Knapp drei Millionen Studierende gibt es derzeit in Deutschland. Fast jeder Dritte bricht sein Studium ab – also 80.000 Abbrecherinnen und Abbrecher im Jahr – auf den Kammerbezirk heruntergerechnet wären das knapp 1.100 Personen. „Zurzeit haben wir in unserem Kammerbezirk circa 16 Prozent an Lehrlingen, die ein Abitur besitzen und de facto studierberechtigt sind. Aus Umfragen wissen wir, dass 20 Prozent dieser Auszubildenden Studienabbrecherinnen und -abbrecher sind, also knapp 60 Personen“, berichtet Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen. „Wir sehen aber angesichts der hohen Zahl durchaus ein realistisches Potenzial von circa 250 Personen, was mehr als einer Vervierfachung des aktuellen Wertes entspräche.“ Ein Problem ist es jedoch, die Studienabbrecher zu erreichen. Wie in den Schulen kann die Kammer an der Uni oder der Hochschule nicht für das Handwerk werben und ist darauf angewiesen, dass junge Leute auf das Handwerk aufmerksam werden.

Die Gründe, die zum Abbruch eines Studiums führen, sind oftmals mangelnde Leistung, falsche Vorstellungen von Studium und letztendlich der Wunsch nach einer handwerklichen, praktischen Tätigkeit. Doch häufig fängt das Dilemma, das zum Studienabbruch führt, bereits in der Schulzeit an. „Eltern wünschen sich für Ihr Kind möglichst einen hohen Schulabschluss, das Abitur muss es schon sein und danach natürlich ein Studium“, erzählt Christiane Nowottny, Geschäftsbereichsleiterin Berufsausbildung, Prüfungs- und Sachverständigenwesen der Handwerkskammer Reutlingen. „Viele Kinder bewältigen die Zeit bis zum Abitur mehr schlecht als recht. Doch wer einmal das Abi in der Tasche hat, der strebt zuallererst ein Studium an.“ An eine Ausbildung im Handwerk denkt trotz guter Aufstiegschancen kaum jemand. Dabei liegt die Erwerbslosenquote von Technikern und Meistern seit über 10 Jahren unter der von Akademikern. Die Verdienstmöglichkeiten einer Handwerksmeisterin oder eines Handwerksmeisters sind in etwa gleichzusetzen mit denen eines Bachelorabsolventen oder einer Absolventin an der Uni – oftmals stehen Handwerksmeisterinnen und -meister finanziell sogar besser da als Akademiker, die ihr Bafög zurückzahlen müssen. Hinzu kommen sehr gute Aufstiegschancen, denn Tausende von Handwerksbetrieben suchen dringend Fachkräfte und Nachfolger.

Wer unsicher ist, ob ein Studium noch das richtige ist, der findet in der dualen Handwerksausbildung neue Perspektiven. Christiane Nowottny: „Wer ein Studium abbricht, für den ist, außer ein paar vergeudeten Semestern, nichts verloren. Ein Neustart im Handwerk verhilft vielen Studierenden wieder zu mehr Selbstbewusstsein und Motivation. Auch Chiara Angermüller aus Pfalzgrafenweiler war drei Semester lang Studentin an der Hochschule für Medien in Stuttgart, zweifelte aber schon länger an ihrem Studium: „Mir fehlte die Perspektive, die Leidenschaft für das, was ich machte“. In der Ausbildung zur Friseurin fand sie das, was sie im Hörsaal und Seminarbetrieb schmerzlich vermisste. Heute, kurz vor dem Ende ihrer verkürzten Ausbildung – als Abiturientin konnte sie im zweiten Lehrjahr einsteigen –  ist sie sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Ich bin glücklich, wenn Kundinnen zufrieden sind. Ich will in jedem Fall weiter lernen, entweder den Meister oder den Make-up-Artist machen“, beschreibt sie ihre Pläne.

„Eine Ausbildung im Handwerk ist eine attraktive Alternative zum Studium,“ so Nowottny. „Die Handwerkskammer hilft dabei, den Neustart nach dem Studienabbruch hinzubekommen. Sie unterstützt bei der Berufsorientierung und informiert über berufliche Perspektiven. In unserem Online-Seminar am 20. Juli möchten wir all jenen, die am Studium zweifeln oder es bereits abgebrochen haben, erste Tipps geben, wie sie im Handwerk eine erfolgreiche Zukunft starten können.“

Online-Event für Studienabbrecherinnen und -abbrecher und für Studienzweiflerinnen und Studienzweifler am 20. Juli 2021, 15.30 bis 17.00 Uhr  https://www.edudip.com/de/webinar/vom-horsaal-ins-handwerk-karrierechancen-mit-dem-bachelor-professional/1430674

Informationen zu Handwerksberufen, freie Lehrstellen und Praktika in der Region gibt es unter www.hwk-reutlingen.de/lehrstellensuche und in der App „Lehrstellenradar“.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Handwerkskammer Reutlingen
Hindenburgstr. 58
72762 Reutlingen
Telefon: +49 (7121) 24120
Telefax: +49 (7121) 2412400
http://www.hwk-reutlingen.de

Ansprechpartner:
Sonja Madeja
Stabsstellenleiterin
Telefon: +49 (7121) 2412-123
Fax: +49 (7121) 2412-420
E-Mail: sonja.madeja@hwk-reutlingen.de
Für die oben stehende Pressemitteilung ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel