- Opel GSE Formula E Team bereitet Rennwagen im Windkanal auf die Anforderungen der neuen GEN4-Ära vor
- Aerodynamik gewinnt in der ABB-FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft stark an Bedeutung: Höhere Geschwindigkeiten und erstmals zwei Aero-Konfigurationen
- Windkanal liefert hochpräzise Messwerte für Balance, Effizienz und Fahrzeug-Setup
- Jörg Schrott: „Wollen Aerodynamik unter allen Bedingungen genau verstehen“
Mit der neuen GEN4-Ära der Formel E ab der nächsten Saison steigt nicht nur die Performance, sondern auch der Anspruch an noch mehr Präzision und Detailarbeit. Die nächste Fahrzeuggeneration ist deutlich schneller als ihre Vorgänger, zugleich kommen erstmals in der Formel E zwei unterschiedliche Aerodynamik-Konfigurationen zum Einsatz. Für Opel ist deshalb klar: Um das Potenzial des Opel GSE 27FE voll auszuschöpfen, muss das Team die Aerodynamik des Fahrzeugs bis ins Detail verstehen.
Im Windkanal arbeitet das Opel GSE Formula E Team daran, das Verhalten des Rennwagens unter realitätsnahen Bedingungen exakt zu testen und zu analysieren und damit die Testprogramme auf der Strecke noch präziser vorzubereiten. So wird ein Bereich greifbar, der später über Stabilität, Effizienz und im Grenzbereich auch über jede Hundertstelsekunde entscheiden kann.
„Mit der GEN4-Ära erhält das Thema Aerodynamik eine völlig neue Bedeutung“, sagt Jörg Schrott, Teamchef des Opel GSE Formula E Teams. „Deshalb wollen wir sehr genau verstehen, wie sich die verschiedenen Konfigurationen verhalten und wie wir die gewonnenen Daten bestmöglich für die Weiterentwicklung und das spätere Setup nutzen.“
Perfektes Timing: Opel steigt zu Beginn einer neuen Ära in die Formel E ein
Die neue Formel-E-Generation hebt das Leistungsniveau deutlich an: Statt bisher 350 kW (476 PS) leistet das GEN4-Auto 600 kW (816 PS), verfügt über permanenten Allradantrieb und wird klar in unter zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Diese Performance-Werte sowie zwei verschiedene Aero-Konfigurationen verändern die Anforderungen deutlich. Während eine Konfiguration auf möglichst geringe Luftwiderstände im Rennen ausgelegt ist, liefert die andere mehr Abtrieb für schnelle Runden im Qualifying.
Für die Teams bedeutet das: Sie müssen beide Varianten exakt kennen und die entsprechenden Werte präzise messen. Der Windkanal ist in dieser Phase enorm wertvoll, weil sich dort reale Werte gewinnen lassen, die auf der Strecke in dieser Genauigkeit nicht verfügbar sind.
Supersportler: So trainiert der Opel GSE 27FE im Windkanal
Im Windkanal wird der Opel GSE 27FE unter Bedingungen untersucht, die den Einsatz auf der Strecke möglichst realitätsnah nachbilden. Während das Auto auf dem Rollband steht, strömt Luft mit definierter Geschwindigkeit über das Fahrzeug. So können die Ingenieure genau messen, wie sich der Luftstrom auf Front und Heck auswirkt, wie sich die Balance verändert und wie die jeweilige Konfiguration arbeitet.
Für den direkten Vergleich tauscht das Team während der Sessions Front- und Heckflügel, um zwischen den beiden Aero-Konfigurationen zu wechseln. Der Vorteil: Beide Varianten lassen sich unter denselben Bedingungen direkt bewerten. Das hilft den Ingenieuren, Simulationen zu überprüfen und dann mit belastbaren Messwerten weiterzuarbeiten.
„Im Windkanal messen wir aerodynamische Lasten wie die Balance des Abtriebs mit sehr hoher Genauigkeit“, erklärt Simon Merchet, Entwicklungschef im Formel E Projekt. „Auf der Strecke sehen wir nur größere Effekte, aber nicht die feinen Details mit derselben Präzision. Genau diese sauberen Werte brauchen wir, um später mit verlässlichen Grundlagen weiterzuarbeiten.“
Perfekt abgestimmt: Opel-Vorbereitung folgt präzisem Plan
Dass Opel schon vor den intensiven Streckentests im Windkanal getestet hat, ist Teil eines klaren Entwicklungsplans. Das Entwicklungs-Chassis stand bereits zur Verfügung, während der neue Antriebsstrang zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsatzbereit für die Strecke war. Das Team nutzte diese Phase, um die Aerodynamik parallel gezielt weiterzuentwickeln. Sobald der Antriebsstrang verfügbar war, verlagerte sich der Schwerpunkt wieder stärker auf die Strecke. Windkanal, Prüfstand, Simulator und Testfahrten greifen dabei bewusst ineinander. „Wir haben einen klaren Plan, und dieser Plan wird abgearbeitet“, sagt Jörg Schrott.
Optimale Aerodynamik: Know-how auch für die Serie
Die erfolgreiche Arbeit im Windkanal hat bei Opel Tradition: Schon der legendäre Calibra setzte bei seinem Marktstart 1989 mit einem cW-Wert von 0,26 Maßstäbe und galt damals als aerodynamisch effizientestes Serienauto der Welt. Auch im Motorsport beschäftigte sich Opel früh mit dem Zusammenspiel von Luftwiderstand und Kühlung – etwa 1996 im Calibra V6 4×4 für die DTM und ITC mit aktiven Aeroshuttern im Frontbereich.
Den Stellenwert der Aerodynamik bei Opel zeigen auch aktuelle Modelle: Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von cW=0,29 zählt der Opel Corsa zu den aerodynamischsten Fahrzeugen seines Segments, der Opel Mokka erreicht einen cW-Wert von 0,32 und gehört damit ebenfalls zu den Besten seiner Klasse. Aktive Kühlerjalousien tragen bei beiden Modellen dazu bei, den Luftstrom je nach Fahrsituation und Kühlbedarf gezielt zu steuern und so die Effizienz zu verbessern.
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