Giuseppe Galli Bibienas Geburtstag jährt sich kurz nach Jahresbeginn, am Dienstag (5. Januar), zum 325. Mal. Die Bayerische Schlösserverwaltung erinnert mit Freude an den Meister des Barocks, der – am 5. Januar 1696 in Parma geboren – aus einer europaweit berühmten Bühnenbildner-Dynastie stammt, die über alle Generationen hinweg im Dienst des Hofes stand und durch das von Giuseppes Vater Ferdinando neu entwickelte Kompositionsprinzip, die „Scena per angelo“, im 18. Jahrhundert im Bereich der Theater- und Bühnenarchitektur tonangebend waren.

Sein meisterhaftes Können ist heute noch in Bayreuth zu bewundern: Man darf im Innenraum des Markgräflichen Opernhauses von einer exakten Umsetzung der Planungen Giuseppe Galli Bibienas ausgehen. Dafür sprechen etwa zeitgenössische Quellen, die die höchste Zufriedenheit der Auftraggeber widerspiegeln. Im Mai 1748 schrieb Markgräfin Wilhelmine nach einem Besuch des Opernhauses an ihren Bruder Friedrich: „Bibiena hat in diesem Theater die Quintessenz des italienischen und französischen Stils vereinigt. Man muss zugeben: in seinem Fach ist er ein Meister.“

Die von Bibienas Vater erfundene „Scena per angelo“ bot, im Gegensatz zur bis dato vorherrschenden Zentralperspektive, die Möglichkeit, Bühnenbilder mit mehreren perspektivischen Achsen mit unterschiedlichen Fluchtpunkten über Eck zu gestalten. Mit ihrer Kunst schufen die Bibienas die perfekte Kulisse für die „Opera seria“ und deren kunstvollste Form, die „Festa teatrale“, die besonders bei Hochzeiten am Hof aufgeführt wurden.

In Nachfolge seines Vaters Ferdinando Galli Bibiena (1656–1743) hatte sich Giuseppe als kaiserlicher Architekt und Erster Theateringenieur (ab 1723) in Wien einen Namen als Spezialist für die Ausstattung der allseits bewunderten Feste und Hochzeiten des Kaiserhauses gemacht. In den 1740er-Jahren befand sich Giuseppe Galli Bibiena auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Durch ein prachtvolles, Kaiser Karl VI. (reg. 1711–1740) gewidmetes Stichwerk waren seine Festentwürfe in ganz Europa bekannt und nicht nur der Wiener Kaiserhof, sondern viele weitere bedeutende Höfe bedienten sich seines Könnens als Theaterarchitekt. 1740 stattete er die Eröffnungsoper des neuen königlichen Theaters in Turin aus, 1743 war er für das Bühnenbild mehrerer Opernaufführungen in Venedig tätig. 1744 zurück in Wien, war sein Festdekor für die Hochzeit der Schwester Kaiserin Maria Theresias (reg. 1745–1780), Erzherzogin Maria Anna (1718–1744), in aller Munde. 1747 beteiligte er sich an der Ausstattung der berühmten Doppelhochzeit des bayerischen und sächsischen Hofs in Dresden, wo er ab Januar 1748 als erster Architekt dauerhaft in den Dienst des sächsischen Fürstenhauses trat. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 1754 im Dienst Friedrichs des Großen in Berlin, wo er 1757 verstarb.

Zwischen der Wiener und der Dresdner Hochzeit muss der Kontakt nach Bayreuth hergestellt worden sein. Im März 1748 wurde Giuseppe Galli Bibiena offiziell von seiner eben angetretenen Tätigkeit als Dresdner Hofarchitekt beurlaubt und befand sich bereits ab Januar dieses Jahres vor Ort in Bayreuth, um in der heißen Phase des Baus bis zu den Hochzeitsfeierlichkeiten im September neben seinem Sohn auch unmittelbar an der Umsetzung seiner Entwürfe mitzuwirken. Zuvor ließ er sich in Bayreuth von seinem Sohn Carlo vertreten.

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