Mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand das alte Vorbild in Sachen Inklusion wieder zu seiner Stärke zurück. Bereits im Vorfeld kündigte der damals noch designierte Präsident Joe Biden an, dass zu diesem feierlichen Anlass am 20. Januar 2021 Live-Untertitel, Verdolmetschung in Amerikanische Gebärdensprache (ASL) und zusätzlich in Cued Language Transliteration (einem „Phonembestimmten Manualsystem“) zusammen mit Audiodeskription für blinde Menschen angeboten würden.

Ein ganz besonderer Höhepunkt in Washington war dabei der „Pledge of Allegiance“ (Fahneneid). Andrea Hall aus Georgia ist eine Schwarze Feuerwehrchefin – und Coda (Child of Deaf Adults, Kind gehörloser Eltern). Sie begleitete diesen Schwur bei der Amtseinführung mit Gebärden der Amerikanischen Gebärdensprache. Es handelte sich zwar nicht um einen vollen Gebärdenspracheinsatz, da sie der Grammatik der Lautsprache folgte, wie es auch in Deutschland bei Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) üblich ist, aber es war dennoch ein absolutes Novum. Das bestätigte eine Sprecherin des Amtseinführungskomitees gegenüber amerikanischen Pressevertreter/-innen: Noch nie zuvor war auf der Hauptbühne bei einer Rede gebärdet worden.

Der Satz, den sie mit ASL-Gebärden begleitete, lautete: „Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“ Damit setzte die Biden-Regierung gleich von Anfang an ihren hochgesteckten Barrierefreiheits-Zielen fast beiläufig ein Sahnehäubchen auf.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund freut sich sehr darüber, dass die Vereinigten Staaten seit gestern wieder eine Vorreiterrolle in Sachen Zugänglichkeit für Gehörlose und Schwerhörige einnehmen, nachdem die Trump-Regierung den Einsatz von Dolmetscherinnen für Gebärdensprache bei Pressekonferenzen des Weißen Hauses verweigerte, wogegen die National Association of the Deaf (NAD, Amerikanischer Gehörlosenverband) erfolgreich klagte. In Deutschland und in Europa gab es in Folge der Corona-Pandemie große Durchbrüche bei der Verdolmetschung von Regierungs-Pressekonferenzen, für die wir uns im vergangenen Jahr eingesetzt haben.

Dennoch wird hierzulande immer noch der Gebärdensprache ein Platz auf der Hauptbühne verweigert – wir wollen uns also hier wieder den USA als großem Vorbild zuwenden, nach dem wir streben, gratulieren der Biden-Regierung zu diesem fabelhaften Einstand und freuen uns auf die kommenden vier Jahre!

 

 

Über Deutscher Gehörlosenbund e. V.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund ist der Rechtsnachfolger des 1927 gegründeten Reichsverbandes der Gehörlosen Deutschlands (REGEDE) und wurde im Jahr 2007 80 Jahre alt.

Insgesamt haben sich 27 Verbände im Deutschen Gehörlosen-Bund zusammengeschlossen:

– 16 Landesverbände
– Bundesarbeitsgemeinschaft der Dozenten für Gebärdensprache e.V.
– Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher Deutschland
– Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge (DAFEG)
– Deutsche Gehörlosen-Jugend
– Deutsche Gehörlosen-Skatvereinigung
– Deutscher Gehörlosen-Sportverband
– Deutsches Gehörlosen-Theater
– Gesellschaft für Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser
– Netzwerk der Gehörlosen-Stadtverbände
– Verband der Katholischen Gehörlosen Deutschlands
– Verein „Kultur und Geschichte Gehörloser"

Über diese Verbände sind ca. 30.000 Mitglieder aus mehr als 600 Vereinen im DGB organisiert. Ein Präsidium aus sieben Personen und sechs hauptamtliche MitarbeiterInnen zeichnen für die Arbeit des DGB verantwortlich.

Der DGB ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV), in der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten – Selbsthilfe und Fachverbände (DG) , der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. (BAG SELBSTHILFE) e. V., der European Union of the Deaf (EUD) und der World Federation of the Deaf (WFD).

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