Die starke Exportorientierung der Industrie trägt maßgeblich zum Erfolg der Wirtschaft in Deutschland bei. In Zeiten globaler Unsicherheiten und Herausforderungen – wie etwa im Zuge der Corona-Pandemie – lohnt es sich daher, die Exportaktivitäten des Verarbeitenden Gewerbes näher zu betrachten und dabei einen besonderen Blick auf die Rolle der Digitalisierung zu werfen. Eine neue Studie des Fraunhofer ISI, die im Rahmen der Erhebung Modernisierung der Produktion entstanden ist, geht genau diesen Fragen nach.

Die Industrie Deutschlands ist traditionell stark exportorientiert und das Label »Made in Germany« wird weltweit geschätzt. Dies liegt nicht zuletzt an der hohen Qualität deutscher Industrieprodukte und raschen Produktivitätssteigerungen, die der Industrie und hier besonders Zuliefer- und Ausrüsterbetrieben in der Vergangenheit große Umsatzanteile aus dem Ausland bescherten. Als entscheidende Erfolgsfaktoren erwiesen sich dabei in den letzten Jahrzehnten globale Beschaffungs- und Wertschöpfungs­strategien durch Unternehmensnetzwerke, ausländische Produktionsstätten sowie weltweite Forschungs- und Entwicklungsstandorte.

Das deutsche Exportmodell auf dem Prüfstand

Das deutsche Exportmodell wird allerdings in den letzten Jahren durch eine sich stark wandelnde globale Industrielandschaft auf die Probe gestellt – etwa durch die aufkommende Digitalisierung, einen verstärkten Protektionismus oder stark aufholende asiatische Hersteller. Erst kürzlich stellten die Zulieferketten-Probleme infolge der Corona-Pandemie das deutsche Exportmodell nochmals auf den Prüfstand.

Vor diesem Hintergrund beleuchtet eine neue Studie auf Basis der Erhebung Modernisierung der Produktion des Fraunhofer ISI das Exportgeschehen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland und untersucht, wie global die Betriebe insgesamt aufgestellt sind, welche Rolle die Digitalisierung beim Exportgeschäft spielt und welche Chancen sich hieraus für Industriebetriebe ergeben.

Große Mehrheit der Industriebetriebe exportiert ins Ausland

Die Studie unterstreicht die traditionelle Exportorientierung der Industrie: Ein Großteil der Betriebe – 85 Prozent – exportieren ihre Produkte in ausländische Märkte, jeder fünfte von ihnen erzielt sogar den Löwenanteil des Umsatzes dort. Bei Großbetrieben fallen die Exportanteile noch höher aus als bei kleineren und mittleren Unternehmen, die ebenfalls zu einem beträchtlichen Teil ihre Produkte exportieren. Komplexe Produkte und große Produktserien begünstigen dabei das Exportgeschäft.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass ein ausgeprägtes Exportgeschäft oft mit intensiven Global und Local Sourcing-Aktivitäten einhergeht, mit denen globale Märkte für notwendige Vorleistungen und Dienste strategisch in den Blick genommen werden. Gerade Betriebe mit hohen Exportanteilen beziehen ihre Vorleistungen verstärkt aus internationalen Lieferketten, was sich positiv auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit auswirkt und diese auf globalen Absatzmärkten stärkt. 12 Prozent der Betriebe verfolgen dabei eine Doppelstrategie und agieren sowohl über das Exportgeschäft als auch über ausländische Produktionsstandorte auf internationalen Märkten. 6 Prozent aller Industriebetriebe Deutschlands sind sogar mit einer eigenen FuE-Niederlassung im Ausland vertreten. Die Tendenz, ausländische Standorte für die Produktion oder für Forschung und Entwicklung zu nutzen, nimmt mit dem Exportumfang deutlich zu.

Digitalisierung stärkt auf zweierlei Wegen das Exportgeschäft

Die Studie offenbart außerdem, dass das Exportgeschäft eng verknüpft ist mit der Wettbewerbsfähigkeit der Produkthersteller: Unternehmen mit einem starken Exportgeschäft erzielen oft höhere Umsätze und verfügen über zusätzliche Investitionsmöglichkeiten. Die Kombination aus starker Heimatbasis gepaart mit einem innovativen Produktangebot erhöht wiederum den Exporterfolg. Hier kommt schließlich auch die Rolle der Digitalisierung ins Spiel: Der Einsatz digitaler Produktionstechnologien stärkt die heimische Produktion, während ein digital veredeltes Produkt völlig neue Angebotsmöglichkeiten auch für ausländische Kunden eröffnet: Unternehmen, die bereits weit bei der Digitalisierung ihrer Produktion fortgeschritten sind, exportieren auch mehr. Umgekehrt fällt der Exportanteil deutlich geringer aus, wenn am Heimatstandort wenig I4.0-nahe Technologien eingesetzt werden.

Dr. Christian Lerch, der am Fraunhofer ISI das Geschäftsfeld »Industrieller Wandel und neue Geschäftsmodelle« leitet, fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: »In der Vergangenheit war das Exportgeschäft ein zentraler Erfolgsfaktor für die deutsche Industrie – damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen die produzierenden Betriebe sich an eine stark wandelnde internationale Industrielandschaft und neue globale Herausforderungen wie Handelsbeschränkungen oder Störungen globaler Lieferketten anpassen. Genauso wichtig ist es aber, die Digitalisierung der heimischen Produktion sowie der eigenen Produktpalette voranzutreiben – schließlich schafft gerade die Kombination nicht selten die Ausgangsbasis für wettbewerbsfähige Produkte und deren erfolgreichen Export ins Ausland.«

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