Weil Betriebsnachfolge-Lösungen ein komplexes Konstrukt sind, gehen seit einem Jahr drei Handwerkskammern im Land das Thema ganz intensiv an. Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung von potenziellen Übergebern und Übernehmern für das Thema Betriebsnachfolge. "Im badenwürttembergischen Handwerk sind 45 Prozent der Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber älter als 50 Jahre. Da die Suche nach einer geeigneten Nachfolgelösung erfahrungsgemäß viel Vorlaufzeit benötigt, muss dieses Thema sehr frühzeitig in das Bewusstsein der künftigen Übergeber kommen – das Hauptproblem ist jedoch, dass vielerorts die Nachfolgerinnen und Nachfolger fehlen", berichtet Dirk Gebert, Leiter der Koordinierungsstelle des Nachfolgenetzwerks Baden-Württemberg. "Mit unserem Projekt wollen wir die nötige Aufmerksamkeit sowie die passenden Informations- und Beratungsangebote schaffen."

In den vergangenen Monaten haben die Projektpartner daher zahlreiche Aktionen und Projekte auf die Beine gestellt. Mit Online-Veranstaltungen boten die drei Partnerkammern eine informative Web-Seminar-Reihe zum Thema Nachfolge und seinen zahlreichen Facetten. Die Sensibilisierung und Beratung der Zielgruppen hat höchste Priorität. "Die Teilnehmerzahlen zeigen immer wieder, wie relevant das Thema im Handwerk ist. Deshalb ist es wichtig, die Maßnahmen bei unseren Zielgruppen, aber auch weit darüber hinaus zu positionieren".

Karlsruhe: Nachfolgecoaching im Fokus
Die Handwerkskammer Karlsruhe führte zunächst eine Bedarfsanalyse bei unterschiedlichen Akteuren zum Thema Nachfolge durch. Neben Expertengesprächen mit Bildungseinrichtungen, Gründungsinstituten oder der Arbeitsagentur, wurden moderierte Workshops zur Bedarfsidentifikation mit den relevanten Zielgruppen umgesetzt. Im Rahmen eines Workshops wurden so beispielsweise die verschiedenen Sichtweisen und Herangehensweisen zum Thema "Unternehmensnachfolge von Frauen im Handwerk" in kleinen Gruppen diskutiert und reflektiert. Daraus wurden die thematischen Schwerpunkte für die kommenden Monate abgeleitet, um die Nachfolgerinnen gemeinsam bei der Übernahme oder Gründung eines Handwerksbetriebes zu unterstützen.

Um die Zielgruppen wie Meisterschüler, Studenten, Studienabbrecher, Quereinsteiger vor allem die Nutzer der Social-Media-Kanäle für eine Betriebsnachfolge im Handwerk zu sensibilisieren, entstanden bei der Handwerkskammer Region Stuttgart mehrere Best-Practice-Videos. Die Handwerkskammer Freiburg hat unter dem Namen "Meisternetzwerk" einen Nachfolge-Club gestartet.

In den ersten Monaten konnten die Netzwerkpartner zahlreiche Aktionen umsetzen. Die Akteure blicken aber auch auf das kommende Jahr. Ins-besondere hoffen sie auf weitere Veranstaltungen in Präsenz. „In 2022 wird es aller Voraussicht nach öfter möglich sein, auch in Präsenz in Schulen und Hochschulen zu gehen und wieder verstärkt Präsenzveran-staltungen anbieten zu können“, hofft Martin Schwarz, Verantwortlicher bei der Kammer Karlsruhe für das Projekt.

Das Nachfolgenetzwerk Baden-Württemberg
Das Projekt „Nachfolgenetzwerk Baden-Württemberg“ wird von den drei Handwerkskammern Region Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe getragen. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz über die Initiative „Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“ geför-dert und hat eine dreijährige Laufzeit.

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