Bei der ersten Tour der Veranstaltungsreihe „Heimische Vogelarten vor Ort erleben“ standen die Vogelwelt der Wiesen und die praktische Naturschutzarbeit im Mittelpunkt. Geleitet wurde der Rundgang von Ulla Heckert aus dem Sachgebiet Landschaftspflege beim Vogelsberger Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum. Sie hob dabei die Bedeutung der Landwirtschaft für die Schaffung und den Erhalt der Lebensräume für Wiesenvögel und andere Tier- und Pflanzenarten heraus.

Während der Tour beobachteten die Teilnehmer verschiedene Vogelarten in ihrem natürlichen Lebensraum. Dazu gehörten unter anderem mehrere Braunkehlchen auf ihren Ansitzwarten, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Turmfalken und Rotmilane. Die Beobachtungen vermittelten einen direkten Eindruck von der Vielfalt der Vogelwelt in der Region.

Ulla Heckert erläuterte anschaulich die Lebensweise der Wiesenvögel und stellte Schutzmaßnahmen vor, die zahlreiche Akteure im Vogelschutzgebiet Vogelsberg gemeinsam umsetzen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Braunkehlchen. Der zwölf bis 14 Zentimeter große Wiesenvogel ist ein Langstreckenzieher und verbringt die Wintermonate im südlichen Afrika. In Hessen gilt die Art als vom Aussterben bedroht. Nur wenige Brutgebiete verfügen noch über lebensfähige Populationen. Im Vogelsberg besteht seit Jahren eine stabile Population von rund 30 Brutpaaren. Der Erhalt dieser Bestände hängt wesentlich von geeigneten Lebensräumen und einer angepassten Bewirtschaftung der Wiesen durch die Landwirte ab, so Hecker.

Zu den rund 40 Teilnehmern zählten Landwirte, Ortsbeiräte, Grebenhains Bürgermeister Simon Seibert, Naturschützer sowie Mitarbeiter des Forstamts Schotten und des Fachamtes in der Kreisverwaltung. Auch Franziska Schmidt vom Regierungspräsidium Gießen, eine ausgewiesene Braunkehlchen-Expertin, nahm an der Veranstaltung teil. Sie berichtete aus ihrer langjährigen praktischen Arbeit im Braunkehlchenschutz und ordnete die Erfolge im Vogelsberg fachlich ein.

Bürgermeister Simon Seibert betonte: „Ich bin stolz, dass wir in Grebenhain einen stabilen Bestand dieser seltenen Vogelarten haben. Es zeigt, dass wir gemeinsam mit Landwirten und den Verantwortlichen in den Ämtern vieles richtig machen.“

Sachgebietsleiter Joachim Schönfeld wies auf die Herausforderungen im Wiesenvogelschutz hin: „Wichtig ist, dass alle zusammenarbeiten, um die zum Teil schwierigen Absprachen zu treffen. Mit den Landwirten werden beispielsweise späte Mahdtermine vereinbart, damit die Bruten der Vögel geschützt werden. Die späte Mahd kann jedoch zu Einbußen bei der Futterqualität führen. Nur in Zusammenarbeit mit den Akteuren aus der Landwirtschaft können wir Erfolge im Schutz der Offenlandarten erzielen.“

Während des Rundgangs stellten Bürgermeister Simon Seibert und Martha Kindig vom Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg ein vom Naturschutzgroßprojekt erarbeitetes Schild auf. Das Schild informiert über das Braunkehlchen und bittet die Bevölkerung um Rücksicht auf die Wiesenbrüter.

Johannes Euler, Geschäftsführer des Naturschutzgroßprojekts, berichtete über den Ankauf von Flächen in Wiesenbrütergebieten. Außerdem stellte er weitere Maßnahmen vor. Dazu zählen der Bau von Weidezäunen, die Anlage von Altgrasstreifen und die Entbuschung geeigneter Flächen.

Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung der Bioakustik-Stationen der Vogelschutzwarte. Ulla Heckert erläuterte, wie die Technik dabei hilft, heimische Vögel zu erfassen und ihre Entwicklung zu beobachten. An einer Station in der Lüderaue wurden besonders häufig die Zielarten Wiesenpieper und Braunkehlchen registriert. Außerdem erfasste die Station fast durchgängig Rohrammer, Feldlerche und Eisvogel. Mehrere Monate lang wurde auch die Bekassine nachgewiesen. Die Ergebnisse müssen noch verifiziert werden. Sie weisen jedoch bereits auf die hohe Bedeutung des Vogelschutzgebiets Vogelsberg hin. Die Bioakustik eröffnet neue Möglichkeiten für ein kontinuierliches Biodiversitätsmonitoring und hilft dabei, große Vogelschutzgebiete wie das im Vogelsberg zu beurteilen. Zugleich bleiben die Beobachtungen und das Engagement der örtlichen Vogelschützer, Naturschutzverbände und Vereine eine wichtige Grundlage für den Schutz der Vogelwelt, betonte Ulla Heckert.

Trotz wechselhaften Wetters zeigte sich die Gruppe mit dem Verlauf der Tour zufrieden. Viele Teilnehmer äußerten sich interessiert und begeistert von den fachlichen Informationen und den Beobachtungen vor Ort. Zum Abschluss fand in der Feierscheune der Vereinsgemeinschaft Bermuthshain ein reger Austausch statt.

Die Veranstaltungsreihe „Heimische Vogelarten vor Ort erleben“ wird vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum fortgesetzt.

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