Konjunktur: Stimmung deutlich eingetrübt
Die wirtschaftliche Lage im regionalen Handwerk bleibt angespannt. Nach einem schwachen Jahresauftakt blieb auch die übliche Frühjahrsbelebung weitgehend aus. Laut der jüngsten Umfrage bewerteten 40 Prozent der Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb die Geschäftslage im zweiten Quartal als gut. 24 Prozent äußerten sich unzufrieden. Zwar liegt der Saldo mit +16 Punkten nach wie vor im positiven Bereich, eine ähnlich schlechte Lagebeurteilung für ein Frühjahrsquartal gab es allerdings zuletzt in der Finanzmarktkrise 2009. Belastend wirken vor allem schwächere Auftrags- und Umsatzentwicklungen, hohe Kosten und zurückhaltende Investitionen. 78 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen, während nur 36 Prozent höhere Verkaufspreise durchsetzen konnten. „Das zeigt, wie stark der Margendruck in vielen Betrieben inzwischen geworden ist“, so Wälde. Von der Bundespolitik erwartet das Handwerk deshalb weiterhin konsequente Entlastungen. Positiv bewertete Wälde, dass der Steuerbonus für Handwerkerleistungen grundsätzlich erhalten bleiben soll.
Ausbildung: Positive Zwischenbilanz zur Jahresmitte
Erfreuliche Zahlen konnte Hauptgeschäftsführerin Christiane Nowottny vom Ausbildungsmarkt berichten. Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren im Kammerbezirk 1.052 neue Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen. Das sind 69 Verträge mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres und entspricht einem Plus von rund 7 Prozent. Auch bei Auszubildenden aus Fluchtländern zeigt sich eine positive Entwicklung. Ihre Zahl stieg von 162 auf 202 Ausbildungsverhältnisse. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 25 Prozent. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei das Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“, das vom Land Baden-Württemberg gefördert wird. Trotz der positiven Zwischenbilanz bleiben viele Chancen offen: In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer waren Ende Juni noch 559 freie Lehrstellen verzeichnet. „Für junge Menschen ist es noch nicht zu spät. Wer jetzt sucht, hat im Handwerk weiterhin sehr gute Möglichkeiten“, betonte die Hauptgeschäftsführerin.
Bildungsstätten und Digitalisierung im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Vollversammlung war die Zukunft der handwerklichen Bildungsstätten. Die Handwerkskammer Reutlingen beteiligt sich an einer landesweiten Strukturanalyse zur Zukunft der überbetrieblichen Bildungszentren in Baden-Württemberg. Ziel ist es, die Bildungsinfrastruktur langfristig bedarfsgerecht, leistungsfähig und förderfähig aufzustellen. „Die überbetriebliche Ausbildung ist ein zentraler Baustein für Qualität und Fachkräftesicherung im Handwerk“, sagte Nowottny. Angesichts veränderter Ausbildungszahlen, neuer Technologien und steigender Investitions-bedarfe brauche es eine belastbare Grundlage für künftige Entscheidungen. Auch die Digitalisierung der Kammerleistungen stand auf der Tagesordnung. Die 53 Handwerkskammern in Deutschland arbeiten gemeinsam am Vorhaben „Ökosystem digitale Handwerkskammer“. Hintergrund sind unter anderem das Onlinezugangsgesetz, die Registermodernisierung und die politische Zielsetzung schnellerer digitaler Gründungsprozesse. Ziel ist es, Verwaltungsleistungen künftig stärker zu standardisieren, medienbruchfreier anzubieten und die Servicequalität für Betriebe weiter zu verbessern.
Jahresabschluss 2025 besser als geplant
Die Vollversammlung befasste sich zudem mit dem Jahresabschluss 2025. Die Handwerkskammer Reutlingen schließt das Jahr mit einem Fehlbetrag von 539.205 Euro ab. Damit fällt das Ergebnis deutlich besser aus als im Wirtschaftsplan vorgesehen. Die ordentlichen Erträge lagen bei 18,27 Millionen Euro, die ordentlichen Aufwendungen bei 18,81 Millionen Euro. Die Bilanzsumme belief sich zum 31. Dezember 2025 auf 31,42 Millionen Euro. „Die bessere Entwicklung sei unter anderem auf höhere Erträge und eine konsequent sparsame Haushaltsführung zurückzuführen. Das Ergebnis zeigt, dass die Handwerkskammer verantwortungsvoll wirtschaftet“, sagte Nowottny. Gleichzeitig bleibe die Finanzlage herausfordernd. In der Wirtschaftsplanung für 2027 wird konsequent nach Sparpotentialen gesucht, um die notwendige Beitragserhöhung für die Betriebe auf einem vertretbaren Niveau zu halten.
Weitere Beschlüsse und Ergänzungswahl zum Vorstand
Das Gremium fasste auch zahlreiche Beschlüsse zur Änderung des Gebührenverzeichnisses, der außerplanmäßigen Beschaffung neuer Messgeräte für Straßenbauer oder zur Besetzung von Prüfungsausschüssen. Außerdem fand eine Ergänzungswahl zum Vorstand der Handwerkskammer Reutlingen statt. Sie wurde notwendig, weil Manfred Haug krankheitsbedingt ausscheidet. Gewählt wurde ein neuer Arbeitnehmervertreter. Marius Foullon, Malermeister bei der Anton Geiselhart GmbH & Co. KG in Pfullingen, folgt nun auf Arbeitnehmerseite in das Gremium nach.
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