Für die Caritas sind freiwillig Engagierte nicht die „schnelle Eingreiftruppe“, die einspringt, wenn Not am Menschen ist und Leistungslücken füllt. Deshalb macht sie sich dafür stark, durch politische Rahmenbedingungen den Eigensinn von freiwilligem Engagement zu wahren. „Dieses Engagement darf nie auf seinen gesellschaftlichen Nutzen reduziert werden. Und es darf nicht als Ersatz für sozialstaatliche Leistungen missverstanden werden“, so die beiden Caritasdirektorinnen Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock (Rottenburg-Stuttgart) und Birgit Schaer (Freiburg) im Vorfeld der Landtagswahl. Zur politischen und sozialen Kraft des Engagements gehöre, dass es frei sei. Dies betreffe sowohl die Wahl der Aufgaben wie auch die Entscheidung der Freiwilligen, neue Wege zu beschreiten und kreative Lösungen zu finden.  

„Freiwillig Engagierte wollen ihr Lebensumfeld mitgestalten. Hier steckt unglaublich viel Tatkraft, die unsere Gesellschaft und Demokratie stärkt.“ Davon ist die Caritas Baden-Württemberg, die rund 55.000 ehrenamtliche und freiwillige Mitarbeitende hat, überzeugt. Politisch seien Bedingungen so zu gestalten, damit sich Menschen einbringen wollen und können, die die ganze Bandbreite der Gesellschaft abbildeten. So könne bürgerschaftliches Engagement beispielsweise für Menschen in prekären Lebenssituationen Chancen eröffnen, am sozialen Leben teilzuhaben und Selbstwirksamkeit zu erleben. „Engagement darf nicht abhängig sein vom Einkommen, Bildung, Beruf oder Studium“, so die Caritasdirektorinnen.

Eine Sonderform des freiwilligen Engagements ist der Freiwilligendienst, den vor allem junge Menschen leisten, auch um sich persönlich weiterzuentwickeln. Diese Gruppe von aktiven Menschen ist heute zwar vielfältiger denn je. Doch die Potenziale seien bei weitem noch nicht ausgeschöpft, so die Caritas im Land.

Demzufolge sei in der kommenden Legislatur ein Ausbau und eine Aufwertung der Freiwilligendienste in Baden-Württemberg gefragt. Durch kostenlose oder stark vergünstigte Tickets für den Öffentlichen Personen-Nah-Verkehr ÖPNV könne die neue Landesregierung die hier geleistete Arbeit honorieren und zusätzliche Anreize schaffen. In anderen Bundesländern ist dies bereits Realität. So können in Hessen und Berlin Personen, die einen Freiwilligendienst leisten, für 365 Euro den ÖPNV landesweit ein Jahr lang nutzen. Vielfach sei die Möglichkeit nicht bekannt, dass der Bundesfreiwilligendienst für alle Altersgruppen offen steht und auch in Teilzeit absolviert werden kann. Durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen von Seiten des Landes könnten auch Menschen angesprochen werden, die aufgrund anderer Verpflichtungen – wie Erziehungs- oder Care-Arbeit – einen Freiwilligendienst in Vollzeit nicht leisten können oder die sich aktuell durch den Wegfall des Arbeitsplatzes beruflich neu orientieren müssen.

Als hilfreiche Unterstützung zur Engagementförderung wertet die Caritas die Landesförderung im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), die für Träger in Baden-Württemberg einen guten Rahmen zur Weiterentwicklung schafft. Wertvoll ist auch das aktuelle Förderprogramm „Inklusive Freiwilligendienste“, mit dem Wege erprobt werden können, um Freiwilligendienste für Menschen mit Handicaps zu erproben. „Wir hoffen sehr, dass diese Schritte in die richtige Richtung in der neuen Legislaturperiode weitergegangen werden“, so die Caritasdirektorinnen Schaer und Holuscha-Uhlenbrock.

In  Baden-Württemberg ist die Engagementquote im bundesweiten Vergleich traditionell sehr hoch und lag beispielsweise 2014 bei 48,2 Prozent. In Deutschland leisten jährlich etwa 100.000 Menschen einen Freiwilligendienst. Rund 16.800 Personen taten dies im Jahr 2018 in Baden-Württemberg. 63 Prozent der Freiwilligendienstleistenden im Land sind aktuell weiblich.

Die Positionen der Caritas Baden-Württemberg zur Landtagswahl 2021 im Internet: www.caritas-waehlt.de.

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