Im Jahr 1976 hat Deutschland die internationale Feuchtgebietskonvention (Ramsar-Konvention) ratifiziert. Damit hat sich Deutschland neben heute weiteren 171 Staaten dazu verpflichtet, Feuchtgebiete zu schützen, wiederherzustellen und nachhaltig zu nutzen. Anlässlich dieses 50-jährigen Jubiläums hat die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter heute eine Festveranstaltung in Konstanz, gemeinsam mit der baden-württembergischen Umweltministerin Thekla Walker und dem Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Die Veranstaltung wird eine Plattform für den fachlichen Austausch zu aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Handlungsansätzen bieten eröffnet.

Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter: „Angesichts der derzeitigen Hitzewelle und Trockenheit wird uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Moore, Auen oder andere Feuchtgebiete für uns sind: Sie halten Wasser in der Landschaft und schützen uns damit gegen Wasserknappheit, zudem wirken sie abkühlend. Neben dieser für uns alle spürbaren Funktion sind sie noch viel mehr: sie sind wichtiger Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten, machen uns widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen uns bei der Bewältigung des Biodiversitätsverlusts. Sie sind also wahre Alleskönner, auf die wir nicht verzichten können.“

Deutschland hat bisher 35 Ramsar-Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 869.000 Hektar (etwa die dreifache Fläche des Saarlands) als Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung ausgewiesen. Zu den ersten Ramsar-Gebieten zählen vielfältige Ökosysteme, wie der Chiemsee, das Wollmatinger Ried am Bodensee, das Wattenmeer oder auch Auen entlang der Elbe und des Rheins. Die „Rosenheimer Stammbeckenmoore“ des bayerischen Alpenvorlandes stellen das jüngste deutsche Ramsar-Gebiet von internationaler Bedeutung dar.

BfN Präsidentin Sabine Riewenherm: „Der Schutz von Arten, Lebensräumen und Klima endet nicht an Ländergrenzen. Wer Moore wiedervernässt, Auen renaturiert und natürliche Wasserlandschaften erhält, schützt Klima, Artenvielfalt und Menschen gleichermaßen – hier in Deutschland aber auch international.“

Um die Vielfalt und ökologische Bedeutung der 35 deutschen Ramsar-Gebiete vorzustellen, wurden erstmals eine Broschüre und eine Wanderausstellung erstellt, welche beide im Rahmen der Veranstaltung präsentiert werden. Am Vorabend der Festveranstaltung fand zudem eine öffentliche Filmvorführung statt, die auf eine Reise in die faszinierende Welt der Moore einlädt und deren Bedeutung für Klima und Natur eindrucksvoll veranschaulicht. Anlässlich des Jubiläums ist auch Dr. Musonda Mumba, die Generalsekretärin der Ramsar Konvention, nach Konstanz gereist.

Feuchtgebietsschutz im Rahmen der internationalen Feuchtgebietskonvention

Bereits in den 1950er Jahren beobachteten insbesondere vogelbegeisterte Menschen die Auswirkungen des Verlusts von Feuchtgebieten. Insbesondere wandernde Vogelarten fanden immer weniger Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiete. Vogelbestände brachen stark ein. Treiber war – und ist bis heute – der Verlust von Feuchtgebieten und ihrer biologischen Vielfalt. Ursache sind Trockenlegung und Landumwandlung, Entnahme von Wasser und anderen natürlichen Ressourcen, Infrastrukturentwicklung und Belastung durch Nähr- und Schadstoffe, sowie zunehmend die Ausbreitung invasiver Arten und die Folgen des Klimawandels. Der Bezug zu Zugvögeln macht internationales Handeln notwendig, da sich Vögel nicht an Staatsgrenzen orientieren. Um dem besorgniserregenden Trend entgegenzuwirken wurde daher 1971 das Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung, in Ramsar (Iran) verabschiedet (Ramsar-Konvention).

Die Ziele der Konvention werden unter anderem durch ein globales Netzwerk von derzeit 2528 Feuchtgebieten internationaler Bedeutung (Ramsar-Gebiete) umgesetzt; dies entspricht einer Fläche von rund 253 Millionen Hektar – oder fast 355 Millionen Fußballfeldern.

In Deutschland spielt insbesondere der Schutz naturnaher Moore und die Wiedervernässung degradierter Moore eine große Rolle beim gemeinsamen Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas. Mit über 90 Prozent degradierten Mooren hat Deutschland eine besondere internationale Verantwortung. Daher fördert die Bundesregierung die Umsetzung der nationalen Moorschutzstrategie über das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) unter anderem durch die Wiederherstellung degradierter Moore als auch ihre nasse Nutzung. Auch die Renaturierung von Auen ist eine Priorität für Deutschland und wird über das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ umgesetzt.

Internationales Engagement Deutschlands zu Feuchtgebieten

Auch international setzt sich Deutschland für die Erhaltung, die Wiederherstellung, die Vernetzung sowie das nachhaltige Management von Feuchtgebieten ein.

So fördert das BMUKN im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) aktuell 37 Projekte in Höhe von insgesamt über 376 Millionen Euro.

Beispielsweise zielt das Vorhaben „East Atlantic Flyway“ darauf ab, negative Auswirkungen des Klimawandels auf kritische Feuchtgebiete in 11 Ländern entlang der westafrikanischen Küste zu reduzieren – einschließlich der Ramsar-Schutzgebiete des Saloum Deltas im Senegal, des Nationalparks Banc d‘Arguin in Mauretanien and des Bijagos-Archipels in Guinea-Bissau. Diese Feuchtgebiete dienen nicht nur Zugvögeln als zentrale Überwinterungs- und Brutstätten, sondern versorgen die Menschen vor Ort auch mit wichtigen Ökosystemleistungen wie Nahrung, Wasser und Schutz vor Extremwetterereignissen.

Weiterführende Informationen

Ramsar-Konvention (BMUKN)

Webseite der Internationalen Klimaschutzinitiative des BMUKN

Schutz von Feuchtgebieten im Kontext der Ramsar-Konvention (BfN)

Link zur E-Broschüre: „Orte voller Leben – Feuchtgebiete internationaler Bedeutung in Deutschland“

Link zum Sonderband „Wetlands in a changing climate – Restoring coasts and floodplans“

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