EU-Kommission, Rat und Parlament verhandeln am morgigen Dienstag final darüber, wie und wann die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Kraft tritt. Dabei handelt es sich um die Pflicht für Unternehmen, standardisiert zu relevanten Nachhaltigkeitsaspekten zu berichten und entsprechende Daten zu veröffentlichen. Die EU hat die Chance, einen klaren, umfassenden und schnell wirksamen Standard für die nachhaltige Transformation der Wirtschaf auf den Weg zu bringen. Dafür darf der Lobbydruck von Wirtschaftsvertretern nicht zu Verschiebungen, Ausklammerungen und Sonderregeln führen, wie das bereits bei der Non-financial Reporting Directive 2015 der Fall war. Unternehmen müssen ab 2025 umfassend zu wesentlichen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf Klima, Biodiversität und Menschenrechte berichten, fordert der WWF.

„Vergleichbare, verlässliche und relevante Daten sind entscheidend, damit die Transformation gelingt", sagt Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland. „Der Finanzmarkt und Investoren brauchen diese Daten, um Kapital effizient in wirtschaftliche Aktivitäten zu lenken, die den Umbau beschleunigen.“ Bisher gibt es eine riesige Datenlücke für den Umbau der Wirtschaft. Die CSRD muss kritische Lücken wie diese in der derzeitigen Regulierung, der Non-financial Reporting Directive, schließen. „Solange Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsberichten nur veröffentlichen, wie viele Bienenstöcke sie auf dem Firmendach stehen haben, und keine verbindliche Beziehung zu den Transformationszielen und –umsetzungspfaden herstellen, kommen wir nicht voran“, sagt Kopp.

Die Transformation hin zu einer Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen kann nur mit einem ganzheitlichen Verständnis funktionieren. Klima-Daten zu priorisieren, wie es Teile der Industrielobby fordern, schadet und bremst den Umbau in seiner ganzheitlichen Wirkung. „Daten zu CO2-Emissionen reichen allein nicht. Es gibt zu starke Wechselwirkungen: Entwaldung, Landnutzungsänderung, Artenvielfalt oder Wasser. Die Auswirkungen, Risiken und Möglichkeiten über Lieferketten und Portfolios hinweg können nur mit einem ganzheitlichen und wissenschaftsbasierten Standard abgebildet werden", sagt Kopp.

Eine im Auftrag der Europäischen Kommission erstellte Studie hat ermittelt, dass die zusätzlichen Kosten der Non-financial Reporting Directive für die berichterstattenden Firmen im Schnitt bei 0.005 Prozent des Umsatzes im ersten Jahr liegen. In den Folgejahren würde dieser Prozentsatz weiter sinken, wenn die notwendigen Datenerhebungsstrukturen etabliert sind. Die EU-Kommission hat zudem eine Expertengruppe beauftragt, europäische Berichtsstandards auszuarbeiten. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat ihre Vorlagen für Standards vor Kurzen veröffentlicht. „Die europäischen Standards behandeln Nachhaltigkeit weitestgehend holistisch“, sagt Kopp. „Es wäre völlig unverständlich, wenn die EU-Akteure im CSRD-Trilog dem Lobbydruck nachgeben und die eigene Expertengruppe ignorieren. Dann gibt es Stückwerk und Klein-klein, statt kraftvollen Schwung für die Transformation.“

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