In einer Sonderausstellung zeigt die Stiftung Ann und Jürgen Wilde über 120 Werke des Fotografen Friedrich Seidenstücker und zahlreiche Dokumente aus ihren Sammlungsbeständen.

Friedrich Seidenstücker (1882-1966) zählt zu den bedeutenden Chronisten des Alltagslebens im Berlin der Weimarer Republik. Seine atmosphärischen Großstadtaufnahmen erzählen von beiläufigen Ereignissen und Begebenheiten: vom leichten Sonntagsvergnügen und dem beschwerlichen Arbeitsalltag, von Kinderspielen auf der Straße und dem Treiben auf Bahnhöfen und im Zoo. Seidenstücker wirft einen augenzwinkernden, oftmals humoristischen Blick auf die Menschen und das Leben in der Metropole. Seine Fotografien von Kleingewerbetreibenden wie Kutschern, fliegenden Händlern, Kofferträgern und Zeitungsverkäuferinnen zeigen jedoch auch die Härten der Großstadtexistenz und lassen im Hintergrund und an den Bildrändern oftmals die Gegensätze der sozialen Realität der Zwischenkriegsjahre sichtbar werden.

Noch während seines Ingenieurs- und Bildhauereistudiums in Berlin hatte Seidenstücker begonnen, im Zoo zu fotografieren. Um 1923 erhielt er vom Zoologischen Garten Berlin eine offizielle Fotografiererlaubnis und entschied sich für die Fotografie als Lebensunterhalt. Eine kleine Patent-Etui-Kamera für das Negativformat 9 x 12 cm ermöglichte ihm unauffälliges Fotografieren und so machte er schon bald die ersten Aufnahmen außerhalb des Zoos auf den Berliner Straßen. Er bot seine Aufnahmen den Berliner Verlagen an und wurde 1930 vom Ullstein-Verlag als freier Bildjournalist engagiert. In den folgenden Jahren veröffentlichte er seine Fotografien in zahlreichen illustrierten Zeitungen und Magazinen, wie „Berliner Illustrirte Zeitung“, „Die Dame“, „die neue linie“, „Der Querschnitt“, „Uhu“, oder „Vossische Zeitung“. Noch bis in die 1950er Jahre bediente Seidenstücker Bildanfragen für Veröffentlichungen aus seinem Archiv. An seine publizistischen Erfolge der späten 1920er und 1930er Jahre konnte er nach dem 2. Weltkrieg jedoch nicht wieder anknüpfen. Sein Werk geriet nach seinem Tod 1966 in Vergessenheit.

Es ist aufmerksamen Historikern, Sammlern und Archivaren zu verdanken, dass das Werk dennoch weitgehend gesichert wurde und heute der Öffentlichkeit wieder zugänglich ist. Das Sammlerpaar Ann und Jürgen Wilde erwarb schon in den frühen 1970er Jahren ein Konvolut an originalen Fotografien von Seidenstücker. Mit Ausstellungen und Publikationen engagierten sie sich für die Wiederentdeckung des Künstlers. Neben den Künstlerarchiven Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch und einer herausragenden Sammlung zur Fotografie der Moderne brachten sie ein weit mehr als 200 Originalfotografien umfassendes Werkkonvolut von Friedrich Seidenstücker in die Stiftung Ann und Jürgen Wilde ein, die seit 2010 den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert ist.

Die Ausstellung “Friedrich Seidenstücker. Leben in der Stadt” wurde 2021 auf Einladung des Käthe Kollwitz Museum Köln von der Stiftung Ann und Jürgen Wilde konzipiert und wird nun in erweiterter Form in der Pinakothek der Moderne präsentiert.

Kuratorin: Simone Förster, Sammlungsleiterin Stiftung Ann und Jürgen Wilde

gefördert durch Herbert Schuchardt-Stiftung

www.pinakothek.de/leben-der-stadt

Unter dem Titel SAMMLUNG+ präsentieren die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in der Pinakothek der Moderne von Ausstellungen im Kontext der Sammlung: Präsentationen von Neuerwerbungen, Leihgaben und Künstler:innenräumen zeigen die intensive Sammlungs- und Forschungsarbeit, die fachlich fundierte Auseinandersetzung und die Aktualität der Sammlungen.

FRIEDRICH SEIDENSTÜCKER – LEBEN IN DER STADT
Hg. von Simone Förster für die Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Mit einem Vorwort von Bernhard Maaz, Hannelore Fischer und Birgit Kümmel, Textbeiträgen von Simone Förster und Jürgen Wilde sowie einem bebilderten Gesamtverzeichnis des Bestands Seidenstücker in der Stiftung Ann und Jürgen Wilde
82 Seiten, 52 Tafelabb., deutsch / englisch, 24 x 30 cm, Broschur / Preis 16,00 €

BEGLEITVERANSTALTUNG ZUR AUSSTELLUNG
in Kooperation mit dem Filmmuseum München
Filmvorführung | Donnerstag, 01. Juni 2023, 19.00 Uhr
Menschen am Sonntag
Deutschland 1929
116 Min., stumm (mit Soundtrack)
Regie: Robert Siodmak / Edgar Ulmer
Drehbuch: Curt Siodmak / Billy Wilder
Einführung mit Simone Förster
Filmmuseum München, St. Jakobs-Platz 1, 80333 München

Im Sommer 1929 auf den Straßen Berlins gedreht, zählt „Menschen am Sonntag“ heute zu den Klassikern der Stummfilmzeit. Der Film beobachtet die Berliner beim Freizeitvergnügen, beim Faulenzen, Flirten und Streiten. Durchsetzt mit dokumentarischen Aufnahmen entstand eine unbeschwert alltägliche Sommergeschichte über das Lebensgefühl in Berlin Ende der 1920er Jahre. Sie kann als filmisches Pendant zu den Fotografien Friedrich Seidenstückers gesehen werden.

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