Das inklusive Wildkatzenmodul erprobten Schülerinnen und Schüler der Carl-Strehl-Schule aus Marburg am gestrigen Donnerstag zum ersten Mal – unter ihnen waren sehbehinderte und blinde Kinder, aber auch sehende. Gemeinsam forschten sie im und am NationalparkZentrum Kellerwald auf den Spuren der Wildkatze, erfuhren Interessantes über ihr Aussehen, ihren Lebensraum sowie ihre Verbreitung im hiesigen Nationalpark.

Über die beiden weichen Felle der Haus- und Wildkatze streichen Enie, Elea und Max mit ihren flachen Händen. Die Drei sind Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse der Carl-Strehl-Schule (CSS) aus Marburg, die am gestrigen Donnerstag auf den Spuren der Wildkatze geforscht haben. „Die Wildkatze hat einen viel buschigeren Schwanz als die Hauskatze“, stellte Enie fest. Sie ist blind und findet tastend heraus, was die charakteristischen Merkmale einer Wildkatze sind. So wie ihr geht es vielen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Max und Elea, zwei der sehenden Kinder in der inklusiven Klasse, beschreiben Enie die Unterschiede in der Fellzeichnung, die Enie auf einem taktilen Arbeitsblatt anhand der Erhebungen auch erfühlen kann. Genau so ist das inklusive Wildkatzenmodul, das als In- und Outdoorprogramm am NationalparkZentrum Kellerwald stattfindet, gedacht. Die Nutzung möglichst vieler Sinne ist beim Lernen eine Bereicherung für alle Schülerinnen und Schüler. Bei der optischen Wahrnehmung sind die Sehenden im Vorteil. Überall dort, wo Tast-, Geruchssinn oder das Gehör gefragt sind, haben die Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderung vielleicht den anderen etwas voraus.

Beim Erforschen der Lockstockmethode auf dem Außengelände des NationalparkZentrums sind all ihre Sinne angesprochen. Wie die Wildkatze schleichen sie auf leisen Pfoten durch die werdende Wildnis, lernen die Strukturen des Lebenstraums kennen und erschnuppern den Duft des Baldrians. Mit diesem Duftstoff werden im Nationalpark die sogenannten Lockstöcke besprüht. Angelockt vom betörenden Duft des Baldrians, der dem Sexuallockstoff der Wildkatzen sehr ähnelt, reiben sich die Tiere an den Stöcken und hinterlassen mit ihren Fellhaaren für die Forscher des Nationalparks wertvolles genetisches Material. Auf dessen Grundlage können zum Beispiel Rückschlüsse gezogen werden, wie viele Wildkatzen es im Nationalpark gibt und welches Geschlecht sie haben.

„Das inklusive Wildkatzenmodul unterstützt die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Zugänge der Schülerinnen und Schüler. Zu beobachten, wie die Kinder auf den Spuren der Wildkatze miteinander interagieren und im Austausch die kleinen Aufgaben gemeinsam lösen, ist für uns als Entwicklerinnen und Entwickler des Materials hilfreich“, sagte Timo Wennesz, Lehrer der CSS, einer inklusiven Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Sehen“. „Von den Schülerinnen und Schülern erhoffen wir uns hilfreiche Rückmeldungen, damit wir das inklusive Wildkatzenmodul noch weiter optimieren können“, ergänzte Erika Hofmann, Leiterin Bildung und Vermittlung des Nationalparkamts. Gemeinsam mit ihrem Team und in Kooperation mit der CSS sowie der Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) hat sie in den vergangenen zwei Jahren das inklusive Wildkatzenmodul erarbeitet. Das Engagement aller Projektteilnehmenden sei toll und der Nationalpark freue sich über die Beteiligung der blista an der Entwicklung der taktilen Materialien, wie beispielsweise Tastkopien zum Fühlen, und über die Bereitstellung von Lehrmaterialien – wie Aufgabenblätter mit erhabener Punktschrift, die blinde Schülerinnen und Schülern lesen können.

Hintergrund

Die Carl-Strehl-Schule (CSS) in der mittelhessischen Universitätsstadt Marburg ist eine staatlich anerkannte private Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Sehen”. Schülerinnen und Schüler mit und ohne Sehbehinderung lernen hier zusammen.

Zur CSS gehören das einzige grundständige Gymnasium für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler im gesamten deutschsprachigen Raum, zahlreiche weitere Bildungswege und ein überregionales Beratungszentrum für Regelschulen.

Weiterführende Informationen: www.blista.de/css

Die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) ist ein bundesweites Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung. Barrierefreiheit hat für die blista einen besonders hohen Stellenwert. Als Einrichtung der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe wird das Ziel verfolgt, die Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen in unserer Gesellschaft zu fördern. So eröffnen taktile Medien neue Wege für das gemeinsame Lernen von blinden, sehbehinderten, hörsehbehinderten und sehenden Schülerinnen und Schülern.

Weiterführende Informationen: www.blista.de/taktilemedien

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