Das Programm war durchaus anspruchsvoll: Schwester Johanna Höldrich, die Oberin des Kaufbeurer Crescentiaklosters, spürte gleich zu Tagungsbeginn mit ihrem Auftaktvortrag der Frage nach, welches Leitungsideal die Gemeinschaft um Crescentia Höss geformt habe – mit auffallenden Parallelen zur Aufgabe professioneller Personalführung heutzutage. Doch auch grundsätzliche Überlegungen wurden angestellt: Während Prof. Dr. Gerda Riedl aus Augsburg das Konzept der Heiligkeit und Heiligsprechung in die Gegenwartssprache übersetzte, erweiterte Dr. Martin Posselt aus München diese Perspektive um kulturhistorische Aspekte der Kanonisierungsgeschichte der Katholischen Kirche.
Doch welche Rolle spielte die Heiligenverehrung im Leben der Crescentia selbst? Schwester Daniela vom Franziskanerinnenkloster Kaufbeuren, die für ihren Vortrag alle zur Verfügung stehenden historischen Quellen untersucht hatte, kam zu dem überraschenden Ergebnis: eine im Kontext des Barock durchaus nüchterne, ja beinahe reduzierte. Und das ganz im Gegensatz zu der Verehrung, die ihr selber schon zu Lebzeiten, spätestens aber seit 2001 zuteil wurde, wie der Film Das Wunder von Kaufbeuren eindrucksvoll zeigte und neben Aspekten der Volksfrömmigkeit vor allem die Frage aufwarf, was von einem Wunder in der heutigen Zeit noch zu halten sei. Geht es nach Prof. Dr. Ludwig Mödl, der für seinen Abendvortrag aus Regensburg angereits war, sei die Kategorie des Wunders jedoch nicht nur bestens biblisch belegt, sondern könne auch nicht mit rationalistischen Mitteln einfach ausgeschlossen werden. Überhaupt sei der Christ von heute, wie Bischof Bertram Meier beim abschließenden Festgottesdienst predigte, nicht dazu berufen, sich um solche Erwägungen allzu sehr zu bekümmern, sondern habe von Crescentia lernen, die Jesus-Nachfolge im Hier und Jetzt ins Zentrum seines Lebens zu stellen. Und so waren sich am Ende alle ganz einig: es war eine gute Tagung, die die Schwabenakademie Irsee anlässlich des Heilgsprechungsjubiläums da auf die Beine gestellt hatte.
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