Anlässlich des 3. Jahrestages der Eröffnung der ersten Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückkehrzentren (kurz: AnkER-Zentren) in Bayern am 01.08.2018 ruft die Diakonie Deutschland gemeinsam mit anderen Organisationen dazu auf, die Erstaufnahme zukunftsweisend auszugestalten und AnkER-Zentren und konzeptionell ähnliche Einrichtungen bundesweit abzuschaffen.

"Wir brauchen eine Aufnahme, die das Ankommen der geflüchteten Menschen positiv unterstützt und fördert, damit sie schnell ihren Platz in der Gesellschaft finden können," sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. "Von Anfang an müssen die Menschen das Gefühl haben, einen Neuanfang wagen zu können und Vertrauen in die Zukunft gewinnen. Dazu bedarf es ein transparentes und sorgfältiges Asylverfahren, in dessen Rahmen die Schutzsuchenden auch unabhängig von einer Behörde beraten und unterstützt werden. Eine zukunftsorientierte Erstaufnahme ermöglicht den geflüchteten Menschen, sich ganz auf ihr Asylverfahren und das Ankommen zu konzentrieren," so Loheide weiter.

Anzukommen bedeutet, die oft grausamen Erfahrungen vor und auf der Flucht hinter sich zu lassen und sich positiv auf die Zukunft konzentrieren zu können. Seelische Wunden müssen bearbeitet werden und möglichst heilen. Nicht aufgearbeitete Traumata können zu weiteren Verletzungen und Aggressionen führen gegen sich und manchmal auch gegen andere. "Das müssen wir verhindern," mahnt Loheide eindringlich. "Wenn psychisch hoch belastete und traumatisierte Flüchtlinge mit Polizeigewalt abgeschoben werden und ihr neues Zuhause wieder verlieren, ist das in hohem Maße retraumatisierend".

Deswegen muss die Flüchtlingsaufnahme und die Organisation der Rückkehr getrennt werden. Aufnahmeeinrichtungen dürfen nicht zugleich Rückkehr- und erst recht keine Abschiebezentren sein. "Deshalb halten wir das Konzept der AnkER-Zentren für falsch", erläutert Loheide. "Stattdessen braucht es eine gut organisierte und schnelle Eingliederung der Menschen in allen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit, Kita, Schule, Ausbildung und Arbeit, auch dann, wenn sie irgendwann wieder zurückkehren (müssen)."

Großeinrichtungen am Rande einer Kommune oder Gemeinde, in denen die neu angekommenen Menschen oft viele Monate lang leben, führen zu Isolation und enormen Belastungen. Sie erschweren das Ankommen und führen zur Resignation. Hinzu kommen die mangelnde Privatsphäre, die räumliche Enge, das Arbeitsverbot und eine fehlende digitale Anbindung. Gerade für die Entwicklung von Kindern und Jugendliche ist die Situation fatal. Zudem erleben sie ihre Eltern oft ohnmächtig und hilflos.

Helfen kann nur die Hürden und Vorbehalten zwischen den ankommenden und den hier lebenden Menschen abzubauen, Begegnungen und Austausch zu organisieren. Verständnis füreinander entsteht durch das aufeinander Zugehen und Kennenlernen.

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