Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat zum Welttag des Buches eine Studie zur Situation der Verlage in Deutschland veröffentlicht (hier online nachzulesen). Diese hat unter anderem ergeben, dass die 40 größten Verlage knapp 80 Prozent des Gesamtumsatzes auf dem deutschen Buchmarkt erzielen. Zudem mussten im Zeitraum 2010 bis 2018 viele kleine Verlage mit einem Jahresumsatz unter 100.000€ ihr Geschäft aufgeben, ganze 22 Prozent. Das sind für uns keine kryptischen Wörter aus der Fremde, sondern reale Zeugende Zahlen. Das Fazit lautet: Um die kulturelle Vielfalt des Buchmarkts steht es nicht besonders gut. Also: What’s next in der Bibliodiversität? Kann gestern besser werden? Pro Jahr erscheinen laut der Studie ca. 80.000 neue Bücher – wo da bloß anfangen? Wir geben im Folgenden eine kleine (Re-)Orientierung für den Einstieg.

Druckfrisch erschienen ist im April das neue Buch von Wolfgang Hagen: »Neudasein. Essays zur sozialen Epistemologie der Smartphone-Fotografie«. Überall auf der Welt hat das Fotografieren mit Smartphones abermillionenfach um sich gegriffen. Jede Sekunde werden unzählige Bilder aus dem Öffentlichen und Privaten, gewollt und ungewollt Bewusstes und Unbewusstes vermischend, durch die globalen Datenkanäle gepostet, werden geteilt, geliked, getwittert, kopiert und gelöscht. Neudaseins-Fotografien, wie sie in diesem Buch genannt werden, erzeugen eine pure und endlose pastorale Präsenz. Diese Fotografie ist nicht so sehr eine der Erinnerung als vielmehr eine soziale Wirkung von Daseinsinszenierungen. Ziel dieses Buches ist, die Genealogie der Smartphone-Fotografie, ihre aus der Quantenmechanik stammende soziale und kulturelle Entwicklung, vor dem Hintergrund der Fotografiegeschichte darzustellen.

Wir freuen uns außerdem, dass die neue Auflage des RKI-Buches so gut ankommt. Annette Hinz-Wessels‘ Studie über »Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus« belegte am Wochenende Spitzenplätze auf Amazon (Nr. 1 in der Kategorie Technikgeschichte, Nr. 1 in der Archäologie und Nr. 2 in der Medizingeschichte), der Titel ist mittlerweile ausverkauft. Der Nachdruck wird in ca. zwei Wochen fertig, ein paar Exemplare können wir noch vom Verlag aus verschicken. Das Robert Koch-Institut war zwischen 1933 und 1945 als staatliche Forschungseinrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens eng in das nationalsozialistische Gesundheitssystem eingebunden. Die vorliegende Studie untersucht den personellen und organisatorischen Umbau, den das Institut unter der NS-Diktatur erlebte, und analysiert den Einfluss von NS-Ideologie und Kriegspolitik auf einzelne Forschungs- und Arbeitsfelder.

Zum Schluss noch zwei Hinweise: »Das Archiv brennt« von Georges Didi-Huberman und Knut Ebeling ist seit Kurzem aus dem Nachdruck zurück. Und in der Wochenendausgabe vom neuen deutschland gab es am 17.04. eine ausführliche Leseprobe zum dreisprachigen Katalog »Cinderella, Sindbad & Sinuhe« (hier online nachzulesen). Der von Verena M. Lepper und Sarah Wessel herausgegebene Band erforscht das reiche kulturelle Erbe der Erzähltraditionen und Märchen in Deutschland und der arabischen Welt.

Kommen wir zum Schluss noch mal zur kulturellen Vielfalt auf dem Buchmarkt. Diese kann es unserer Ansicht nach nur geben, wenn sämtliche lieferbaren Titel aller Verlage zugänglich und sichtbar sind. Bei jährlich 80.000 Neuerscheinungen im Jahr ist das nicht leicht – Abhilfe schaffen hier die Online-Kataloge. Dass aber hier ein nicht unerheblicher Teil der gnadenlosen Auslistungspraxis des Zwischenhändlers Libri zum Opfer fällt, mussten wir in diesem Monat einmal mehr an unserem eigenen Programm erfahren (die Kurt Wolff Stiftung hat das Problem bereits 2019 hier sehr treffend beschrieben). Der Schaden ist größer als lange Zeit gedacht/gehofft, selbst die absolute »Kern-DNA« unseres Verlags ist betroffen: zum Beispiel die Bücher zu Niklas Luhmann. Darüber kann auch unser Schuhschnabel auf Instagram nur den Kopf schütteln.
Daher unser Appell: Lassen Sie sich bei der Suche nach bestimmten Büchern nicht zu schnell entmutigen. Sollten Sie online oder in einer Buchhandlung die Auskunft bekommen, dass ein Buch nicht lieferbar ist, genügt ein kurzer Anruf beim Verlag. Häufig sind die Titel über den direkten Weg regulär erhältlich.

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