Trotz breitem gesellschaftlichem Konsens bleibt die Abfallvermeidung weltweit hinter ihren Zielen zurück. Der Grund ist ein systemischer Zielkonflikt: Die ökologische Notwendigkeit, Müll zu reduzieren, kollidiert mit der globalen Maxime des Wirtschaftswachstums – und dieses Problem nimmt zu.

Die Europäische Union stellt die Abfallvermeidung noch vor allen Recyclingmaßnahmen an die Spitze ihrer Abfallwirtschaftshierarchie. Auch im Aktionsplan Kreislaufwirtschaft (2020), dem zentralen Instrument des Europäischen Green Deals, wird „weniger Abfälle“ als oberstes Ziel genannt. Der Green Deal fordert von den Produzenten langlebige, reparierbare und recycelbare Produkte. Obwohl die Abfallvermeidung nur innerhalb der EU rechtlich verankert ist – erstmals in der Richtlinie 75/442/EWG des Rates vom 15. Juli 1975 über Abfälle – besitzt dieses Leitbild international große Strahlkraft. Der „Global Waste Management Outlook 2024“ von UNEP (UN Environmental Programme) zeigt, dass diese Richtlinie bisher wenig bewirkt und prognostiziert einen Mengenzuwachs an kommunalen Siedlungsabfällen von 2,1 Milliarden Tonnen im Jahr 2023 auf 3,8 Milliarden Tonnen bis 2050.

Auch in Europa setzt sich dieser Trend ungebrochen fort: Der durchschnittliche Siedlungsabfall liegt in der EU inzwischen bei über 500 Kilogramm pro Person und Jahr, in den USA ist er fast doppelt so hoch. Länder des Globalen Südens produzieren zwar deutlich weniger Abfall, doch liegt dies an der geringeren Kaufkraft und nicht an einer erfolgreicheren Abfallvermeidung. Damit wird sichtbar: Wo Wohlstand und Konsum steigen, steigt auch das Abfallaufkommen. Abfallvermeidung muss daher vordringlich in wohlhabenden Gesellschaften ansetzen und die jeweils zugrunde liegenden Konsumkulturen kritisch in den Blick nehmen.

Strukturelle Ursachen statt moralischer Appelle

Öffentliche Debatten stellen Abfallvermeidung häufig als individuelle Aufgabe dar: bewusster konsumieren, weniger wegwerfen, nachhaltiger handeln! Doch diese Perspektive greift zu kurz. Die wesentlichen Treiber der Abfallentstehung – kurze Produktlebenszyklen, Überproduktionen, umfangreiche Verpackungen und marketinggetriebener Konsum – sind systemisch bedingt und bislang politisch nur unzureichend adressiert. Obwohl die EU-Kommission z. B. Verpackungen bereits seit dem Jahr 1994 reguliert, steigen die Verpackungsabfälle weiter. Dies zeigt, dass einzelne politische Initiativen nicht genügen, solange wirtschaftliche Anreize auf Wachstum statt auf Reduktion ausgerichtet sind.

Das Wachstumsdilemma

Europa, wie viele Regionen der Welt, steht vor einem grundlegenden Widerspruch:
Konsequente Abfallvermeidung führt zwangsläufig zu weniger Produktion und weniger Konsum – wirtschaftliches Wachstum hingegen verlangt mehr Produkte, die am Ende ihres Gebrauchs zu Abfall werden. Solange Wirtschaftswachstum als unverzichtbare politische Größe gilt, geraten Abfallvermeidungsstrategien in Zielkonflikte. Einige Unternehmen werden als Motoren des Wachstums staatlich gefördert, während gleichzeitig erwartet wird, dass Bürgerinnen und Bürger über ihr Verhalten die Abfallmengen reduzieren. Diese Verschiebung der Verantwortung überlastet Individuen und lässt strukturelle Hebel ungenutzt.

Abfallvermeidung braucht strukturelle Verantwortung

Effektive Abfallvermeidung entsteht nur dann, wenn Industrie und Handel verbindliche Vorgaben erhalten, Überproduktion sowie kurzlebige oder gefährliche Produkte begrenzt werden und die Verantwortung für die Abfallvermeidung fair auf alle Akteure verteilt wird. Werner Bauer, Gründer der Plattform WasteCulture.com betont: „Spätestens, wenn der mit dem Wirtschaftswachstum verbundene Ressourcenverbrauch an natürliche Grenzen stößt, kommt eine verantwortliche Politik nicht darum herum, Wachstumsziele kritisch zu hinterfragen und diese mit einer vollständigen Kreislaufführung zu verbinden.“

Die Rede von Präsidentin von der Leyen zur Lage der Union vom 10.09.2025 macht dies deutlich. Die Transformation unserer Industrie „ist in der Tat zentral für die Sicherung unserer Unabhängigkeit. Weil sie unsere Abhängigkeit bei der Energie verringert. Weil die kreislauforientierte Produktion unsere strategischen Abhängigkeiten begrenzt“. Suffizienz und weniger Konsum werden da nicht genannt.

WasteCulture schlägt vor, die Vermeidung von Abfällen intensiv zu fördern und dabei strikt zwischen Produktpolitik und Veränderung im Konsumentenverhalten zu unterscheiden. Produkte, die zum Wegwerfen anregen, wie etwa Einweg-Vapes oder Lachgaskartuschen, müssen durch klare Regularien, wie z. B. Pfandsysteme, im Abfallstrom gelenkt werden oder sollten, besser noch, erst gar nicht produziert werden.

Bürgerinnen und Bürgern mit einem moralischen Zeigefinger ein anderes Verhalten abzuverlangen, während gleichzeitig der Markt mit nicht kreislaufgerechten und damit nicht nachhaltigen Produkten überschwemmt wird, überfordert die meisten von uns.

Expertise für echte Lösungen

Die globale Wissensplattform WasteCulture.com zeigt in vielen abfallwirtschaftlichen Fallbeispielen die Bandbreite von nachhaltigen Lösungsideen zum kommunalen, nationalen und globalen Umgang mit Abfall. Einzelne durch Kommunen oder Privatpersonen angestrengte Maßnahmen sowie isolierte Beispiele aus der Industrie haben eine enorme Bedeutung, können jedoch keineswegs die Abfallproblematik lösen. Eine nachhaltige Abfallwirtschaft muss trotz wachsender Weltbevölkerung immer an der Entlastung der Umwelt, allem voran durch die signifikante Verringerung an Treibhausgas-Emissionen und Plastik in den Weltmeeren gemessen werden und nicht an der Höhe der Abfallmengen.

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