Aus Äpfeln und Birnen der heimischen Streuobstwiesen kreiert das Künstler-Duo ArsCubis, Silvia Eisele und Achim Großmann, in Calw außergewöhnliche Kunst. Ihre Werke zeigen eine faszinierende Verwandlung der Früchte – und waren sogar schon bei der internationalen Kunstmesse Biennale in Venedig zu sehen. 

Draußen vor den Fenstern fließt das Wasser der Nagold vorbei, im Inneren der hohen Räume, die einst zu einer Fabrik gehörten, eröffnet sich ein Kosmos aus Äpfeln: Hunderte dieser Früchte sind im Atelier von Silvia Eisele und Achim Großmann zu entdecken. Getrocknete Äpfel in erdigen oder fast schwarzen Tönen, die sich wie Holz anfühlen. Andere Früchte sind gebeizt, lackiert oder pigmentiert in harmonisch aufeinander abgestimmten Farben.

Zudem hängen zahlreiche Fotografien an der Wand und stapeln sich auf dem großen Werktisch, der im Atelier steht. Sie zeigen Äpfel in allen Stadien der Verwandlung, wobei die Natur dabei viele verschiedene Strukturen entwickelt. Einer der Äpfel erinnert an einen Käfer, ein anderer gleicht einem Miniatur-Planeten, ein dritter zeigt die Form einer Flamingoblüte. Bei einer Frucht hat sich die Stelle, die bei der Ernte faul war, zu einem kreisrunden Farbmuster entwickelt.  „In dem Schorf dieses Apfels sehe ich einen Kontinent“, sagt die 1962 geborene Silvia Eisele.

Im Atelier arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Mann Achim Großmann (Jahrgang 1960) an ihren Werken. Seit einigen Jahren nutzt das Künstlerpaar, das sich ArsCubis nennt, Früchte der kostbaren Streuobstwiesen, die auch im Schwarzwald eine wichtige Rolle spielen: Sie gelten als Hotspot der Artenvielfalt und seit wenigen Jahren zählt der Streuobstanbau sogar zum immateriellen Unesco-Kulturerbe.

Die beiden sind viel draußen in der Natur unterwegs und gehören „noch zu der Generation, die in ihrer Kindheit auf Bäume geklettert ist und dort Äpfel gepflückt hat“, sagt Eisele. Als sie wieder einmal bei einem Spaziergang Äpfel unter den Bäumen aufgelesen und genau betrachtet haben, „da fiel uns auf, dass jeder etwas ganz Besonderes ist“, erklärt sie. So kamen sie 2018 auf die Idee, sie künstlerisch zu verarbeiten.

„Genau das unterscheidet uns von vielen anderen: Wir gehen unsere eigenen Wege.“ Achim Großmann

Sie reinigten und trockneten die Früchte teils über Monate hinweg. Doch die Ergebnisse überzeugten anfangs nicht. „Es war ein Lernprozess, bis wir wussten, wie wir die Äpfel begleiten müssen“, erklärt Achim Großmann. Sie probierten verschiedene Trocknungsverfahren aus, nutzten Backofen, Luftentfeuchter und Bautrockner, aber auch Ventilatoren und kühle Temperaturen, um den Alterungsprozess zu verlangsamen. 2019 kam dann der Durchbruch. „Seitdem wissen wir, wie wir arbeiten müssen, dass beständige Kunstwerke daraus entstehen“, sagt Silvia Eisele.

Sie suchen und sammeln die Früchte selbst auf den Wiesen der Umgebung und stoßen dabei auf zig verschiedene, teils sehr alte Sorten, die sich auf ganz unterschiedliche Weise verwandeln. Ihre Äpfel und Birnen begleiten sie vom Baum bis zur Mumifizierung, wie es die Künstler beschreiben. Dann werden die dehydrierten Früchte eingefärbt, auf einer Hochglanzplatte fixiert, mit einer Acrylhaube zugedeckt und versiegelt. Die Früchte, die auf diese Weise eine ganz eigene, verfremdete Optik entwickeln, arrangieren sie zu neuen Kunstwerken: Bis zu 200 Exemplare bilden auf diese Weise eine Komposition, die Namen tragen wie „Schiller trifft Goethe“ und „Humboldtstrom“.

Alle Stufen des Verfalls, die Farben und Veränderungen, die beim Trocknen entstehen, hält Achim Großmann außerdem in Makro-Fotografien fest. Über 20.000 Aufnahmen hat er mit seiner eigens dafür im Atelier eingerichteten Apparatur gemacht. Zunächst stellten die beiden aus den Bildern ein zwei mal zwei Meter großes Werk zusammen. Doch dann fingen sie an, größer zu denken – auch im Hinblick auf die Ausstellung „NordArt“ in Schleswig-Holstein, die in ehemaligen Gießereihallen viel Raum für Ideen bietet. Aus 468 Galeriedrucken verschiedener Apfel-Fotos soll dort das 100 Quadratmeter große Werk „Metamorphosis“ entstehen. Das 25 Quadratmeter große Modell, an dem sie ihre Komposition entwickeln, füllt die gesamte Länge des Raumes aus, der neben ihrem Atelier liegt. Auch in diesen Maßen ist es eindrucksvoll und bietet so viele Motive, dass man stundenlang verweilen und die verschiedenen Farben und Formen betrachten könnte.

Achim Großmann hat sich schon sein Leben lang für Kunst interessiert und mit Farbe und Holz gearbeitet. Vor Jahren hat er dann das Atelier gemietet, 2018 folgte dann eine erste Auszeichnung: Der Kunstpreis, den er von der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe für „A Bee or not a Bee, that is the question?“ bekommen hat – ein Werk, zusammengesetzt aus kleinen farbigen Holzwürfeln. Götz Adriani, ehemals Gründungsdirektor der Kunsthalle Tübingen, gehörte zu den Juroren des Wettbewerbs. „Die Technik war für ihn ein Rätsel“, erzählt Achim Großmann stolz. „Genau das unterscheidet uns von vielen anderen: Wir gehen unsere eigenen Wege.“

2024 konnten die beiden bei der internationalen Kunstausstellung Biennale in Venedig ihre Werke zeigen, was ihnen viel Aufmerksamkeit bescherte. Neben ihren Kompositionen aus dehydrierten und eingefärbten Früchten der Streuobstwiesen waren auch „Magic Mushrooms“ im Palazzo Mora zu sehen. Silvia Eisele hat sie aus Hunderten kleiner Holzwürfeln kreiert. Das Buchenholz, das sie dafür verwendet, ist von Baumpilzen durchzogen, eine Symbiose, die sie faszinierend findet. „Neben der Farbe ist auch das ein wichtiges Thema in unserer Kunst“, sagt sie, „wir suchen nicht das Trennende, Spalterische, sondern immer das Verbindende, denn nur das kann die Menschheit weiterbringen.“

Auch sie selbst wollen nicht stehen bleiben, sondern ihr Projekt weiterentwickeln und künftig in andere Bereiche ihrer Äpfel vordringen, vielleicht mit einem Rasterelektronenmikroskop. Die Ideen gehen ihnen jedenfalls nicht aus: „Wenn eine umgesetzt ist“, sagt Silvia Eisele, „sind schon wieder fünf neue da.“ 

Info:

Alle Infos gibt es unter: www.arscubis.de

2026 werden sie wieder auf der Biennale in Venedig zu Gast sein (9. Mai bis 22. November 2026) und auch bei der Ausstellung "VANITAS – die Schönheit des Vergänglichen" im Museum LA 8 in Baden-Baden (28. März bis 27. September 2026).

Text: Claudia List
Fotos: Claudia List

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