„Wir trauern um einen großen Ökumeniker, einen bedeutenden Theologen und freien Geist, der die Kirche liebte und verändern wollte“, sagt Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). „Hans Küng ging es um jene Kirche, die ihm 1979 die Lehrerlaubnis entzog – und der er zuvor und danach unendlich viel gegeben hat.“

Küng, der am gestrigen 6. April im Alter von 93 Jahren in Tübingen nach langer, schwerer Krankheit verstarb, war als Theologe auch ein „Weltpolitiker der Religionen“. Er glaubte fest an den Satz: „Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden.“ Deshalb engagierte er sich in zahlreichen Publikationen, in Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern und im interreligiösen theologischen Austausch für die Wertschätzung aller Religionen und den Ausgleich in Interessenkonflikten. „Wie eine Bestätigung dessen, was Küng nicht zuletzt mit seiner Stiftung Weltethos mit Energie weltweit betrieben hat, klingt das Schreiben ,Fratelli tutti – über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft´ von Papst Franziskus mit seinem Aufruf für die gemeinsame Friedensarbeit aller Religionen“, so Sternberg.

Der vom ZdK verantwortete Katholikentag lud Hans Küng erstmals 2004 ein. In Ulm debattierte er, moderiert von ZdK-Mitglied Hanna-Renate Laurien, mit Kardinal Karl Lehmann. „Die früheren Kollegen tauschten sich in einer überfüllten Halle vor mehreren Tausend Menschen über notwendige Reformen und die Treue zur Kirche aus“, erinnert sich Thomas Sternberg. Dieses Reform-Gespräch spiegele sich bis heute im kirchlichen Ringen um Veränderungen, etwa auf dem Synodalen Weg, den die deutschen katholischen Bischöfe gemeinsam mit dem ZdK beschritten hätten.

Bemerkenswert sei, wie Küng mit dem Entzug der Lehrerlaubnis umgegangen sei, so der ZdK-Präsident. Die Monate vom Dezember 1979 bis zum April 1980 habe der Theologe als „die schlimmsten Monate meines Lebens“ bezeichnet. Sie seien aber auch der Übergang zu etwas Neuem gewesen, das seinen weltweiten Ruhm begründet habe. Küngs freier Forschergeist habe sich mit der fakultätsunabhängigen Professur für Ökumenische Theologie in Tübingen voll entfalten können. Dabei habe er die Kirche nie verächtlich gemacht, sondern sich als ihr „liebender Kritiker“ erwiesen. Prominente ZdK-Mitglieder hätten sich in Wertschätzung dieser Haltung „bei Papst Benedikt XVI. für eine Rehabilitation Küngs eingesetzt“– vergeblich. „Trotz der schroffen Zurückweisung durch die Kirche und dem Entzug der Lehrerlaubnis blieb er ihr als Priester verbunden. Wir erhoffen für ihn die Wertschätzung seines Lebens und Wirkens in einer ewigen Gerechtigkeit.“

Dass Küng direkt nach Ostern verstorben sei, berühre ihn sehr, so Sternberg. Er habe in dessen Memoirenband von 2013 „Erlebte Menschlichkeit“ den Abschnitt „Wie ich sterben möchte“ noch einmal gelesen. Darin finde sich der Gedanke: „Als endliche Person gehe ich ein ins Unendliche. Gehe meinen letzten, entscheidenden, ganz anderen Gang […] Dann erst erkenne ich, was die ‚transzendente Wirklichkeit‘ wirklich ist. […] Als glaubender Christ inspiriert mich die Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi; sie hat ungezählten Menschen im Leben und Sterben Hoffnung auf ihr eigenes ewiges Leben gemacht.“

 

 

 

 

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