Joachim Hofmann (24) ist der neue Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland.

Hofmann (Jahrgang 2001) stammt aus Rostock und absolvierte nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in der CDU-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern. Anschließend begann er ein duales Studium der Öffentlichen Verwaltung (LL.B.). In der Praxisphase seines Grundstudiums arbeitete er in verschiedenen Landesbehörden. Parallel dazu war er als Referent im kommunalen Bildungswerk Mecklenburg-Vorpommern und im Büro der Bundestagsabgeordneten Simone Borchardt (CDU) tätig. Zum Ende des Studiengangs, während er seine Bachelorarbeit schrieb, verfestigte sich bei ihm der Wunsch Pastor zu werden. So begann er ein Theologiestudium an der adventistischen Theologischen Hochschule in Friedensau bei Magdeburg.

Johannes Hofmann ist Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Werkstudent beim Arthur-Daniells-Institut für Missionswissenschaften (ADIMIS) der Friedensauer Hochschule. Er tritt die Nachfolge von Dr. Horst Sebastian an, der von 2019 bis 2025 das Referat Kriegsdienstverweigerung und Frieden leitete.

Dem Beispiel Jesu folgen

Gegenüber dem APD äußerte Hofmann, dass er diejenigen aktiv unterstützen wolle, die sich dafür entscheiden ihrem Gewissen zu folgen und den Kriegsdienst verweigern. Dabei gelte es aber auch die individuelle Gewissensentscheidung eines Kriegsdienstleistenden zu respektieren. Da zu erwarten sei, dass ein gesellschaftlicher Druck zugunsten des Kriegsdienstes entstehe, wäre „es für uns als Adventisten umso wichtiger zu betonen, dass das Böse durch das Gute überwältigt wird. Denn wir sind als Christen, unabhängig von politischen Entscheidungen, aufgerufen dem Beispiel Jesu zu folgen und unserem Nächsten, ob Freund oder Feind, in Liebe zu begegnen“. Das bedeute für ihn aber auch, „wenn unsere Gesellschaft Kriegsdienstverweigerern den Raum gibt ihrem Gewissen zu folgen, es nur angebracht ist, dass sie eine andere Form von Dienst an und in der Gesellschaft im vergleichbaren Umfang erfüllen“.

Adventisten und Militärdienst

Holger Teubert, der das 1995 gegründete Referat Kriegsdienstverweigerung bis 2018 leitete, erinnert daran, dass sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zu organisieren begann als der Amerikanische Bürgerkrieg (1861 bis 1865) tobte. Als 1863 die Generalkonferenz in Battle Creek, Michigan/USA, als oberste Kirchenleitung gegründet wurde, gab es nur 3.500 Adventisten in 125 Gemeinden in sechs US-Bundesstaaten. Alle lebten in den Nordstaaten (Unionsstaaten). In den Südstaaten gab es damals noch keine Adventisten. Anfangs konnten Wehrpflichtige sich mit 300 Dollar vom Kriegsdienst freikaufen. 300 Dollar waren immerhin zwei Drittel des Jahreseinkommens eines Arbeiters. Einberufene Adventisten versuchten diese Summe aufzubringen. Als immer mehr Soldaten benötigt wurden, galten die Befreiungsvorschriften nur noch für Mitglieder religiöser Gemeinschaften, die „aus Gewissensgründen gegen das Waffentragen sind“. Die Freikirche erlangte die Anerkennung als „Nichtkämpfer“, sodass Adventisten als Non-Combatants waffenlose Ersatzdienste im Militär leisten konnten. Doch es gab Offiziere und Militärbeamte, die Adventisten den Status als Nichtkämpfer verweigerten, sodass sie gegen ihren Willen zur kämpfenden Truppe eingezogen wurden. Wer sich weigerte, die Waffe in die Hand zu nehmen, dem wurde mit Kriegsgericht und Erschießung gedroht. In solch einer Situation blieb es der persönlichen Gewissensentscheidung des Einberufenen überlassen, ob er den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorcht.

Das Verhalten der Freikirche im Amerikanischen Bürgerkrieg war wegweisend für die künftige Haltung zum Militärdienst. Adventisten sollten sich nicht freiwillig zum Militär melden. Wurden sie einberufen, wären sie zu einem waffenlosen Dienst beim Militär (etwa waffenlosen Sanitätsdienst) oder auch zum Zivildienst bereit. Wird solch ein Nichtkämpferdienst verweigert, muss jeder selbst vor seinem Gewissen und damit vor Gott entscheiden, ob er eine Waffe in die Hand nimmt und sie ggf. auch benutzt.

Waffenlose Sanitäter in den USA

Während des Zweiten Weltkriegs haben etwa 12.000 Adventisten in den US-Streitkräften als unbewaffnete Sanitäter gedient. Die adventistische Kirchenleitung war dabei „sehr stolz“ auf ihr Mitglied Desmond Doss, der für die Rettung von 75 verwundeten Kameraden auf Okinawa am 12. Oktober 1945 von US-Präsident Harry S. Truman die Ehrenmedaille des Kongresses als höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten erhielt (siehe auch APD-Meldung vom 9. Januar 2017).

Rot-Kreuz-Kurse in Deutschland

In Deutschland wurden während der NS-Zeit für junge männliche Adventisten „Rot-Kreuz-Kurse“ in der Hoffnung organisiert, dass bei einer späteren Einberufung die Absolventen dieser Kurse den Sanitätseinheiten zugeteilt werden. Am 1. April 1942 waren laut einer von der Freikirche erstellten Statistik 239 Pastoren und 3.496 Gemeindemitglieder zur Wehrmacht einberufen worden. Davon leisteten 508 Sanitätsdienst, also jeder siebte. Obwohl schon vor dem Krieg viele junge männliche Adventisten einen Rot-Kreuz-Kurs absolviert hatten, wurde ihnen dann doch verwehrt, Sanitäter zu werden.

Es gab aber in der deutschen Wehrmacht noch andere Möglichkeiten Dienst zu tun, ohne eine Waffe zu gebrauchen. Nach Kriegsende wurde von der Freikirche eine Umfrage durchgeführt. Danach haben 95 Prozent der Pastoren und knapp 87 Prozent der zum Wehrdienst eingezogenen Gemeindemitglieder keinen Dienst mit der Waffe geleistet, bzw. keine Waffe eingesetzt.

Es gab aber auch einige Adventisten, die den Waffendienst grundsätzlich verweigerten. Franz Partes aus Wien wurde wegen Kriegsdienstverweigerung in Ölmütz vors Kriegsgericht gestellt, verurteilt und in ein KZ eingeliefert, wo er starb. Franz Dlugosch kam wegen Wehrkraftzersetzung vor ein Feldkriegsgericht. Am 11. Mai 1940 wurde das Todesurteil durch Erschießen vollstreckt. Fritz Bergner bekam 1940 seinen Einberufungsbefehl zur Wehrmacht und wurde 1941 an die Ostfront geschickt. Wegen seines Bekenntnisses, „eher werde ich mich erschießen lassen, als meine Waffe gegen einen Feind zu richten“, wurde er der Gestapo übergeben. Im November 1942 starb er im KZ Dachau. Hans Brüning bekam zu Beginn des Jahres 1943 hintereinander zwei Einberufungsbescheide, die er ignorierte. Als er versuchte in die Schweiz zu fliehen, wurde er an der Grenze gefasst, von einem Kriegsgericht als Landesverräter zum Tode verurteilt und am 22. Februar 1944 hingerichtet. Willi Kollmann war Pilot einer Transportmaschine. Er brachte Nahrungsmittel und medizinischen Bedarf an die Front. Im März 1944 bekam er einen Versetzungsbefehl zu den Schlachtfliegern, den er verweigerte. Bevor es zu einem Kriegsgerichtsverfahren kam, starb Kollmann am 27. April 1944 beim Abschuss seines Flugzeugs im Osten Polens. Otto Groß aus dem Warthegau weigerte sich, eine Waffe in die Hand zu nehmen. 1944 kam er ins KZ Dachau. Er blieb dort bis zur Befreiung durch die Amerikaner.

Zivildienst in der Bundesrepublik

Da es bei der Bundeswehr keinen waffenlosen Sanitätsdienst gab, empfahl die Freikirchenleitung in der Bundesrepublik den Zivildienst. Die Jugendabteilungen der Freikirche organisierten Seminare für Kriegsdienstverweigerer und sorgten dafür, dass Pastoren die Jugendlichen bei den Verhandlungen vor den Prüfungsausschüssen und -kammern als kirchliche Beistände begleiteten. Die Freikirchenleitung gab 1986 eine 170-seitige Handreichung für Kriegsdienstverweigerer für die Adventjugend in der Bundesrepublik Deutschland heraus.

Anfang der 1980er-Jahre wurden in Ost und West neue Waffensysteme entwickelt und aufgestellt. Dadurch wurde vielen Menschen die ungeheure Bedrohung des Lebens bewusstgemacht. Die Freikirchenleitung in der Bundesrepublik gab deshalb im Dezember 1983 eine Erklärung zur Friedensdiskussion heraus. Darin heißt es unter anderem: „Wir lehnen Krieg in jeder Form ab und sehen deshalb in der Entwicklung, der Produktion, dem heute Besitz, der Drohung mit und dem Einsatz von diesen Waffen einen Verstoß gegen den Willen Gottes.“

Bausoldaten in der DDR

In der DDR gab es keinen zivilen Ersatzdienst. Es gab aber ab 1964 einen waffenlosen Militärdienst – die Bausoldaten. Die meisten wehrpflichtigen Adventisten entschieden sich dafür, wenngleich für einen Bausoldaten in der Regel damit der Ausschluss vom Hochschulstudium verbunden war. Unter den bereits getauften adventistischen Jugendlichen gab es nur ganz wenige, die den Waffendienst in der Nationalen Volksarmee ableisteten; und auch die wenigen meist im Sanitätsdienst. Aber selbst noch nicht getaufte Jugendliche zogen trotz offenkundiger Nachteile den Dienst als Bausoldaten vor.

Keinen freiwilligen Dienst in der Bundeswehr

Die Aussetzung der Einberufung zur Wehrpflicht in der Bundesrepublik im Jahr 2011 ändert nichts an der Empfehlung der Freikirche, keinen Wehr- und Kriegsdienst zu leisten. Deshalb gab sie 2018 die Stellungnahme Mut zum Frieden zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren heraus. Die Freikirchenleitung empfiehlt in der Erklärung ihren Mitgliedern, sich weder direkt noch indirekt an einem Krieg zu beteiligen. „Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen“, wird in der Stellungnahme hervorgehoben. Wo Menschen im Frieden mit Gott leben, suchen sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede ist unteilbar und durchdringt alle Lebensbereiche. Daher empfiehlt die Freikirchenleitung ihren Mitgliedern sowie den Mitgliedern der Adventjugend in Deutschland, „sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen“.

Hinweis: Die Stellungnahme Mut zum Frieden ist unter folgendem Shortlink zu finden: https://tinyurl.com/mrxxzbds

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