„Das Beste kommt zum Schluss“ verkündet seit Anfang April das Banner an der Front des SchauSpielHauses, in der Hoffnung, noch in dieser Spielzeit mit einer Uraufführung von Elfriede Jelinek überraschen zu können. Die österreichische Nobelpreisträgerin hat ein brandaktuelles Stück zur Covid-19-Pandemie geschrieben, die Uraufführung inszeniert Karin Beier. Die Proben sind bereits abgeschlossen. Sollten die Inzidenzwerte in den kommenden Wochen sinken und der Theaterbetrieb wiederaufgenommen werden, wäre es möglich, die Uraufführung schon Ende Mai, Anfang Juni zu präsentieren. Sollte die gesundheitliche und gesetzliche Lage zu diesem Zeitpunkt noch immer keine Vorstellung vor Publikum zulassen, wird die Uraufführung auf die Eröffnung der kommenden Spielzeit verschoben. Wir werden Sie informieren, sobald eine konkrete Terminplanung möglich ist. Hier schon erste Informationen zum Stück und zur Besetzung:

LÄRM.  BLINDES SEHEN.  BLINDE SEHEN!
von Elfriede Jelinek

Uraufführung zu einem noch unbestimmten Termin im SchauSpielHaus 

Wenn sich Elfriede Jelinek, seit ihren literarischen Anfängen „Herrin der Medien-Gewitter“, in ihrem neuesten Theatertext an das unaufhörliche Gerede über die Pandemie in den Medien heftet, dann kann nur ein Strom schillernder Bedeutungen entstehen. Lärm: das ist der Wortschwall an Nachrichten, Reden, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen, der uns im Zusammenhang mit der Pandemie täglich überschwemmt. Kunst ist, wie Jelinek aus dieser Kakophonie streitender Stimmen ein Netz bemerkenswerter Korrespondenzen spinnt: Beispielsweise ist die Behauptung, allein und einzig Wahrheit und Wirklichkeit zu kennen, ein Anspruch, den alle teilen und der gerade deshalb immer wieder aufs Neue spaltet und sprengt. 

Auch Bilderwelten überlagern sich in diesem kalkuliert zwielichtigen Terrain. So überblendet Jelinek eine der berühmtesten Orgien der antiken Literatur, das Gelage bei der Zauberin Kirke, die Odysseus’ Gefährten in Schweine verwandelt, mit der enthemmten, zügellosen Welt der Superspreader von Ischgl, die das Corona-Virus in ganz Europa verbreiteten. Diese Analogie zeigt vielleicht am deutlichsten den unverschämten Witz Elfriede Jelineks, die Schreckensbilder der Pandemie in Amüsement umschlagen lässt, ohne ihre ernsthaften Absichten zu verraten. Denn wie eine schwarze Wolke lässt sie über der Groteske das todbringende Environment einer Natur schweben, die der Mensch unaufhörlich schändet. Umso wahnhafter das allgemeine Gerede über die erdrückenden Folgen dieser Hybris: Im Parforceritt zieht uns Jelinek durch krude Wege politischer Irrungen und Wirrungen, in Höhen und Niederungen mythischen Tiefsinns und realen Schwachsinns, so dass sich letztendlich die Frage stellt: Gehen in dieser apokalyptischen Landschaft der Blinden und Tauben nicht alle Wahrheiten in einem freiwillig-unfreiwilligen Gelächter zu Bruch? 

Es spielen: Josefine Israel / Jan-Peter Kampwirth / Eva Mattes / Angelika Richter / Lars Rudolph / Maximilian Scheidt / Ernst Stötzner / Julia Wieninger // Musiker: Lukas Fröhlich / Sebastian »Johnny« John / Stefan Pahlke 

Regie: Karin Beier / Bühne: Duri Bischoff / Kostüme: Wicke Naujoks / Musik: Jörg Gollasch / Video: Severin Renke / Licht: Annette ter Meulen / Choreografische Mitarbeit: Altea Garrido / Körpertraining: Valentí Rocamora i Torà / Dramaturgie: Rita Thiele

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