IPO-Studie der Kommunikationsagentur relatio PR aus München zeigt: Unternehmen wachsen bei Mitarbeiterzahl und Umsatz zweistellig, sind im Schnitt 26 Jahre alt beim IPO und stammen vor allem aus Bayern und Berlin. Doch die Entwicklung der Aktienkurse der 14 Unternehmen ist bislang ernüchternd.

Börsenunternehmen schaffen im Jahr des IPO zahlreiche, neue Arbeitsplätze. Insgesamt haben die 14 Unternehmen, die den Schritt an die Börse 2021 gewagt haben, rund 8.500 neue Mitarbeiter eingestellt, wobei Übernahmen zu diesem hohen Wert beigetragen haben. Im Durchschnitt stieg die Zahl der Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2021 um 19,0 %. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Kommunikationsagentur relatio PR aus München, die die Börsengänge des Jahres 2021 analysiert hat.

Im Jahr 2021 gab es 14 IPOs (Initial Public Offerings). Von den 14 Unternehmen sind 12 im Prime Standard und zwei im Börsensegment Scale gelistet. Die Studie wurde jetzt veröffentlicht, um den Ende Juni veröffentlichten Geschäftsbericht eines Unternehmens mit gebrochenem Geschäftsjahr noch berücksichtigen zu können.

Studienautor Patrick Sutter, Senior Berater bei relatio PR, sagt: „Unsere Studie zeigt, dass die jungen Börsenunternehmen Arbeitsplätze schaffen, aber eben auch benötigen. Sogar ein Jahr vor dem IPO stieg die Mitarbeiterzahl der 14 Unternehmen im Durchschnitt um 16,8 %.“

12 Unternehmen verzeichneten einen Mitarbeiteranstieg im IPO-Jahr, nur zwei Unternehmen einen Rückgang. Der Spitzenwert liegt bei einem Plus von 63,0 %. Insgesamt stieg die Zahl der Mitarbeiter um 8.451 Beschäftigte. Die Unternehmen haben dabei sehr unterschiedliche Firmengrößen; das kleinste Unternehmen beschäftigt 99 Mitarbeiter; das größte Unternehmen hat über 30.000 Beschäftigte.

Auch Umsatz steigt 2021 und 2020 zweistellig

Die Unternehmen wachsen auch zweistellig beim Umsatz. Im IPO-Jahr beträgt das Umsatzwachstum im Schnitt 24,5 %. 13 Unternehmen konnten beim Umsatz zulegen, nur ein Unternehmen verzeichnete ein Umsatzminus. Und auch im Jahr 2020 verzeichneten die Börsenunternehmen ein hohes Wachstum. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Jahr 2019 um 26,0 %. Die Bandbreite beim Umsatz ist sehr groß. Das Maximum liegt bei 4,8 Mrd. Euro, das Minimum bei 30,4 Mio. Euro. Der Median beträgt 380,7 Mio. Euro, der Mittelwert liegt bei 1 Mrd. Euro.

Die Mehrheit der Unternehmen erzielte einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT). Insgesamt hatten neun Börsenneulinge ein positives und fünf ein negatives EBIT in 2021. Die Bandbreite des EBIT reicht von plus 914,5 Mio. Euro bis minus 200,9 Mio. Euro. Der Median liegt bei 6,8 Mio. Euro, der Mittelwert bei 79,2 Mio. Euro.

IPOs positiv für Standort Deutschland

Die Börse ist damit ein ideales Instrument zur Finanzierung von Wachstum und Beschäftigung. Durch den Börsengang können die Unternehmen Finanzmittel einwerben, die eigene Entwicklung weiter vorantreiben und Arbeitsplätze schaffen. Eine US-Studie kam bereits vor über zehn Jahren zu dem Ergebnis, dass rund 90 Prozent der Arbeitsplätze in den Unternehmen erst nach dem IPO geschaffen werden. Das verdeutlicht die positive volkswirtschaftliche Bedeutung von Börsengängen, zumal somit auch hohe Steuereinnahmen generiert werden.

Ein erfolgreicher Börsengang führt dazu, dass der Bekanntheitsgrad sowie die Reputation eines Unternehmens steigen. Die IPOs des Jahres 2021 sorgten allerdings aufgrund der Aktienkursentwicklung für zahlreiche negative Schlagzeilen, denn Investoren müssen im Vergleich zum Emissionspreis teils hohe Kursverluste verkraften.

Im ersten Halbjahr 2022 verzeichneten die Aktienmärkte ein deutliches Minus. Die Aktienkurs-Performance der 14 Börsenneulinge fällt aus Investorensicht bislang enttäuschend aus. Im Durchschnitt beträgt der Kursverlust zum 30. Juni 2022 im Vergleich zum Ausgabepreis minus 50,8 %. Der schwächste Wert liegt sogar 81,6 % im Minus. 13 Aktien weisen eine negative Kursentwicklung auf, lediglich ein Wert (Vantage Towers) liegt mit 10,8 % im Plus.

Kapitalbeschaffung über IPO auch etwas für „alte Hasen“ und für unterschiedlichste Branchen

Weitere Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen, die an die Börse gingen, im Schnitt rund 26 Jahre alt waren. Das älteste Unternehmen besteht im Jahr des IPO bereits seit 75 Jahren und wurde 1946 gegründet. Was den Unternehmenssitz betrifft, stammen drei Unternehmen aus Bayern und Berlin. Jeweils zwei Firmen haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen und Luxemburg. Jeweils ein Börsenneuling findet sich in Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Sachsen. Die Unternehmen sind in verschiedenen Branchen tätig, wobei vier die Branche des Handels bedienen und jeweils zwei den Automobil-, Pharma- und Technologiebereich. Diese Ergebnisse zeigen: Ein Börsengang eignet sich sowohl für junge als auch ältere Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Und 2021 war weltweit das stärkste IPO-Jahr seit dem Jahr 2000. Dagegen wagten im Jahr 2022 bisher nur wenige Unternehmen einen Börsengang, was angesichts des schwierigen Marktumfelds nicht verwunderlich ist. Viele IPO-Kandidaten warten mit einem Börsengang ab.

Folgende 14 Börsenneulinge hat das relatio-Team analysiert: About You Holding SE, APONTIS PHARMA AG, AUTO1 Group SE, BIKE24 Holding AG, Cherry AG, Friedrich Vorwerk Group SE, hGears AG, KATEK SE, Mister Spex SE, Novem Group S.A., SUSE S.A., SYNLAB AG, Vantage Towers AG und Veganz Group AG.

Die Studienautoren sind Patrick Sutter, Vanessa Herzog und Anja Silbe. Die gesamte Studie samt Grafiken findet sich auf dem Blog www.geschaeftsberichte.de

Über die relatio PR GmbH

Die relatio PR GmbH mit Hauptsitz in München ist eine inhaberführte PR-Agentur, die 1994 von Anja Feuerabend gegründet wurde. Das Unternehmen ist spezialisiert auf strategische Kommunikationsberatung und insbesondere in der Finanzkommunikation sowie HR, B2B und Startup-Kommunikation tätig. Die Agentur beschäftigt langjährige Mitarbeiter und zeichnet sich durch langjährige Kundenbeziehungen aus. Zu den Kunden gehören börsennotierte Konzerne, mittelständische Unternehmen und Startups. relatio PR ist weltweit vernetzt und Mitglied im ECCO International Communications Network.

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