oder sie die Lösung habe. Erst im Studium an der TH Lübeck hat er erkannt: „Wie groß die Welt der offenen Fragen ist.“ Und dass hinter vielen Dingen keine große Verschwörung stecke, sondern ein System, und Systeme könne man verstehen lernen. Ein Studium, und besonders eines an der TH Lübeck, verändert die Art, wie man auf die Welt schaue, sagte er: „Man sieht plötzlich überall Systeme“, und die dahinter verborgenen Vernetzungen. Sie starten jetzt alle in ein neues Kapitel in ihrem Leben, „nicht mit allen Antworten, aber mit ziemlich guten Fragen“, schließt Haeger seine Rede.

Mit „Your simply the best“ verleiht Sängerin Kristina Love den Reden dieser Feier noch einmal Nachdruck. „Du bist einfach das Beste. Besser als der ganze Rest“, heißt es im Text von Tina Turner. Ein wunderbarer Abschluss und passende Worte, um die Absolvent:innen in ihre Zukunft zu entlassen.

 

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