Die Frühjahrsbelebung im regionalen Handwerk ist ausgeblieben. Im Vergleich zum Vorjahr melden die Betriebe quer durch alle Branchen eine deutlich geringere Nachfrage. Sorge bereiten die zuletzt wieder stark gestiegenen Preise für Energie und Material.

„Die Lage war ohnehin bereits alles andere als einfach. Verbraucher und Unternehmen sind verunsichert, was sich nun schon über einen längeren Zeitraum in fehlenden Aufträgen, bei den Umsätzen, der Auslastung und schließlich auch bei den Investitionen bemerkbar macht. Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat der Druck nochmals zugenommen“, sagt Alexander Wälde, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen.

Laut der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer bewerteten 40 Prozent der Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb die Geschäftslage im zweiten Quartal als gut. 24 Prozent äußerten sich unzufrieden. Zwar liegt der Saldo mit +16 Punkten nach wie vor im positiven Bereich, eine ähnlich schlechte Lagebeurteilung für ein Frühjahrsquartal gab es allerdings zuletzt in der Finanzmarktkrise 2009.

Schwache Nachfrage

Die Auftrags- und Umsatzsituation hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert. 43 Prozent der Betriebe verzeichneten zuletzt weniger Neuaufträge. Besonders hoch fällt der Rückgang bei den Gesundheitshandwerkern (66 Prozent der Befragten) und den Nahrungsmittelbetrieben (52 Prozent) aus. Etwas besser als im Durchschnitt lief es für das Bau- und Ausbauhandwerk und für die gewerblichen Zulieferer.

Allerdings fällt der Saldo in allen Branchen in den negativen Bereich. Für alle Handwerksgruppen liegt er bei -23 Punkte, der niedrigste Wert, der jemals in einem Frühjahrsquartal ermittelt wurde. Entsprechend schwach haben sich die Umsätze entwickelt. 37 Prozent der Unternehmen meldeten geringere Einnahmen, deutlich mehr als vor zwölf Monaten (2/2025: 20 Prozent).

Kosten für Energie und Material ziehen wieder an

Nachdem sich der Preisauftrieb im vergangenen Jahr abgeschwächt hatte, sind die Einkaufspreise zuletzt wieder deutlich stärker gestiegen. 78 Prozent der Betriebe meldeten höhere Aufwendungen für Energie, Vorprodukte, Material und Rohstoffe, eine Folge des Iran-Krieges.

Der Weg, die Verkaufspreise anzupassen, wird nur zurückhaltend beschritten. 36 Prozent der Betriebe gaben an, die Preise im zweiten Quartal erhöht zu haben. 61 Prozent hielten ihre Preise stabil. Daran dürfte sich auch in den nächsten Monaten grundsätzlich wenig ändern. Preiserhöhungen planen derzeit 38 Prozent der Betriebe, vier Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn.

„Durch den Iran-Krieg hat sich Kostendruck in zentralen Bereichen nochmals verschärft. Die Grundlast der Betriebe, etwa bei den Arbeitskosten und den Aufwendungen für Bürokratie, ist aber nicht erst seit wenigen Monaten zu hoch. Es ist höchste Zeit, dass die Politik nun die angekündigten Entlastungen auf den Weg bringt“, betont Wälde.

Baldige Trendwende nicht in Sicht

Die Hoffnungen auf eine baldige Trendwende sind gering. 15 Prozent der Betriebe erwarten, dass die Geschäfte in den nächsten Wochen anziehen. Doppelt so viele rechnen mit einer Verschlechterung. Vor allem im energieintensiven Nahrungsmittelhandwerk fällt die Prognose pessimistisch aus. 43 Prozent der Bäcker, Metzger und Konditoren stellen sich auf schlechtere Geschäfte ein.

Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer Reutlingen, der Lagebewertungen und Erwartungen aller Branchen zusammenfasst, liegt für das zweite Quartal 2026 bei -14,5 Punkten (2/2025: +6,2 Punkte).

Methodischer Hinweis

Vier Mal im Jahr befragen die baden-württembergischen Handwerkskammern ihre Mitgliedsbetriebe zur konjunkturellen Lage. Die Ergebnisse werden regional und nach Gewerbegruppen gewichtet. An der aktuellen Umfrage, die vom 9. bis 21. Juni online durchgeführt wurde, haben landesweit 3.000 Betriebe teilgenommen.

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