Handwerkliche Kunst, kulinarische Köstlichkeiten und kulturelle Begegnung: Der 17. Ostdeutsche Ostermarkt im „Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg“ in Stuttgart zeigte einmal mehr, wie vielfältig, lebendig und zukunftsweisend das kulturelle Erbe der Vertriebenen und Aussiedler ist. Die djo – Deutsche Jugend in Europa, Landesverband Baden-Württemberg, unter der Leitung von Hartmut Liebscher, richtete die traditionsreiche Veranstaltung aus, die zahlreiche Besucherinnen und Besucher anlockte. Selbst Petrus meinte es gut und schenkte zur Eröffnung einen sonnigen Frühlingstag.

Wie schon in den vergangenen Jahren, wurde die feierliche Eröffnung von einer musikalischen Gruppe der Deutschen aus Russland umrahmt und sorgte für eine festliche, vorösterliche Stimmung. Zu den Ehrengästen zählten neben dem Regionalpräsidenten Rainer Wieland MdEP a. D. auch Konrad Epple MdL, Stadträtin Anita von Brühl und die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Nord Sabine Mezger, die seit Jahren zu den treuen Besuchern des Ostermarktes zählt. Ebenso begrüßt wurden Bärbel Häring, Altstadträtin, Birgit Unfug, Bundesfrauenreferentin der Sudetendeutschen Landsmannschaft, und Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Der Ostermarkt bot neben einer bunten Ausstellung handwerklicher Kunst auch kulturelle Einblicke: Carsten Eichenberger vom Haus der Heimat führte interessierte Besucher durch die begleitende Präsentation „Ein Gentleman auf Schlesien-Reise. Die Briefe des John Quincy Adams“, die spannende Einblicke in die Wahrnehmung Schlesiens Anfang des 19. Jahrhunderts gewährte. Die Sonderführungen fanden um 11 und 13 Uhr unter dem Titel „Morgen früh brechen wir nach Schlesien auf“ statt und stießen auf großes Interesse.

Mit großem Engagement zeigten Mitglieder und Gruppen der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wie eng Heimatgeschichte und Kulturgeschichte miteinander verbunden sind. Waltraud Illner, stellvertretende Landesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, führte die beiden Sudetendeutsche Gäste durch die Ausstellung und hob hervor, dass diese Arbeit weit über das reine Bewahren hinausgehe:

„Unsere Kulturarbeit ist Zukunftsarbeit. In den handwerklichen Traditionen, den Bräuchen und der Gemeinschaft lebt das, was Baden-Württemberg heute prägt: Offenheit, Vielfalt und Verantwortung für unser gemeinsames Erbe.“

Die Heimatgliederungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft – darunter die Egerländer Gmoi Stuttgart mit Erika Kraut und Wilfried Algner, die Böhmerwaldgruppe Bietigheim-Bissingen mit Emmy Schläger, Hannelore Rehberger und Heike Unfug, die Klöppelrunde Heilbronn unter Ilse von Freyburg sowie die „Alte Heimat – Verein heimattreuer Kuhländer“ unter Ruth Junkert von der Stiftung Alte Heimat, zeigten in beeindruckender Weise, wie viel Können, Liebe zum Detail und Geschichtsbewusstsein in der kulturellen Arbeit steckt.

Neben den Sudetendeutschen präsentierten sich zahlreiche weitere Landsmannschaften, Vereine und Verbände ostdeutscher Regionen – von Schlesiern über Donauschwaben bis Bessarabiendeutschen und Deutsch-Balten. Gemeinsam gaben sie dem Haus der Heimat ein lebendiges, farbenfrohes Gesicht. Eine Tombola mit ostdeutschen Preisen sorgte für Spaß und Spannung, während die Cafeteria zum Verweilen und zum Austausch bei Kaffee und Kuchen einlud – ein Angebot, das von den vielen Gästen gerne angenommen wurde.

Heimatpflegerin Christina Meinusch und Bundesfrauenreferentin Birgit Unfug zeigten sich überzeugt, dass gerade durch solche Veranstaltungen das kulturelle Erbe nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar gemacht wird. Beide betonten, wie entscheidend es sei, Traditionen in moderner Form zu präsentieren, um sie an nachfolgende Generationen weiterzugeben – als lebendigen Bestandteil der baden-württembergischen Kulturlandschaft.

Der Ostermarkt schloss mit großer Besucherresonanz und spürbarer Freude über diese kulturelle Begegnung. Schon jetzt wächst die Vorfreude auf den 18. Ostdeutschen Ostermarkt 2027, der erneut im Haus der Heimat Stuttgart am 13.März 2027 stattfinden wird. Alle sind eingeladen, mitzuwirken oder diesen besonderen Markt zu besuchen – als Zeichen lebendiger Tradition und gemeinsamer Zukunft.

 

Über Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen – wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben – wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger – um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2

Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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