Verschiedene Studien zeigen, dass psychische Belastungen, Erschöpfung, depressive Symptome, psychosomatische Beschwerden und stressbedingte Erkrankungen bei Eltern und Kindern zunehmen. Besonders betroffen sind Familien mit Mehrfachbelastungen durch Beruf, Sorgearbeit, finanzielle Unsicherheit oder Alleinerziehung. Der Sachverständigenrat Gesundheit weist darauf hin, dass Erkrankungen von Eltern das Risiko für Entwicklungs- und Gesundheitsrisiken bei Kindern steigern können. Bleiben psychosoziale Belastungen unbehandelt, führt das zu einer geringeren Bildungsbeteiligung, langfristig steigenden Krankheitsrisiken sowie zu höheren Gesundheits- und Sozialausgaben. Analysen der OECD zeigen, dass die gesamtgesellschaftlichen Folgekosten in Industrieländern mehrere Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen können. Frühe, familienorientierte Hilfen sind deshalb gesundheitlich notwendig und volkswirtschaftlich sinnvoll.
Hilfe für Eltern und Kinder
Genau hier setzen stationäre Mutter-/Vater-Kind-Leistungen an. Sie erreichen Eltern in akuter Erziehungsverantwortung, bevor gesundheitliche Probleme chronisch werden und Familien weiter destabilisieren. Die Maßnahmen dauern in der Regel drei Wochen und verbinden medizinisch-therapeutische Behandlung mit psychologischer, psychosozialer und pädagogischer Unterstützung. Dazu gehören Angebote zur Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung ebenso wie Gesundheitsbildung, Prävention und konkrete Hilfen im Umgang mit Stress, Erschöpfung und familiären Belastungen. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Einzelrehabilitationsmaßnahmen ist, dass Eltern gezielte Unterstützung erhalten, ohne von ihren Kindern getrennt zu werden. Die Kinder können bei Bedarf mitbehandelt werden. So werden nicht nur einzelne Symptome adressiert, sondern reale Arbeits-, Familien- und Belastungssituationen. Studien zeigen, dass solche Angebote besonders auch Familien erreichen, die im regulären Versorgungssystem häufig zu spät oder gar nicht ankommen.
Hoher Nutzen, geringe Kosten
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung: 2024 nahmen bundesweit 128.682 Mütter, Väter und Kinder an entsprechenden Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen teil. Gleichzeitig machten stationäre Mutter-/Vater-Kind-Leistungen nur 0,19 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Bundesweit gibt es 127 Einrichtungen mit rund 10.000 Beschäftigten. Rund 46 Prozent der Einrichtungen sind in privater Trägerschaft.
Zugang erleichtern, Versorgung fair sichern
„Mutter-/Vater-Kind-Kuren sind kein Randthema der Versorgung. Sie stabilisieren Eltern, stärken Kinder und verhindern, dass Belastungen zu chronischen Erkrankungen werden“, betont VPKA-Geschäftsführer Michael Strobach. „Wer Familiengesundheit ernst nimmt, muss diese Leistungen verlässlich absichern.“ Der VPKA, zu dessen Mitgliedern auch mehrere Mutter-/Vater-Kind-Einrichtungen gehören, unterstützt daher die zentralen Forderungen des BDPK: „Der Genehmigungsvorbehalt in der gesetzlichen Krankenversicherung muss abgeschafft werden, damit medizinisch notwendige Hilfe schneller ankommt. Zudem müssen Investitionsprogramme trägerneutral ausgestaltet werden“, so Strobach. „Rund 59 Prozent der Maßnahmen werden in Einrichtungen privater Trägerschaft erbracht. Sie sichern damit einen wesentlichen Teil der Versorgung, sind aber von öffentlichen Fördermitteln regelmäßig ausgeschlossen. Diese Chancenungleichheit ist weder leistungs- noch qualitätsbezogen begründbar und muss sich ändern. Nur dann können Qualität, Kapazitäten und regionale Erreichbarkeit dauerhaft gesichert werden.“
Der Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern e. V. (VPKA) setzt sich als dynamischer und praxisnaher Verband seit mehr als 75 Jahren bayernweit für die inhaltlichen Belange der privaten Akut- und Rehakliniken ein. Er vertritt als größter Landesverband rund 175 Einrichtungen mit knapp 29.000 Betten/Plätzen. Sein Ziel ist eine qualitativ hochwertige, innovative und wirtschaftliche Patientenversorgung in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken. Neben der Beratung seiner Mitglieder vertritt er die Belange der Privatkrankenanstalten in gesellschaftlichen, sozialpolitischen und tariflichen Angelegenheiten.
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