Der Untersuchungsbericht des Compliance-Verfahrens der Axel Springer SE, das sich mit verschiedenen Vorwürfen bezüglich des Verhaltens von Julian Reichelt befasst hat, liegt vor. Das unternehmensinterne Compliance-Management hatte im Auftrag des Vorstands mit Unterstützung externer Experten über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen verschiedene Hinweise auf mögliches Fehlverhalten des Vorsitzenden der BILD-Chefredaktionen untersucht und ausgewertet. Auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse hat der Vorstand der Axel Springer SE beschlossen, dass Julian Reichelt seine Arbeit fortsetzt und die am 12. März 2021 auf Wunsch von Julian Reichelt erfolgte Freistellung mit sofortiger Wirkung aufgehoben wird.

Zum gleichen Zeitpunkt wird die Redaktionsleitung als Doppelspitze neu aufgestellt. Alexandra Würzbach, 52, derzeit Chefredakteurin der BILD am SONNTAG und Mitglied der Chefredaktion der BILD-Gruppe, wird gleichberechtigte Vorsitzende der BILD-Chefredaktionen. Julian Reichelt wird sich künftig auf die Schwerpunkte BILD Print und digital sowie BILD Live konzentrieren. Die Schwerpunkte von Alexandra Würzbach werden die BILD am SONNTAG sowie das übergreifende Personal- und Redaktionsmanagement sein. Für die inhaltliche Ausrichtung aller Produkte der BILD-Gruppe sind Alexandra Würzbach und Julian Reichelt gemeinsam verantwortlich.

Im Kern der Untersuchung standen die Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Entgegen der in einigen Medien kolportierten Darstellung gab es keine Vorwürfe und auch im Untersuchungsverfahren keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung. Julian Reichelt hat die Vermischung von beruflichen und privaten Beziehungen eingeräumt, die oben genannten Vorwürfe jedoch bestritten und dies auch eidesstattlich versichert.

Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen. In die Gesamtbewertung sind auch die enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die journalistische Leistung unter der Führung von Julian Reichelt eingegangen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE: „Um die Wahrheit herauszufinden, hatten wir zu unterscheiden zwischen Gerüchten, Hinweisen und Beweisen, dabei keine Vorverurteilung vorzunehmen, Privates und Berufliches grundsätzlich zu trennen und die von einigen betroffenen Hinweisgebern gewünschte Vertraulichkeit zu wahren. Wir sind nach gründlicher Abwägung zur Überzeugung gelangt, dass es richtig ist, dass Julian Reichelt nun in einer Doppelspitze mit Alexandra Würzbach seine Arbeit fortsetzen kann. Er hat Fehler gemacht. Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen. Danken möchten wir ausdrücklich denjenigen, die uns mit ihren Hinweisen geholfen haben.“

Mathias Döpfner weiter: „Uns ist klar: Auch wenn es keinen rechtlichen Handlungsbedarf gibt, besteht Änderungsbedarf bei der Führungskultur in der BILD-Redaktion. Wir wollen und müssen aus dieser Erfahrung lernen und besser werden. Der Vorstand ist überzeugt, dass ein moderner unangepasster Boulevardjournalismus und eine zeitgemäße Führungskultur kein Widerspruch sind. Wir sind sehr froh, dass wir Alexandra Würzbach gewinnen konnten, um künftig gleichberechtigt neben Julian Reichelt die BILD-Chefredaktionen zu leiten.“

Julian Reichelt: „Ich bin erleichtert und froh, jetzt wieder in die Redaktion zurückzukehren. Die Solidarität und der Zuspruch, die ich in den letzten Wochen erfahren habe, haben mich berührt und machen mich dankbar. Ich weiß, ich habe im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen Fehler gemacht und kann und will das nicht schönreden. Was ich mir vor allem vorwerfe ist, dass ich Menschen, für die ich verantwortlich bin, verletzt habe. Das tut mir sehr leid. Rückwirkend kann ich das nicht mehr ändern, aber ich werde meine Chance jetzt nutzen und mich dafür einsetzen, gleichberechtigt mit Alexandra Würzbach und gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als ein Team eine neue Unternehmenskultur für BILD zu schaffen und vorzuleben.“

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