Seit über zehn Jahren finanziert die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. mit ihrer Forschungsförderung innovative Projekte sowohl in der Grundlagenforschung als auch bei patientenorientierten Forschungsansätzen. Bewerben können sich Forschende in einem jährlichen Ausschreibungszyklus mit Antragsverfahren für eine Laufzeit ihrer Projekte von bis zu 24 Monaten. Die Anträge werden durch ein unabhängiges und internationales Gutachtersystem bewertet.

Dabei wurden seit 2016 über drei Millionen Euro an finanziellen Mitteln zur Verfügung gestellt. Möglich ist das nur durch das Engagement zahlreicher Unterstützer – aus Wissenschaft, Medizin, Industrie und der MS-Community, zum Beispiel im Rahmen der Benefizkampagne The May 50K und privater zweckgebundener Spenden.

Für das Ausschreibungsjahr 2025 wurden nach wissenschaftlicher Begutachtung zwei Projekte für einen Zeitraum von zwölf bzw. 24 Monaten ausgewählt und mit rund 225.000 Euro unterstützt.

Tertiärprävention – Was ist das?

Die primären Symptome der MS verursachen sogenannte sekundäre und tertiäre Komplikationen. Zu diesen gehören u. a. Stürze, Schlafmangel, Müdigkeit, Dekubiti inkl. möglicher Sekundärinfektionen sowie Infekte des Blasen-Nierensystems und der Atmungsorgane. Sie können weitreichende psychosoziale sowie berufliche Auswirkungen haben, erhöhen die Krankheitslast und beeinflussen erheblich die Lebensqualität. Hinzu kommt, dass sie mit zunehmender Behinderung wahrscheinlicher auftreten und sich insgesamt ungünstig auf den Verlauf der MS auswirken können. Der Ansatz der tertiären Prävention hat zum Ziel, die Verschlimmerung der MS zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Insbesondere können präventive Maßnahmen eine Unter- oder Fehlversorgung von Komplikationen entgegenwirken und diese reduzieren. 

Projekt 1: Funktionsstörungen des unteren Harntrakts bei Multipler Sklerose (LUTiMS – Lower Urinary Tract dysfunction in Multiple Sclerosis, Laufzeit 24 Monate)

Viele Menschen mit MS entwickeln im Laufe der Zeit Probleme mit der Blasenfunktion. Sieben von zehn Menschen mit MS leiden unter einer Blasenfunktionsstörung. Obwohl es Behandlungsmöglichkeiten gibt, werden diese oftmals nicht ausreichend genutzt. Das Forschungsteam um Dr. Insa Schiffmann und Professor Dr. Christoph Heesen möchte mit ihrem LUTiMS-Projekt dort ansetzen und eine Internetplattform samt Chatbot entwickeln, die Menschen mit MS mit verständlichen Informationen rund um das Thema Blasenprobleme versorgt.

Ziel ist es, nötige Behandlungen frühzeitig in Anspruch zu nehmen und dadurch Beschwerden zu lindern und insgesamt die Lebensqualität des Erkrankten zu verbessern.
In einer ersten Testphase sollen 50 Menschen mit MSZugang zur Plattform und dem Chatbot bekommen. Dabei wird untersucht, wie hilfreich und verständlich das Angebot ist, ob es Wissen verbessert und inwiefern sich Beschwerden und Lebensqualität verändern.

Projekt 2: Eine randomisiert kontrollierte Studie zur Untersuchung der Auswirkungen von hochintensivem Intervalltraining auf TRP-abgeleitete Metaboliten sowie auf Angst- und Depressionssymptome bei Menschen mit MS (Laufzeit 12 Monate)

Bewegung verbessert nicht nur Fitness, Beweglichkeit und Lebensqualität, sondern kann auch Prozesse im Körper beeinflussen. Zum Beispiel kann sie Entzündungen im Nervensystem verringern, die Reparatur von Nerven fördern und psychische Beschwerden wie Depressionen und Ängste lindern.

Ein möglicher Schlüsselmechanismus dahinter ist der Stoffwechsel der Aminosäure Tryptophan. Dieser ist bei Menschen mit MS verändert und beim Abbau entstehen Stoffwechselprodukte, die Einfluss auf Immunsystem und Gehirn haben. Einige dieser Abbauprodukte können entzündungshemmend wirken oder die Reparatur von Nervenzellen unterstützen. 

Das Team um Univ.-Professor Philipp Zimmer möchte mithilfe der Studie untersuchen, inwiefern sich betreutes hochintensives Intervalltraining bei MmMS über einen Zeitraum von zwölf Wochen hinweg auf diese Stoffwechselprozesse auswirkt. Zusätzlich wird geprüft, ob es Zusammenhänge mit Depressionen und Ängsten gibt und zur besseren Einordnung mit einer gesunden Vergleichsgruppe abgeglichen.

Unterstützung der DMSG-Forschungsförderung

Die DMSG-Forschungsförderung für Einzelprojekte 2025 wurde von zahlreichen privaten Spendern und jeweils zu gleichen Teilen (38.500 Euro) unterstützt von Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, Neuraxpharm® Arzneimittel GmbH, Novartis Pharma GmbH, Roche Pharma AG, Sandoz Pharmaceutical AG und Viatris Healthcare GmbH.

Der DMSG-Bundesverband wünscht beiden Forschungsteams einen erfolgreichen Projektstart. Über Studienergebnisse werden wir im Verlauf immer wieder auf unserer Website und in kommenden Ausgaben der Zeitschrift Aktiv! berichten. 

Redaktion: DMSG-Bundesverband e.V. – 29.06.2026

Über den Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Hintergrund:
Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.

Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 280.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.

MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,9 Mio. Menschen.

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