Diese Botschaft ging aus dem ökotheologischen Seminar „Theologie des Tourismus inmitten der Polykrise: Eine ökotheologische Antwort der Kirchen in Indonesien“ hervor, das die Vereinte Evangelische Mission (VEM) und die Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien (PGI) vom 21. bis 24. September 2026 auf der indonesischen Urlaubsinsel Lombok veranstalteten. Insgesamt 50 Teilnehmende, darunter Synodenleitungen, Pfarrer*innen, Theologiestudierende und Dozent*innen theologischer Hochschulen und Universitäten, kamen aus den regionalen Kirchengemeinschaften von West-Nusa-Tenggara, Ost-Nusa-Tenggara und Bali sowie aus den VEM-Mitgliedskirchen der Region zusammen.
Das Seminar hielt fest, dass die ökologische Krise Teil der weltweiten Polykrise ist. Ein Tourismus, der allein auf wirtschaftlichen Gewinn zielt, kann Ökosysteme sowie die Lebensgrundlagen und Lebensräume lokaler Gemeinschaften und indigener Völker bedrohen und die ökologische Ungerechtigkeit verschärfen. Tourismusentwicklung muss daher die Belastbarkeit der Natur, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit berücksichtigen sowie lokale Kulturen und die Rechte lokaler Gemeinschaften schützen.
Die Erde als anvertraute Schöpfung
Die Reflexion des Seminars gründet in Psalm 24,1: „Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“ Die Erde ist demnach keine Ressource, die Menschen nach Belieben ausbeuten dürfen, sondern Gottes Schöpfung, die er den Menschen zur gemeinsamen Verantwortung anvertraut hat. Daher soll die Kirche ihre prophetische Stimme durch konkretes, nachhaltiges Handeln erheben.
Pfarrerin Dr. Norita Sembiring, Leiterin der Abteilung ‚Global Education‘ der VEM, betonte in ihrem Vortrag, die im Kreuz offenbar gewordene Solidarität Christi sei ein tiefes Fundament für menschliche Solidarität im Streben nach Gerechtigkeit und ökologischer Transformation. Zum Tourismus ergänzte sie: „Wir sagen nicht Nein zum Tourismus und zu seinen wirtschaftlichen Chancen. Uns geht es um eine andere Frage: Wie kann ein Tourismus aussehen, der ökologisch gerecht ist, die ganze Schöpfung achtet und insbesondere verletzliche Gemeinschaften in den Blick nimmt?“
Aufruf an Kirchen, Regierungen und Gesellschaft
Das Seminar ruft die Kirchen auf, Genügsamkeit und Mäßigung (indonesisch: keugaharian) sowie ökologische Gerechtigkeit von der Ortsgemeinde bis zur Synodenebene vorzuleben. Dazu gehören Mülltrennung, der Schutz von Mangroven und Korallenriffen, die Umsetzung des Öko-Kirchen-Konzepts, die Stärkung ökotheologischer Bildung und die Unterstützung der Bewegung für verantwortungsvolles Reisen. Zudem sollen die Kirchen lokale Gemeinschaften und indigene Völker begleiten und einen umweltfreundlichen spirituellen Tourismus nach den Prinzipien des Ökotourismus entwickeln.
Von den Regierungen fordert das Seminar, Umweltvorschriften zu verschärfen, Entwicklungsvorhaben und Umweltverträglichkeitsprüfungen wirksam zu überwachen, die Landrechte lokaler Gemeinschaften und indigener Völker zu schützen und den Tourismus an der ökologischen Belastbarkeit auszurichten. Gemeinschaften, Unternehmen, theologische Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen sollen ebenfalls eine Tourismussteuerung entwickeln, die sich an ökologischer Nachhaltigkeit und am Wohlergehen der Menschen ausrichtet.
Lernen im ökumenischen Netzwerk
Der Aufruf aus Lombok richtet sich nicht nur an die Kirchen in Indonesien. Als Teil der weltweiten Ökumene sollen auch die VEM-Mitglieder in Afrika und Deutschland entsprechend ihrem Kontext zur ökotheologischen Reflexion und Praxis beitragen. Die Erfahrungen der Kirchen in Indonesien mit Tourismus, Klimawandel, Umweltzerstörung, Agrarkonflikten und dem Schutz verletzlicher Gemeinschaften können das gegenseitige Lernen im VEM-Netzwerk bereichern. Umgekehrt können die Erfahrungen der Mitglieder in anderen Ländern das ökologische Engagement der Kirchen in Indonesien stärken.
Von Bali und Lombok senden die Kirchen eine klare Botschaft: Das „Paradies“ darf nicht nur für die Tourist*innen von heute erhalten werden. Es muss ein Zuhause bleiben, in dem Menschen und Natur auch morgen noch gedeihen können. Ein Tourismus, der ökologische Gerechtigkeit ernst nimmt, gehört zum Auftrag der Kirchen, die Schöpfung zu bewahren und allen Lebewesen eine gute Zukunft zu sichern.
Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die VEM verfolgt konsequent ein ganzheitliches Missionsverständnis. Dazu gehört, die Lebensumstände notleidender und benachteiligter Menschen unter Achtung ihrer persönlichen Würde und Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts zu verbessern.
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