Er ist 30 Kilometer in rund drei Stunden zusammen mit seinem Freund Niklas gelaufen, um für die Reha-Klinik, in der er nach seinem schweren Fahrradunfall mit Schädel-Hirn-Trauma weilte, Spendengelder einzusammeln: Matti Beierstettel (14) aus Tauberbischofsheim.

Jeder Kilometer von Tauberbischofsheim bis nach Wertheim ließ er sich von sich von Familie, Freunden, Nachbarn und Bekannten versilbern. Am Ende kamen so über 3200 Euro zusammen, die Matti in Form eines symbolischen Spendenschecks persönlich mit seinen Eltern in seinem Pfingsturlaub in Gailingen im Hegau-Jugendwerk (HJW), einem neurologischen Krankenhaus und Rehaklinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, vorbei brachte. Was für eine unglaubliche und mutmachende Geschichte! „Du bist eine Inspiration für jeden Patienten“, erklärte deshalb Barbara Martetschläger, Kaufmännische Direktorin des HJW, bei der Begrüßung der Familie Beierstettel sichtlich beeindruckt.

Schädel-Hirn-Trauma nach schwerem Fahrradunfall

Der 14jährige stürzte am 6. September 2025 ohne Fremdeinwirkung mit seinem Fahrrad schwer. Obwohl er einen Helm trug, erlitt er ein massives Schädelhirntrauma mit Läsionen. Er hatte zum Glück keine zusätzlichen Frakturen erlitten. Zwei Wochen lang lag Matti auf der Intensivstation der Kopfklinik im Uniklinikum in Würzburg im Koma und es war überhaupt nicht klar, wie die Sache für ihn ausgehen würde.

Als sich abzeichnete, dass er aus dem Koma aufwachen würde, kam er per Hubschrauber ins Hegau-Jugendwerk, hier zunächst auf die Frühreha-Station. Im Hegau-Jugendwerk kämpfte er sich mit Unterstützung der Therapeuten, Ärzte und Pflegern zurück in ein aktives Leben. Geholfen hat dabei seine sportliche Grundkonstitution, denn Matti war Leistungssportler und hatte im U16-Team der Würzburg Baskets in der Jugend-Basketball-Bundesliga gespielt – und sein eiserner Wille. Und natürlich der Rückhalt der Familie – Mutter Melanie war in Gailingen mit vor Ort, Vater Hendrik kam am Wochenende.

Basketball als Motivator

Vor allem zu Physiotherapeut Jonas Olschewski, der ihn in den ersten sieben Wochen intensiv in Einzeltherapie betreute, hat er ein besonderes Verhältnis aufgebaut. Er war es, der seinen eigenen abgewetzten Basketball mitbrachte und damit Mattis Rehabilitation einen deutlichen Schub verlieh. Mit dem Ball in der Hand klappte das Gehen deutlich besser, erinnert sich Jonas. Der Basketball war Therapiemittel und Motivator in einem. Mit dem Ball in der Hand kam die Körperspannung wieder, erklärt der Physiotherapeut. Matti ist von Jonas und den Möglichkeiten der Rehabilitation so beeindruckt, dass er überlegt, selber Physiotherapeut zu werden.

Nach zwei abschließenden Wochen im Kinderhaus des Hegau-Jugendwerks ging es für Matti und seine Mutter am 26. November 2025 nach Hause. Noch geht der 14-Jährige weiterhin regelmäßig in die Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie, aber er spielt schon längstens wieder Basketball in seinem Heimatverein Tauberbioschofsheim, baut im Fitness-Studio seine Muskeln auf und er läuft zwei Mal die Woche mindestens 15 Kilometer.

Spendenlauf als Dankeschön

Das Laufen hat ihn auf die Idee zum Spenden einsammeln gebracht. Denn er ist dem Team des HJW vor allem auf der Frühreha so dankbar für seine tolle Genesung, dass er etwas zurück geben möchte. So schreibt Matti in seinem Spendenaufruf auf der gofundme-Plattform: „Ohne diese tolle Betreuung, ohne all die Leute dort, die mich so engagiert unterstützt, gefördert und gefordert haben, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt schon wieder bin“. Weiter schreibt er: „Auch das Hegau-Jugendwerk ist von den Einsparungen im Gesundheitssystem akut bedroht. Vor allem die Frühreha-Station dort, in welcher ich auch die ersten Wochen dort lag, ist gefährdet. Daher habe ich mir gedacht, ich möchte dem Hegau-Jugendwerk etwas als Dank zurückgeben und sie finanziell ein wenig unterstützen, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“. Ein Teil des Geldes soll der Frühreha-Station zu Gute kommen, der andere Teil „dem tollen Physiotherapie-Team für neue Hilfsmittel und Trainingsgeräte“.

Mittlerweile sind 72 Spender Mattis Aufruf gefolgt und es wurden 3241 Euro gesammelt (Stichtag 2. Juni 2026) – siehe https://www.gofundme.com/f/spendenlauf-fur-meine-neurolog-rehaklinik-hegaujugendwerk

Herzlichen Dank Matti für Dein tolles Engagement – wir sind sehr beeindruckt von Dir!

Über die Hegau-Jugendwerk GmbH

Im Hegau-Jugendwerk bieten wir Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach einer neurologischen Erkrankung, einem Unfall oder einer frühkindlichen Hirnschädigung eine umfassende Rehabilitation an. Das diagnostische und therapeutische Angebot ermöglicht die nahtlose, kontinuierliche neurologische Rehabilitationsbehandlung von der Frührehabilitation bis zur schulischen und beruflichen Wiedereingliederung. Durch das Leistungsspektrum werden die neurologischen Rehabilitationsphasen B, C, D und E komplett abgedeckt.

Die Behandlung ist an den individuellen Erfordernissen jedes einzelnen Patienten ausgerichtet. Es werden intensive Einzel- und Gruppentherapien unter aktuellen rehabilitationswissenschaftlichen Erkenntnissen angeboten und durch weitere spezielle Angebote wie Unterstützte Kommunikation, Magnetstimulation, Schluckdiagnostik, Tiergestützte Therapie, Musiktherapie etc. ergänzt.

Die Einrichtung liegt in einzigartiger landschaftlicher Lage oberhalb des Rheins, 20 km vom Bodensee entfernt und wurde als bundesweite Modelleinrichtung speziell für Kinder und Jugendliche konzipiert.

Das Hegau-Jugendwerk ist ein Unternehmen im Gesundheitsverbund des Landkreises Konstanz und verfügt gesamt über 203 Betten.

Wesentliche Bestandteile des Rehabilitationszentrums sind eine staatlich anerkannte Krankenhausschule (SBBZ) und eine berufstherapeutische Abteilung. Rooming-in-Zimmer und Angehörigenzimmer ermöglichen es Eltern bzw. Angehörigen sowie Geschwisterkindern auch während der Rehabilitation nah bei ihrem betroffenen Kind zu sein. Zudem erfahren auch die Eltern bzw. Angehörigen durch eine Angehörigenbetreuung vor Ort kompetente Unterstützung und Hilfestellungen.

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