Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Invalidenstraße 50/51, 10557 Berlin

bis auf weiteres geschlossen

Pauline Curnier Jardin. Fat to Ashes

ab Wiedereröffnung – 19. September 2021

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin

Fleisch, Haut, Wachs, Konfetti, Blut, Gedärme, Düfte, Sinne, Rauch, Ritus, Alkohol, Exzess, Berührung, Gesang, Fett und Asche: Das sind mitunter die weichen, rauen, sanften, derben Materialien, mit denen die Künstlerin Pauline Curnier Jardin in ihrer Arbeit hantiert. Die Gewinnerin des Preis der Nationalgalerie 2019 zeigt in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin die anlässlich ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland entstandene raumgreifende Videoinstallation „Fat to Ashes“.

Jardins filmische und installative Sprache greift oftmals altertümliche, mythenhafte Erzählungen auf, die sie dekonstruiert und durchbricht. „Fat to Ashes“ verbindet drei filmische Momentaufnahmen: ein religiöses Fest zu Ehren der heiligen Agatha, die Schlachtung eines Schweins und den Kölner Karneval. Der Ausstellungstitel verweist auf eine Woche der Ausschweifung vom sogenannten „Fat Thursday“, oder „giovedì grasso“, bzw. Weiberfastnacht oder Fettdonnerstag im Deutschen, bis zum Aschermittwoch als Tag der Ernüchterung und Beginn der Fastenzeit nach christlichem Kalenderjahr. Jardin zeigt diese drei Handlungsräume als Orte der Transgression und der Verwandlung, in denen aus kultischen Bräuchen bis in die Gegenwart eine gesellschaftliche Funktion des Zusammentreffens, der performativen Zurschaustellung und der exaltierten Loslösung geltender Normen fortführt wird.

Eine italienische Süßspeise etwa, die der Form einer Brust nachempfunden ist, wird an dem Festtag zum Gedenken des Martyriums der heiligen Agatha verspeist. Die Schlachtung des Schweins geschieht abseits industrialisierter Massentierhaltung auf einem traditionellen, ländlichen Hof. Die Bilder vom Kölner Karneval wiederum sind voller Leben. Im Rückblick auf das Karnevalgeschehen lesen sich die Feierlichkeiten wie eine letzte große kollektive Ausschweifung bevor wenig später, wie die heutigen Betrachter*innen des Videos wissen, Covid zum bundesweiten Lockdown führen wird. Ein raumgreifendes Amphitheater umfasst die Videoinstallation als Zentrum des Spektakels und so sind Wandlung, Prozession und praktizierte Performance im ritualisierten Exzess die inhaltlichen als auch formalen Attribute von Pauline Curnier Jardins „Fat to Ashes“.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, mit Beiträgen von Pauline Curnier Jardin, Sara Giannini, Ana Teixera Pinto, Kristina Schrei und Giovanna Zapperi.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und gefördert durch BMW.

Coronabedingt kann sich die geplante Laufzeit der Ausstellung kurzfristig ändern. Wir informieren Sie aktuell über http://www.smb.museum

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