Die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse nimmt in einem offenen Brief an das Bistum Trier Stellung zu dessen Kritik an „Weihnachten im Schuhkarton“. Den Brief unterzeichnen Sylke Busenbender und Marina Nobiling als Vorstand der Organisation. Darin wenden sie sich gegen die Darstellung, die Geschenkaktion instrumentalisiere die Bedürftigkeit von Kindern für missionarische Zwecke. Auch der Kritik an mangelnder Nachhaltigkeit treten sie entgegen und erläutern, worin der besondere Wert der Geschenke und ihre Wirkung liegen.

Am 15. Oktober startet die neue Saison von „Weihnachten im Schuhkarton“, dem deutschsprachigen Teil der internationalen Geschenkaktion „Operation Christmas Child“. Seit 30 Jahren packen Menschen im deutschsprachigen Raum Geschenke für Kinder, die unter schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen. Weltweit haben seit Beginn der internationalen Aktion 1993 mehr als 244 Millionen Kinder einen Schuhkarton erhalten. Im Jahr 2025 waren es über zwölf Millionen, rund 276.000 Schuhkartons kamen aus dem deutschsprachigen Raum.

Ein Geschenk ist kein EntwicklungsprojektIn einer aus den vergangenen Jahren übernommenen Stellungnahme vom 30. September kritisiert das Bistum Trier, die Aktion leiste keine nachhaltige Entwicklungshilfe und nutze die Geschenke lediglich als Türöffner für missionarische Aktivitäten.

„Samaritan’s Purse leistet umfassende humanitäre und medizinische Hilfe in vielen Krisengebieten weltweit“, erklärt die Vorstandsvorsitzende von Samaritan’s Purse, Sylke Busenbender. Ein Geschenk sei aber kein Entwicklungsprojekt. „Es soll einem Kind die größtmögliche Freude machen und ihm zeigen: Du bist ein von Gott geliebtes Kind, und du bist es wert, wunderbar beschenkt zu werden. Das Geschenk ist dabei kein Türöffner für die Mission, sondern trägt diese Botschaft bereits in sich.“

Die Verteilungen werden von lokalen christlichen Gemeinden verschiedener Konfessionen organisiert. Sie laden die Kinder zu Weihnachtsfeiern ein und überreichen ihnen die Geschenke. Anschließend können die Kinder am Glaubenskurs Die größte Reise teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig und setzt die Zustimmung der Eltern voraus. Die Geschenke sind an keinerlei Bedingungen geknüpft.

Aus Geschenken wachsen langfristige Verbindungen
Durch die Geschenkaktion entstehen langfristige Beziehungen und Netzwerke zwischen Menschen und Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen. Ein aktuelles Beispiel ist Venezuela: Nach den schweren Erdbeben hat Samaritan’s Purse rund 270 Tonnen Hilfsgüter ins Land geflogen. Die Verteilung wurde durch ein Netzwerk lokaler Gemeinden getragen, das nicht zuletzt durch „Weihnachten im Schuhkarton“ entstanden ist.

„Mission ist kein Gegensatz zu nachhaltiger Hilfe“, sagt Busenbender. Nachhaltige Veränderung zeige sich auch darin, wie Menschen sich selbst und anderen begegnen. Der Glaube eröffne hier eine neue Perspektive: Jeder Mensch ist von Gott geliebt und gewollt. Diese Gewissheit gebe Hoffnung und begründe Verantwortung füreinander. „Wort und Tat gehören für uns zusammen“, betont Busenbender. „Samaritan’s Purse betreibt in Krisengebieten Feldkrankenhäuser, errichtet Notunterkünfte und versorgt Menschen mit Lebensmitteln und sauberem Wasser. Diese Einsätze sind gelebter christlicher Glaube. Und wir verschweigen nicht, was uns antreibt.“

Samaritan’s Purse geht davon aus, dass das Bistum Trier die sachlich unzutreffenden Darstellungen überprüft und korrigiert. Zugleich bietet der Vorstand einen offenen Austausch über das Verständnis von Mission und christlicher Hilfe an.

DOKUMENTATION

Offener Brief von Samaritan’s Purse an das Bistum Trier vom 12. Oktober 2026

Der vollständige Wortlaut des offenen Briefes:

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Ackermann,

mit Interesse, aber auch mit Verwunderung haben wir Ihre Stellungnahme vom 30. September zu „Weihnachten im Schuhkarton“ gelesen.
Selbstverständlich respektieren wir, dass das Bistum Trier ein anderes Verständnis von Mission und Entwicklungshilfe vertritt. Welches Verständnis Sie damit meinen, geht aus Ihrem Text leider nicht hervor. Wir hätten uns darum gefreut, wenn Sie vor der Veröffentlichung den Austausch mit uns gesucht hätten, um die jeweiligen Sichtweisen kennenzulernen und offene Fragen zu klären. Für ein solches Gespräch stehen wir Ihnen auch weiterhin gern zur Verfügung. Zugleich enthält Ihre Stellungnahme aus unserer Sicht mehrere irreführende Darstellungen unserer Arbeit, denen wir widersprechen möchten.

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine christliche Geschenkaktion und kein Entwicklungsprojekt. Ein Geschenk soll Freude machen und einem Kind zeigen: Du bist ein von Gott geliebtes Kind, und du bist es wert, wunderbar beschenkt zu werden. Es ist eben gerade kein Türöffner, sondern trägt diese Weihnachtsbotschaft bereits in sich. Zudem ist ein echtes Geschenk seiner Natur nach niemals an Bedingungen gebunden.

Seine Wirkung allein an materiellen Verbesserungen der Lebensverhältnisse zu messen, greift aus unserer Sicht zu kurz. Manche Kinder haben zuvor bereits materielle Unterstützung erhalten, aber noch nie ein persönliches Geschenk. Sehr viele besitzen damit obendrein zum ersten Mal etwas Neues: Ehemalige Empfängerkinder erinnern sich oft noch Jahre später an den besonderen Geruch der neuen Geschenke beim Öffnen ihres Schuhkartons. Allein die Erfahrung, dass jemand für sie Geschenke ausgesucht, sich für sie Mühe gegeben hat, kann weit über diesen Moment hinauswirken. Darüber hinaus nehmen wir den Gedanken eines individuell und hochwertig zusammengestellten Geschenks sehr ernst. Jeder einzelne Schuhkarton wird vor dem Versand durchgesehen. Nicht zuletzt bitten wir alle, die einen Schuhkarton packen, für das beschenkte Kind zu beten.

Insofern bedarf Ihre Darstellung der missionarischen Arbeit aus unserer Sicht einer Klarstellung. Es ist kein Geheimnis, dass „Weihnachten im Schuhkarton“ eine christliche Geschenkaktion ist – das wird sowohl hier als auch in den Empfängerländern offen kommuniziert. Unser Motto „It’s all about Jesus“ ist nicht zu übersehen. Die Geschenkverteilungen werden von lokalen christlichen Gemeinden verschiedener Konfessionen organisiert und orientieren sich an den jeweiligen Bedingungen vor Ort. Die Gemeinden laden die Kinder ein und verteilen die Schuhkartons im Rahmen individuell gestalteter Weihnachtsfeiern. Der Glaubenskurs Die größte Reise ist freiwillig und setzt die Zustimmung der Eltern voraus. Kein Kind muss an einem Glaubenskurs teilnehmen, um einen Schuhkarton zu erhalten.

Auch in muslimisch oder buddhistisch geprägten Ländern erfolgen die regulären Geschenkverteilungen ausschließlich durch christliche Gemeinden vor Ort, die in der Lage sind, kultursensibel zu agieren. Ohne lokale Partner werden Schuhkartons nur in seltenen Ausnahmefällen verteilt, beispielsweise nach Naturkatastrophen oder in Kriegsgebieten. Vor diesem Hintergrund wäre es für uns interessant zu erfahren, auf welche konkreten Fälle oder Konflikte im Zusammenhang mit den Geschenkverteilungen Sie sich beziehen.

Irritiert hat uns zudem Ihre Kritik an der Broschüre Das größte Geschenk, insbesondere an der Darstellung von Sünde. Die Broschüre erläutert grundlegende Inhalte des christlichen Glaubens: Schöpfung, Sünde, Jesus Christus, Vergebung und Erlösung. Dass eine christliche Organisation Kindern diese Zusammenhänge erklärt, erscheint uns nicht als problematische Besonderheit, sondern als selbstverständlicher Bestandteil christlicher Verkündigung.

Dabei ist eine weitere Erfahrung aus unserer Arbeit von Bedeutung: Schuhkartons werden inzwischen häufig in Lebenssituationen verteilt, in denen materielle Armut nicht das einzige Problem ist. Zu den beschenkten Kindern gehören solche aus zerrütteten Familien, Kinder mit Behinderungen, die massive Ausgrenzung erfahren, Kinder ohne ausreichenden Zugang zu Bildung oder Mädchen, deren Leben von Zwang und Abhängigkeit geprägt ist. Sie kennen Unrecht, Gewalt und Leid aus ihrem eigenen Umfeld. Diese Dimension auszuklammern hieße, wesentliche Erfahrungen aus ihrer Lebenswirklichkeit auszublenden. Die christliche Botschaft spricht von Schuld und vom Bösen, aber ebenso von Vergebung, Erlösung und Hoffnung.

Es ist diese Hoffnung auf Jesus Christus, die uns in unserer Arbeit trägt und die wir weitergeben wollen. Unsere Organisation ist in Krisen- und Katastrophengebieten weltweit im Einsatz, betreibt mobile Feldkrankenhäuser, errichtet Notunterkünfte, versorgt Menschen mit Lebensmitteln und sauberem Wasser und leistet medizinische Hilfe. Hinzu kommen langfristige Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Existenzsicherung. Dabei spielen Religion, Überzeugungen und Lebensweisen keine Rolle, geholfen wird dem, der Hilfe braucht. Dieser Einsatz ist für uns gelebter christlicher Glaube. Wir wollen Gottes Liebe durch unser Handeln erfahrbar machen. Jesus selbst sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16).

Wir sind zudem überzeugt, dass christliche Hilfe den ganzen Menschen in den Blick nehmen muss – seine materiellen und körperlichen ebenso wie seine geistlichen Bedürfnisse. Wort und Tat zusammen wirken – nachhaltig. Wir erleben es so: Dass aus dem Leben mit Jesus Neues entsteht, Gutes und Verbindendes.

Besonders irritiert uns in diesem Zusammenhang darum Ihre Formulierung: „Stattdessen fördert das Bistum Trier die Ökumene, den Dialog der Religionen und ein konstruktives gemeinsames Engagement der Weltreligionen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.“ Warum sollte das im Gegensatz zur christlichen Mission stehen? Ein konstruktiver Dialog setzt aus unserer Sicht voraus, dass die Beteiligten ihren eigenen Glauben offen benennen und einander mit Respekt begegnen. Dazu gehört für uns Christen, von Jesus Christus zu sprechen und die Hoffnung weiterzugeben, die uns trägt.

Auch wir setzen uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein. Mehr noch: Wir erleben, dass unsere Arbeit Menschen und Gemeinden über Konfessionsgrenzen hinweg zusammenbringt und Netzwerke entstehen lässt, die weit über die ursprüngliche Geschenkaktion hinausreichen. Ein aktuelles Beispiel ist Venezuela: Nach den schweren Erdbeben hat Samaritan’s Purse rund 270 Tonnen Hilfsgüter ins Land geflogen. Die Verteilung wurde durch ein Netzwerk lokaler Gemeinden getragen, das nicht zuletzt durch „Weihnachten im Schuhkarton“ entstanden ist. Was könnte nachhaltiger sein? Und was wäre ein besseres Beispiel dafür, dass christliche Mission und praktische Hilfe, gegenseitiger Respekt und gemeinsames Engagement keine Gegensätze sind?

Wir möchten Sie bitten, die sachlich unzutreffenden und irreführenden Darstellungen in Ihrer Stellungnahme zu überprüfen und entsprechend zu korrigieren. Für einen offenen Austausch über unser unterschiedliches Verständnis von Mission und christlicher Hilfe stehen wir gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Sylke Busenbender und Marina Nobiling

Berlin, 12. Oktober 2026

Über Samaritan’s Purse e. V.

Samaritan’s Purse widmet sich der Unterstützung von Menschen in Not, unabhängig von deren Herkunft, Religion oder Kultur. Unter dem Motto „Helping in Jesus‘ Name“ leistet Samaritan’s Purse weltweit humanitäre und medizinische Hilfe in Kriegs- und Krisengebieten. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist vor allem die internationale Geschenkaktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die Menschen einlädt, Kindern nicht nur das Nötigste zukommen zu lassen, sondern sie zu beschenken und ihnen die Botschaft von der Liebe Gottes zu überbringen. Der deutsche Zweig von Samaritan’s Purse wird von Sylke Busenbender und Marina Nobiling geleitet.

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