Mehr als jedes fünfte Kind im Saarland lebt in Armut. „Durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie droht eine weitere Verschärfung“, warnt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer. Beim Homeschooling im Frühjahr waren Kinder aus armen Verhältnissen benachteiligt, denn Sie verfügen seltener über die notwendige technische Ausstattung und haben auch keine Rückzugsräume zum ungestörten Lernen. Außerdem können Eltern die notwendige Unterstützung häufiger nicht leisten. „Damit die betroffenen Kinder nicht weiter abgehängt werden, gilt es die Schulen in der Pandemie so lange wie möglich offen zu halten“, fordert Otto und unterstützt den Kurs der saarländischen Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot.

Trotz guter Wirtschaftslage und hohem Beschäftigungsstand ist die Kinderarmut im Saarland im vergangen Jahr erneut angestiegen: 22,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen galten 2019 als armutsgefährdet, d.h. sie leben in Haushalten, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. 2018 lag die Armutsgefährdungsquote noch bei 20,4 Prozent.

2019 lebten im Saarland 18,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Haushalten, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen waren. Deutschlandweit waren dies 13,3 Prozent. Auf Kreisebene gibt es allerdings erhebliche Unterschiede: Am höchsten ist der Anteil der Kinder im Hartz IV-System im Regionalverband Saarbrücken (27,4 %) und in Neunkirchen (21,4 %). In den Landkreisen St. Wendel und Merzig-Wadern sind es dagegen 10,1 bzw. 10,3 Prozent.

Die Sozialverbände im Saarland beobachten nach dem ersten Lockdown im Sommer, dass durch die Schließungen von Schulen und Kitas viele Kinder aus benachteiligten Familien in ihrer Entwicklung zurückgefallen sind. Das betrifft zum Beispiel Kinder aus Migrantenfamilien, die gerade Deutsch gelernt haben oder aber auch Kinder, die gerade Lesen und Rechnen gelernt haben und dies über den Lockdown nicht ausreichend üben konnten. „Schule ist für  Kinder nicht nur eine Bildungseinrichtung, sondern auch ein wichtiger Ort für ihren sozialen Austausch. Wenn dieser wegfällt, besteht die Gefahr, dass einige ins Abseits geraten“, befürchtet Otto und betont: „Dies betrifft in besonderem Maße Kinder aus benachteiligten Familien. Wir entscheiden jetzt über die Zukunft einer ganzen Generation. Deshalb gilt es, eine erneute Schließung von Schulen und Kitas zu verhindern.“

Zum Hintergrund: Die Bertelsmann Stiftung hat die Lebensrealität armer Kinder ebenfalls untersucht und formuliert in einer im Juli 2020 vorgelegten Studie folgendes Fazit: Homeschooling ist für viele arme Kinder bislang nicht realisierbar. Denn fast die Hälfte der Kinder in Armut lebt in Wohnungen mit zu wenig Zimmern und zu wenig Platz. Jedes vierte Kind hat keinen Computer oder kein Internet zur Verfügung und jedem siebten fehlt ein Ort zum Lernen zu Hause.

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