"Wichtige gesundheitspolitische Reformvorhalben liegen spätestens durch den Bruch der Regierungskoalition komplett auf Eis", stimmte Dr. Sven Dreyer in seiner Festrede zu, "ich hätte mir gewünscht, dass unsere demokratischen Parteien im Interesse unserer Patientinnen und Patienten ihren Fokus auch auf unser Gesundheitswesen richten würden."
Neuartigen Plattformen, die teilweise zu Verschreibungen führen, ohne dass ein realer Arztkontakt zustande kommt, erteilten beide Kammerpräsidenten eine Absage. "Investorengetriebene Profitorganisationen sind Fremdkörper in unserem solidarisch finanziertem Gesundheitssystem", so Dr. Dreyer, "die Teillegalisierung von Cannabis, hoch priorisiert auf der Agenda unseres Bundesgesundheitsministers hat zu einem rasant wachsenden Markt von Medizinalcannabis über fragwürdige Internetportalen mit einer Zunahme krimineller Aktivitäten geführt."
In einer berufsrechtlichen Grauzone könne Cannabis daher nun – ohne dem Betäubungsmittelgesetz zu unterliegen – auf einem normalen ärztlichen Rezept im Internet ohne persönlichen Arztkontakt problemlos eingekauft werden. "Anstatt dies als gesundheitspolitisches Desaster zu verbuchen, verweist Herr Lauterbauch auf die Berufsordnung der Ärzte, die der missbräuchlichen Verwendung ihrer Verschreibung keinen Vorschub leisten dürften. Er schiebt diese Aufgabe einfach so der Selbstverwaltung zu." Eine berufsrechtliche Überprüfung oder gar berufsrechtliche Maßnahmen würden sich aber schwierig bis unmöglich gestalten, da sich die Handelnden außerhalb der Zuständigkeit, also im Ausland befinden oder oft keine Ärzte sind. "Auch Apothekerinnen und Apotheker können beim Einlösen von Cannabis-Verordnungen kaum überprüfen, ob es sich beim Verordner um einen berechtigten Arzt/Ärztin handelt. Wir benötigen daher aus meiner Sicht dringend und zwingend eine Nachvollziehbarkeit und Nachverfolgbarkeit des Verschreibenden sowie "gesicherte" Ausstellungsdokumente", so Dr. Sven Dreyer. Er betonte, die "regionalen Strukturen gemeinsam stärken" zu wollen, das sei im Sinne der wohnortnahen Versorgung der Menschen.
Begonnen hatte der Neujahrsempfang in der Kirche der Maximiliansgemeinde in der Düsseldorfer Altstadt mit einem 30-minütigen Orgel-Trompeten-Sopranisten-Konzert, bei dem klassische und moderne Musik derart kurzweilig arrangiert wurden, das alle auf ihre Kosten kamen. Im Anschluss bestand die Gelegenheit zum Austausch im Klosterhof des Maxhauses.
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