Wie gehen Gesellschaften mit Katastrophen, Kriegserfahrungen und historischen Umbrüchen um und welche Spuren reichen bis in die Gegenwart? Diesen Fragen widmet sich die Veranstaltung des Instituts für mediale und kulturelle Vielfalt. Im Mittelpunkt stehen die Krisen- und Umbruchzeiten des 20. Jahrhunderts in ihren historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Dimensionen. Wissenschaftliche Beiträge, Zeitzeugenberichte und kulturelle Elemente greifen ineinander und schaffen einen Raum für Austausch, Begegnung und gemeinsames Erinnern.

Neue historische Erkenntnisse für Bad Sulza und Thüringen

Im Vorfeld der Veranstaltung sind zudem für die regionale Erinnerungsgeschichte bedeutende neue Erkenntnisse bekannt geworden: Die langjährigen Forschungsarbeiten des Historikers Udo Wohlfeld haben Hinweise und Quellenmaterial zutage gefördert, die die Geschichte des Stammlagers IX C in Bad Sulza neu beleuchten. Entgegen früherer Annahmen ist nun davon auszugehen, dass sich dort auch sowjetische Kriegsgefangene befanden. Diese Erkenntnisse erweitern und vertiefen das historische Bild des Lagergeschehens erheblich und sind sowohl für Bad Sulza als auch für Thüringen von besonderer regionalgeschichtlicher Bedeutung. Die Forschung fügt damit ein bislang weniger beachtetes, aber wesentliches Puzzlestück in die lokale Erinnerungskultur ein.

Der Auftakt am Samstag, 6. Juni setzt bewusst einen regionalen Schwerpunkt: Um 15 Uhr beleuchtet eine Podiumsdiskussion das Stammlager der Wehrmacht IX C in Bad Sulza in den Jahren 1940 bis 1945. Der Historiker Udo Wohlfeld spricht über die aktuellen Ergebnisse seiner eigenen Forschung der letzten Jahre und ordnet die lokale Geschichte in größere Zusammenhänge ein. Zeitzeugenberichte ergänzen den Vortrag. Um 19 Uhr folgt mit der Filmvorführung „Komm und sieh“ ein eindringlicher künstlerischer Zugang zum Thema Krieg und Gewalt, der die Perspektive des individuellen Erlebens in den Vordergrund rückt.

Der Sonntag, 7. Juni, richtet den Blick stärker auf die internationalen Dimensionen des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen. Um 9.30 Uhr spricht Dr. Hauke Ritz über den Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion und dessen auch langfristige Auswirkungen; im Anschluss besteht Gelegenheit zur Diskussion. Am Nachmittag vertieft Prof. Klaus-Dieter Kolenda um 14 Uhr mit seinem Vortrag „Belarus/Weißrussland 1941–1944“ die Perspektive auf diese besonders betroffene Region Osteuropas, die in dieser Zeit ein Drittel ihrer Bevölkerung verlor. Danach folgt der Beitrag „Eine Reise nach Belarus im Jahr 2025“, in dem Jan Gorski gemeinsam mit Prof. Klaus-Dieter Kolenda ihre persönlichen Eindrücke schildern und so eine Brücke zwischen historischer Erinnerung und gegenwärtiger Erfahrung schlagen.

Im Anschluss daran werden die Belarus-Projekte des Bundesverbandes Deutscher West-Ost-Gesellschaften (Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO)) sowie der Deutsch-Russländischen Gesellschaft Wittenberg vorgestellt. Ein Beitrag von Dr. Heinz Wehmeier, Leiter der Deutsch-Russländischen Gesellschaft in Lutherstadt Wittenberg, gibt Einblicke in die langjährige Projektarbeit und die dort gepflegte Städtepartnerschaft zwischen Wittenberg und Mogiljow, die seit Jahrzehnten als kontinuierliches Beispiel für zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen Ost und West gilt.

Musikalische Beiträge des ukrainischen Ensembles Vinotschok werden die Themen des Wochenendes atmosphärisch begleiten und vertiefen.

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