Gröschel brachte alle notwendigen Voraussetzungen für dieses Amt mit: Er war in Nürnberg geboren und aufgewachsen, er war von Kindheit an mit Kirchenmusik vertraut, er hatte am Nürnberger Meistersinger-Konservatorium studiert und konnte bereits einen großen Erfahrungsschatz als Organist und Chorleiter vorweisen, und nicht zuletzt war er dank seiner alteingesessenen Familie gesellschaftlich bestens vernetzt. Und er stürzte sich mit schier unerschöpflichem Idealismus und Arbeitseifer in die Aufgabe.
Was er als Orgellehrer und Diözesanmusiker leistete, verdient eine eigene Würdigung. Hier geht es um die Entwicklung der Nürnberger Kirchenmusiktage, die er ins Leben gerufen hat. Der Beginn war 1976 erst nur ein Wochenende, doch bald weitete sich das Angebot auf eine und dann zwei Wochen aus. Ebenso wuchsen die Bandbreite und die Qualität der eingeladenen Ensembles und Interpreten, die den Vergleich mit den Programmen der evangelisch geleiteten ION (Internationale Orgelwoche Nürnberg) nicht zu scheuen brauchten. Zur festen Größe bis heute wurde der von Gröschel gegründete Palestrina Chor Nürnberg, den er 1977 mit jungen Sängerinnen und Sängern aus seinem Familien-, Freundes- und Studentenkreis aufbaute und zu einem qualitativ hochwertigen Ensemble formte.
Neben der Pflege der klassischen katholischen Kirchenmusik von der Renaissance bis zur Wiener Klassik und der Romantik lag Rolf Gröschel immer auch die zeitgenössische Kirchenmusik am Herzen. Im Rahmen der Kirchenmusiktage fand z. B. die Nürnberger Erstaufführung des “Requiems” von Kszysztof Penderecki statt, und Nürnberger Komponisten wie Waldram Hollfelder und Kerstin Thieme vertrauten Gröschel und seinem Palestrina Chor etliche Uraufführungen an.
Die 50. Nürnberger Kirchenmusiktage beginnen mit einem Konzert, das – passend zu dem besonderen Anlass – vom Werk und von den Interpreten her ein echter Hochkaräter ist: Eine der besten Chorformationen Deutschlands, das Ensemble cantissimo unter der Leitung seines Gründers Markus Utz bringt eines der großen Meisterwerke der geistlichen Musik des 17. Jahrhunderts zur Aufführung, nämlich die Marienvesper von Claudio Monteverdi (Sonntag, 27. September, Frauenkirche).
Weitere hochrangige Gastchöre sind Seicento vocale unter der Leitung von Jan Croonenboeck (Samstag, 3. Oktober, Pfarrkirche St. Georg), Vocanta Erlangen unter der Leitung von Judith Adamczewski (Sonntag, 4. Oktober, Pfarrkirche Allerheiligen) und das Oberton-Ensemble WIR4 (Freitag, 9. Oktober, Pfarrkirche St. Elisabeth). Der Neuzugang in der Orgellandschaft Nürnbergs, die Weimbs-Orgel von 2025 in der Pfarrkirche Allerheiligen, ist in zwei Konzerten zu hören, mit dem Domorganisten von Hamburg St. Marien, Christian Weiherer (Donnerstag, 1. Oktober), und dem jetzigen Regionalkantor von Nürnberg, Frank Dillmann (Dienstag, 6. Oktober). Ein geistliches Konzert der besonderen Art kann man mit dem Pianisten Paul Sturm erleben, der in einem Gesprächskonzert geistliche Klaviermusik vorstellen wird (Donnerstag, 8. Oktober, Pfarrsaal St. Georg).
Den Abschluss bildet traditionsgemäß der Palestrina Chor Nürnberg unter der Leitung von Rolf Gröschel mit einem großen Chor- und Orgelkonzert. Auf dem Programm stehen Werke von Alexander Gretchaninow, Joseph Renner jun. und Gioachino Rossini.
Die 50. Kirchenmusiktage der Katholischen Stadtkirche Nürnberg sind mehr als eine Konzertreihe mit geistlicher Musik – sie sind klingende Nürnberger Kirchenmusiktradition und -pflege, geprägt durch den unermüdlichen Einsatz eines Mannes, dem die katholische Kirchenmusik in Nürnberg sehr viel zu verdanken hat: Rolf Gröschel.
Nähere Informationen zum Programm der 50. Kirchenmusiktage unter www.kirchenmusik-nuernberg.de
Verein zur Pflege der Kirchenmusik in der Katholischen Stadtkirche Nürnberg e.V
Bierweg 37
90411 Nürnberg
Telefon: +49 (911) 5299679
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Mitglied des Vorstands
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