Stadt Rosenheim, der Kreis Nordfriesland, die Städte Weimar oder Arnsberg, der Kreis Segeberg oder eben der Vogelsbergkreis – sie alle haben etwas gemeinsam. Sie wollen die Jugendhilfe wirksamer und effizienter gestalten. Und zwar mit dem Fachkonzept der Sozialraumorientierung, das im Vogelsbergkreis seit über einem Jahrzehnt erfolgreiche Normalität ist. Denn Jugendamt und freie Träger arbeiten dabei eng und auf Augenhöhe zusammen, um jungen Menschen direkt vor Ort Unterstützungsangebote zu machen. Wenn es nach dem Zusammenschluss von Städten und Landkreisen geht, der sich im „Verbund Sozialraumorientierung“ organisiert, soll das nun vorgelegte Konzept auch in weiteren Regionen Deutschlands auf den Weg gebracht werden. „Denn der Ansatz bringt auf vielen Ebenen entscheidende Vorteile mit sich. Er kann ein wichtiger Impuls für die bundesweite Kinder- und Jugendhilfe sein“, ist sich Helmut Benner, scheidender Leiter des Jugendamts des Vogelsbergkreises, sicher. Der Vogelsbergkreis ist ein Vorreiter in der sozialraumorientierten Arbeit. Wichtige Erfahrungen und Impulse aus dem Vorreiterkreis könnten nun Widerhall in der Bundesgesetzgebung finden.

Doch was genau verbirgt sich hinter sozialraumorientierter Jugendhilfe? Und welche Vorteile hat sie für einen Bereich der Daseinsvorsorge, der vor großen Herausforderungen steht? Darauf gibt der scheidende Jugendamtsleiter Benner, ein Verfechter der sozialräumlichen Arbeit, Antworten.

„Viele Menschen können mehr, als ihnen zugetraut wird – das wird besonders in der Jugendhilfe deutlich“, sagt Helmut Benner, und bringt damit einen ganz wichtigen Punkt des Konzepts ins Spiel. Denn eine wirklich inklusive Kinder- und Jugendhilfe soll sich darauf konzentrieren, individuelle Ressourcen und Selbsthilfekräfte zu aktivieren. „Und das eben im Sozialraum, dem direkten Umfeld der Kinder und Jugendlichen. Der Fokus liegt stärker darauf, die Menschen dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und einzubringen. Die Einzelfallorientierung rückt dabei in den Hintergrund“, führt Benner aus. Das Besondere: Freie Träger, Behörden, Schulen, Familien, und Netzwerke im Sozialraum versuchen, Lösungen vor Ort zu finden. „Wir wollen so an den Ursachen für die Probleme arbeiten, und keine Symptome behandeln“, macht er deutlich.

Gerade wenn es etwa um Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfe für Minderjährige geht, bietet das Korsett aus Regeln und Vorgaben der Sozialgesetzbücher wenig Spielraum. „Wir blicken auf komplizierte und langwierige Antragsverfahren, umfangreiche Gutachten, und eine starke Fixierung auf den Einzelfall“, berichtet der Amtsleiter. Eng damit verknüpft ist die daraus resultierende Kategorisierung der Fälle. „Es gibt eine Vielzahl starrer Schubladen, in die Kinder und Jugendliche gepackt werden müssen, um Hilfen zu ermöglichen. Das ist aufwändig, verlangsamt oft den Prozess und bindet Ressourcen, die effizienter eingesetzt werden könnten“, ergänzt er. In Zeiten knapper kommunaler Kassen und eines Fachkräftemangels, der sich auch in der Kinder- und Jugendhilfe bemerkbar macht, sind für diesen Bereich in Gänze neue Impulse erforderlich, merkt Benner an.

Denn dort, wo nach dem sozialräumlichen Konzept gearbeitet wird, zeigen sich Vorteile, die besonders den Kindern und Jugendlichen zugutekommen. „Durch wohnortnahe stationäre oder ambulante Angebote, die sogenannten ‚Hilfen unter einem Dach‘, die unter anderem auch die Eltern mit in die Verantwortung nehmen, können die jungen Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Das bringt im Verlauf viele Pluspunkte mit sich“, sagt Benner. Gemeinsam mit freien Trägern arbeitet das Jugendamt dort Hand in Hand. „Dadurch verzeichnen wir einen Rückgang stationärer Unterbringungen, reduzieren den Verwaltungsaufwand, verwenden die Mittel effizienter und arbeiten mit allen Beteiligten in enger Kooperation zusammen.“ Hinzu kommt, dass wohnortnahe Betreuung erlaubt, auch den Sozialraum im Blick zu haben, um so an vielen Stellen einwirken zu können, ergänzt der scheidende Jugendamtsleiter.

Ein weiteres positives Beispiel für flexiblere Hilfsformen ist das Pilotprojekt der sogenannten „Schulalltagsbegleitungen“ an einigen Schulen im Vogelsbergkreis. Dabei wird auf einzelfallbezogene Teilhabeassistenzen – und somit auf ein komplexes Antragsverfahren – für seelisch behinderte Schüler verzichtet. Vielmehr werden Alltagsbegleitungen durchfinanziert, die bei Bedarf unabhängig von Einzelfällen im Klassenverbund unterstützen.

„Diese Flexibilität wünschen wir uns an vielen weiteren Stellen, um weitere Hilfen im Sozialraum durchfinanzieren zu können. Wir wünschen uns Rahmenbedingungen, die sich vom Einzelfall lösen, um effizient arbeiten zu können“, sagt Benner und fordert grundlegende Reformen, um die Kinder- und Jugendhilfe flexibel für die Zukunft aufzustellen.

Der „Verbund Sozialraumorientierung“

Der Zusammenschluss verschiedener Akteure setzt sich für eine am Sozialraum orientierte Kinder- und Jugendhilfe nach dem Fachkonzept Sozialraumorientierung von Prof. Dr. Hinte ein. Der Verbund möchte sich in dem laufenden Gesetzgebungsverfahren bundesweit mit dem Fachkonzept als nachhaltiger und effizienter Alternative zu der hergebrachten stark personenzentrierten Hilfegewährungspraxis ins Gespräch bringen.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Kreisausschuss des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341 Vogelsbergkreis
Telefon: +49 (6641) 977-0
https://www.vogelsbergkreis.de

Ansprechpartner:
Christian Lips
Redakteur in der Pressestelle
Telefon: +49 (6641) 977-272
E-Mail: Christian.Lips@vogelsbergkreis.de
Für die oben stehende Story ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel