Er duftet dezent nach Knoblauch und verfeinert viele Gerichte: Bärlauch ist beliebt und wird im Frühjahr, wenn er seine Blätter entfaltet, frisch gesammelt. Die Pflanze mag feuchtes Klima und gedeiht gut entlang von Bächen und Flüssen. Allerdings sollten Büsche und Bäume dort nicht zu dicht stehen, denn sie braucht auch Sonne. Genau die Voraussetzungen, die der Oberharmersbach bietet.
Er schlängelt sich durch ein Bilderbuchtal, in dem Kühe weiden, Höfe in der Landschaft liegen – und man im Frühjahr außerdem Nicole Oeser mit einer kleinen Gruppe von Menschen im Grünen entdecken kann. Die Kräuterexpertin veranstaltet in der Umgebung von Oberharmersbach jedes Jahr im Frühjahr Spaziergänge zum Thema Bärlauch.
Auch die Touristiker haben längst das Potenzial des wohlriechenden Wildkrauts im Tal erkannt und den Bärlauch zum jährlichen Thema von Genusswochen gemacht. Dann kann man in Gasthäusern und Restaurants verschiedene Gerichte genießen – vom feinen Süppchen über Bärlauchspätzle bis hin zum Forellenfilet mit Bärlauchsauce. Dazu gibt es viele Veranstaltungen, wie „Bärlauch in Flammen“, und Nicole Oeser bietet Führungen für alle an, die gerne mehr über die Pflanze und ihre vielen Qualitäten erfahren und sie auch selbst sammeln wollen.
Sie kennt die Stellen am Fluss, an denen man garantiert fündig wird. Doch auch wenn man Bärlauch entdeckt hat, darf man ihn nicht hemmungslos ausrupfen: „Vorsicht und Achtsamkeit“ vermittelt Nicole Oeser als wichtige Leitlinie für alle, die Kräuter sammeln wollen. „Zum einen sollte man die Bestände nicht drastisch reduzieren“, erklärt sie. Es ist aber durchaus auch im eigenen Interesse wichtig, Zeit und Ruhe mitzubringen und sich alles, was man pflücken will, vorher genau anzuschauen: „Man will ja keine giftigen Pflanzen mit nach Hause bringen.“
Wer sich der Expertin anschließt, lernt die Unterschiede zu Maiglöckchen, Aronstab und Herbstzeitlose kennen, mit denen der Bärlauch am ehesten verwechselt wird. Wichtigstes Kennzeichen ist der Geruch: Bärlauch entfaltet eine Knoblauchnote, wenn man das Blatt reibt, während die anderen eigentlich nach gar nichts riechen. Außerdem lassen sich die Blätter unterscheiden: Maiglöckchen haben zum Beispiel viel festere Blätter als Bärlauch.
Die Warnungen sind wichtig und gehören dazu und man sollte die Blätter nicht essen, wenn man sich beim Sammeln nicht wirklich sicher ist. Aber natürlich will Nicole Oeser auch den Appetit wecken und neugierig machen auf die Pflanze, die sie für ein absolutes Lebenselixier hält: „Bärlauch hat Bärenkräfte, die um ein Vielfaches stärker sind als beim Knoblauch. Er regt den Stoffwechsel an und stärkt das Immunsystem.“ Sie selbst setzt mit den Blättern stets eine Tinktur an und sobald sie kränkelt, mischt sie einen Schuss davon in ein Glas Wasser, „das wirkt Wunder“.
Sie interessierte sich schon immer für Medizin, ist gelernte Altenpflegerin – und in das Kräuterthema irgendwann „reingerutscht“: Wenn bei einem ihrer fünf Kinder eine Krankheit im Anmarsch war, hat sie oft mit Kräutern versucht, sie abzuwenden. Schließlich meldete sie sich für die Ausbildung zur Naturpädagogin an. Dann wollte sie es doch genauer wissen und besuchte die Heilpflanzenschule von Maria Vogt in Renchen, die schon seit Jahrzehnten Interessierte ausbildet. Seitdem ist Nicole Oeser Fachfrau für Heilkräuter.
Neben dem Bärlauch hat sie noch zwei weitere Lieblingspflanzen: Die Schafgarbe, die ihrer Ansicht nach in jede Hausapotheke gehört, und die vielfach unterschätzte Brennnessel. „Sie reinigt das Blut und weckt die Lebensgeister“, sagt Oeser. Das spüren wohl auch die Kühe, denn wenn man sie nach dem Winter zum ersten Mal auf die Weide lässt, so die Expertin, machen sie sich zuallererst über die Brennnesseln her. Und was für Kühe gut ist, eignet sich auch für die Menschen als Frühjahrskur – am besten kombiniert mit Bärlauch.
Bei ihren Führungen erzählt sie aber nicht nur von den gesundheitlichen Vorzügen, sondern sie gibt viele Tipps für Rezepte. Zu ihren Lieblingsgerichten zählen dabei Ravioli gefüllt mit Bärlauchpesto. „Egal, ob man Ricotta dazugibt oder nicht – das schmeckt einfach herrlich!“ Und wer nach ihrem Vortrag Lust auf Bärlauch bekommen hat, aber nicht selbst sammeln und kochen möchte: In Oberharmersbach gibt es genug gemütliche Gasthäuser, in denen man Bärlauchgerichte genießen kann.
Bärlauch:
Bärlauch ist eines der ersten Wildkräuter, die im Frühling wachsen. Die aromatische Pflanze gehört zur Familie der Lauchgewächse und ist verwandt mit Zwiebel und Knoblauch. Ihr Geruch und Geschmack erinnern auch an Knoblauch, Bärlauch ist allerdings milder. Ab März erscheinen die Blätter und sobald sich im April seine weißen Blüten zeigen, endet die Erntezeit, denn dann werden die Blätter zunehmend bitter.
Bärlauch hat auch eine lange Tradition als Heilpflanze. Außerdem hat er viel Vitamin C, was das Immunsystem stärkt. Seine Blätter eignen sich für Suppen und Pestos, sie lassen sich in Spätzle, Gnocchi, Maultaschen und in Brotaufstrichen verarbeiten.
Das Sammeln ist ein schönes Naturerlebnis, doch man sollte nicht einfach drauflosgehen, sondern sich vorher gut informieren, denn es gibt giftige Doppelgänger. Von ihnen unterscheidet er sich vor allem durch den Knoblauchduft. Wenn man jedoch einmal am Blatt gerieben hat, bleibt der Geruch an den Fingern hängen – und man kann sich bei der nächsten Probe täuschen.
Genusswochen:
Seit einigen Jahren veranstaltet der „Dorfurlaub“-Ort Oberharmersbach Genusswochen, in diesem Jahr vom 16. bis zum 29. März 2026. Da der Ort sich den Titel „Vesperdorf“ gegeben hat, gibt es dann auch viele Vesperspezialitäten, die damit zubereitet sind. In den Gaststätten kann man aber noch viele weitere Gerichte mit dem Frühlingskraut probieren. Die Spezialitäten findet man ebenso wie die Führungen mit Nicole Oeser sowie andere Veranstaltungen zum Bärlauch auf der Webseite: www.oberharmersbach.de
Informationen zu weiteren Angeboten von Nicole Oeser gibt’s unter www.kuebis-kraeutereckle.de, mehr Tipps aus der Region unter www.mittlererschwarzwald.de und www.dorfurlaub.info
Text: Claudia List
Fotos: Jigal Fichtner, Schwarzwald Tourismus
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