Schleswig-Holstein möchte bis Mitte des kommenden Jahres 2027 zu den forschungsstärksten und sichtbarsten Wissenschaftsregionen Deutschlands gehören, das sagt zumindest Ministerpräsident Daniel Günther. Ein wichtiger Teil dieses Plans: die Expertise der Technischen Hochschule Lübeck. Für das Projekt rund um energieautarke Herzschrittmacher nahm Professorin Nadine Buczek nun eine Förderung aus dem Ideenfonds des Landes entgegen.

Der Einladung des Ministerpräsidenten zum Empfang Politik trifft Wissenschaft in Kiel folgten am 18. Mai 2026 gut 40 neu berufene Professor*innen sowie zahlreiche Vertreter*innen der schleswig-holsteinischen Hochschulen. Im Mittelpunkt standen die stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie der Ausbau von Forschungskooperationen und die Drittmitteleinwerbung.

„Wir haben starke Hochschulen, engagierte Forschende und sehr gute Rahmenbedingungen“, sagte Günther. „Wir wollen unsere Forschungsprofile weiterentwickeln, Kooperationen ausbauen, mehr Drittmittel einwerben und Forschung sichtbarer machen“, so der Regierungschef weiter.

Schleswig-Holstein fördert mit Ideenfond die Beantragung von Drittmittelprojekten

Um die hervorragende wissenschaftliche Arbeit der Hochschulen zu stärken, hat die Landesregierung unter anderem den Ideenfonds aufgelegt. Forschungsinitiativen sollen so beim Einwerben von Drittmitteln unterstützt werden. Gemeinsam mit Forschungsministerin Dr. Dorit Stenke überreichte der Ministerpräsident die Förderbescheide der fünften Ausschreibungsrunde in Höhe von insgesamt 200.000 Euro zum Schwerpunktthema Lebenswissenschaften.

Sechs Forschungsprojekte hatten sich erfolgreich beworben. Forschungsministerin Stenke: „Schleswig-Holstein verfügt in den Lebenswissenschaften über besondere Kompetenzen – von der Entzündungsforschung über die Evolutionsbiologie bis zu den Agrar- und Ernährungswissenschaften. Die Landesregierung will diese Potenziale gezielt weiterentwickeln und die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen stärken.“

Forschungsprojekt TAKT der TH Lübeck erhält Förderung

Eines der geförderten Projekte: Niedrigenergetische KI und thermoelektrische Energiegewinnung für autonome kardiale Implantattechnologie von TH-Lübeck-Professorin Nadine Buczek. Mit der Summe von 11.500 Euro soll die Forscherin nun bei der Vorbereitung von Drittmittelanträgen unterstützt werden.

Im Mittelpunkt des Projekts TAKT steht die Frage: Wie können Herzschrittmacher künftig ohne Batteriewechsel auskommen? Ziel ist es, die Körperwärme von Patient*innen zur Energieversorgung von Herzimplantaten zu nutzen. Das Projekt untersucht also, ob die geringe Leistungsaufnahme moderner sondenloser Herzschrittmacher künftig vollständig durch die Umwandlung von Körperwärme in elektrische Energie gedeckt werden kann.

TH Lübeck forscht an der Weiterentwicklung von sondenlosen Herzschrittmachern

Dazu werden im Projekt neuartige, biokompatible thermoelektrische Materialien erforscht, die selbst kleinste Temperaturunterschiede in elektrische Energie umwandeln können. Als Grundlage nutzt das Team um Projektleiterin Buczek das Grundprinzip der Thermogeneratoren. Diese nutzen den sogenannten Seebeck-Effekt. Wenn zwei unterschiedliche elektrische Leiter oder Halbleiter miteinander verbunden sind und ihre Verbindungsstellen unterschiedliche Temperaturen haben, entsteht eine elektrische Spannung.

Je größer der Temperaturunterschied, desto mehr elektrische Energie kann erzeugt werden. Daher liegt ein Fokus der Forschenden darauf, schon die kleinsten Temperaturunterschiede zu nutzen, um einen möglichst hohen Energiegewinn zu generieren.

Hinzu kommt: Während konventionelle thermoelektrische Materialien hohe Leistungsdichten erreichen, sind sie aufgrund ihrer Materialeigenschaften für den Einsatz im menschlichen Körper nur eingeschränkt geeignet. Das Forschungsteam entwickelt daher flexible, nichttoxische thermoelektrische Strukturen auf Basis leitfähiger Polymere und untersucht deren Potenzial für implantierbare Anwendungen.

Ergänzt wird der Ansatz durch eine eingebaute KI

Ergänzt wird dieser Ansatz durch besonders energieeffiziente Verfahren der Künstlichen Intelligenz. Die Energiegewinnung soll intelligent geregelt werden. Da die Temperaturdifferenz zwischen Körpergewebe und Umgebung im Alltag Schwankungen unterliegt, verändert sich auch die erzeugbare elektrische Leistung. Im Projekt werden deshalb energieeffiziente Verfahren der Künstlichen Intelligenz entwickelt, die den optimalen Betriebspunkt des thermoelektrischen Generators kontinuierlich anpassen.

Langfristig könnte diese Technologie dazu beitragen, die Lebensdauer von Herzschrittmachern deutlich zu verlängern und die Zahl notwendiger Batterieaustausche zu reduzieren. Dies würde nicht nur die Belastung für Patient*innen verringern, sondern auch das Risiko zusätzlicher chirurgischer Eingriffe senken.

Im Rahmen einer 18-monatigen Vorstudie entwickelt das Forschungsteam zunächst die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen. Die Ergebnisse sollen anschließend in ein größeres Verbundprojekt mit Partner*innen aus Medizin und Industrie einfließen.

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