Der Bundestag hat am 27. März 2026 den größten Umbau der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt das neue Altersvorsorgedepot die ungeliebte Riester-Rente und öffnet die Tür für renditestärkere ETF-Investments mit staatlicher Förderung. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Was sich konkret ändert, wer profitiert – und wo Sie aufpassen sollten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Start: 1. Januar 2027 (vorbehaltlich Bundesrat-Zustimmung)
  • Kostendeckel Standarddepot: 1,0 Prozent effektive Jahreskosten (ursprünglich waren 1,5 Prozent geplant)
  • Grundzulage: bis zu 540 Euro pro Jahr (180 Euro auf die ersten 360 Euro Einzahlung, zusätzlich 360 Euro auf Beiträge bis 1.800 Euro)
  • Kinderzulage: 300 Euro pro Kind und Jahr ab einem Eigenbeitrag von 25 Euro monatlich
  • Erstmals förderberechtigt: Selbstständige, Freiberufler und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke
  • Wegfall der Beitragsgarantie: Anbieter können voll in Aktien-ETFs investieren
  • Flexible Auszahlung: bis zu 30 Prozent Einmalauszahlung, Rest als Auszahlungsplan mindestens bis Alter 85
  • Bestandsschutz: Alte Riester-Verträge bleiben bestehen, Wechsel ins neue System unter Mitnahme der Zulagen möglich

Paradigmenwechsel: Aktienchancen statt Garantiezwang

Die alte Riester-Rente verlangte, dass Anbieter zum Rentenbeginn mindestens 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantieren mussten. In der Niedrigzinsphase ab 2015 wurde diese Garantie zum Renditekiller: Anbieter mussten fast das gesamte Kapital in niedrig verzinste Anleihen parken. Die Folge waren Renditen, die kaum die Inflation ausglichen – und Millionen frustrierte Sparer.

Das neue System kennt drei Wege: das reine Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider mit voller ETF-Freiheit, das voreingestellte Standarddepot mit Kostendeckel für Bequemere und Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Kapitalschutz für Sicherheitsorientierte.

Gewinner der Reform: Familien, Späteinsteiger und Selbstständige

Besonders profitieren Familien: Die Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr auf einen Eigenbeitrag von nur 300 Euro entspricht einer Förderquote von 100 Prozent – ein massiver Hebel für den Vermögensaufbau mit langem Zeithorizont.

Auch Späteinsteiger ab 55 haben endlich eine Perspektive: Die Grundzulage von bis zu 540 Euro auf maximal 1.800 Euro Eigenbeitrag entspricht einer Sofortrendite von bis zu 30 Prozent im ersten Jahr – ein Polster, das kurzfristige Aktienrisiken deutlich abfedert.

Gutverdiener profitieren vor allem steuerlich: In der Ansparphase fallen weder Vorabpauschale noch Abgeltungssteuer auf Umschichtungen an, zusätzlich greift der Sonderausgabenabzug über die Günstigerprüfung.

Historisch ist der Schritt für Selbstständige und Freiberufler: Sie sind erstmals direkt förderberechtigt – bisher waren sie von der Riester-Förderung weitgehend ausgeschlossen.

Der Streit um das Standarddepot

Der Kostendeckel von 1,0 Prozent gilt als politischer Kompromiss zwischen Verbraucherschutz und Anbieterinteressen. Verbraucherschützer vom vzbv und Ökonomen warnen allerdings, dass auch 1,0 Prozent über Jahrzehnte hinweg zehntausende Euro an Rendite kosten – verglichen mit selbstverwalteten ETF-Depots, die oft mit 0,1 bis 0,2 Prozent Gesamtkosten auskommen.

Eine Petition mit über 200.000 Unterschriften fordert einen Kostendeckel von 0,5 Prozent für alle Produkte. Als Gegenmodell wird der schwedische AP7 Såfa ins Feld geführt – ein öffentlich-rechtlicher Bürgerfonds mit extrem niedrigen Kosten.

Achtung bei den 80-Prozent-Garantien

Die neuen Rentenversicherungen mit 80-Prozent-Kapitalgarantie versprechen höhere Aktienquoten durch den Verzicht auf die volle Garantie. In der Praxis bleibt die faktische Aktienquote dieser Produkte laut Verbraucherschützern häufig bei nur rund 30 Prozent. Der gewonnene Spielraum wird oft nicht in Renditechancen investiert, sondern dient der Deckung hoher Vertriebs- und Verwaltungskosten. Die Verbraucherzentralen raten von dieser Produktkategorie ausdrücklich ab.

Flexibler Ruhestand und vererbbares Kapital

Einer der größten Schmerzpunkte der Riester-Rente war der Verrentungszwang. Das fällt weg: Künftig können sich Sparer bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals auf einen Schlag auszahlen lassen. Der Rest wird über einen flexiblen Auszahlungsplan ausgeschüttet, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss. Verbleibendes Restguthaben ist vererbbar – ein echter Fortschritt gegenüber dem alten System.

Frühstart-Rente: Staatliches Startkapital für Kinder

Parallel beschlossen wurde die Frühstart-Rente. Ab dem Geburtsjahrgang 2020 zahlt der Staat für jedes Kind ab dem 6. Lebensjahr automatisch 10 Euro monatlich in ein eigenes Altersvorsorgedepot ein – bis zum 18. Geburtstag ohne Eigenbeteiligung. Das ergibt ein staatlich finanziertes Startkapital von mindestens 1.440 Euro über zwölf Jahre. Eigene Einzahlungen sind ab dem 18. Geburtstag möglich.

Die Idee dahinter: Zinseszinseffekt nutzen, Aktienkultur früh verankern, finanzielle Bildung in der nächsten Generation stärken.

Was Sie jetzt tun sollten

Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz. Ein Wechsel ins neue System ist möglich und nach fünf Jahren Laufzeit künftig kostenfrei. Für Sparer unter 40 dürfte sich der Umstieg in fast allen Fällen lohnen – die höheren Renditechancen bei langem Zeithorizont schlagen die Sicherheit alter Garantien deutlich.

Wer vor dem Renteneintritt steht, sollte genauer rechnen: Hier spielt die bestehende Verzinsung des Altvertrags gegen die Flexibilitätsvorteile des neuen Systems.

Grundsätzlich gilt: Lass dich nicht vorschnell in bequeme Standard- oder Garantieprodukte drängen. Wer die Selbstentscheider-Variante wählt und direkt in breit gestreute ETFs investiert, holt langfristig das Maximum aus der staatlichen Förderung heraus.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist ein überfälliger und mächtiger Hebel für den privaten Vermögensaufbau. Es korrigiert die größten Konstruktionsfehler der Riester-Rente – vom Garantiezwang über den Verrentungszwang bis zur Ausgrenzung der Selbstständigen. Allerdings bleibt die Reform beim Kostenthema auf halbem Weg stehen. Wer eigenverantwortlich handelt und sich informiert, kann ab 2027 erstmals ETF-Rendite mit staatlicher Förderung kombinieren. Wer blind das Standardprodukt wählt, verschenkt über die Jahre viel Geld.

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Über die Capitalo Finanzservices GmbH

Capitalo Finanzservices GmbH ist ein unabhängiges Finanzvergleichsportal für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Seit der Gründung 2014 bewertet das Unternehmen systematisch über 500 Bank- und Versicherungsprodukte — von Tagesgeld über Kreditkarten bis hin zu Depots und Altersvorsorgelösungen. Alle Vergleiche sind kostenlos, ohne Registrierungszwang und basieren auf datengetriebenen Bewertungen statt auf Marketing-Superlativen.

Gründer und Geschäftsführer Alexander Senger ist Diplom-Finanzfachwirt (FH), Versicherungs- und Finanzfachwirt (IHK) sowie registrierter Finanzanlagenvermittler (Registernummer: D-F-152-DPJW-16). Mit über zehn Jahren Erfahrung in der Analyse und dem Vergleich von Finanzprodukten gehört er zu den Experten für private Altersvorsorge und Kapitalanlage im deutschsprachigen Raum.

Weiterführende Informationen: Vollständiger Ratgeber zum Altersvorsorgedepot 2027: https://www.capitalo.de/depot/ratgeber/altersvorsorgedepot

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