Rund 300 Schülerinnen und Schüler aus acht Klassen von Schulen der Region erlebten am Freitag bei „Handwerk im Rampenlicht“ Berufsorientierung zum Anfassen, Mitmachen, Entdecken und Ausprobieren. Der Aktionstag in der Bildungsakademie der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald war ein voller Erfolg. „Dank unserer Werkstätten gelingt es, Handwerksthemen transparent und lebendig zu vermitteln“, sagte Präsident Klaus Hofmann. Besonderheit beim diesjährigen Event: Bei manchen Berufen fand die „überbetriebliche Ausbildung“, also tatsächlich Unterricht statt, sodass die Besucherinnen und Besucher einen echten Blick über die Schulter werfen konnten und Liveanschauung erhielten. Neben den Schulklassen nutzen auch Einzelpersonen den Tag der offenen Tür. „Handwerk im Rampenlicht“ stand allen offen, die sich für die Ausbildung im Handwerk interessierten, Berufe selbst ausprobieren und hinter die Kulissen der Bildungsakademie schauen wollten.

Zutritt zu den Werkstätten

Die Kombination aus Information und Eigeninitiative brachte Berufsorientierung auf den Punkt. „Eigentlich werden Fliesen ja nicht geschnitten, sondern gebrochen“, erfuhr eine Schülergruppe vom Ausbilder in der Fliesenleger-Werkstatt, auch wenn das entsprechende Gerät als „Fliesenschneider“ bezeichnet wird. Dass am Ende mehr zu Bruch gehen kann, als die Bruchkante vorzeichnet, war dennoch eine Erfahrung, die das Ausprobieren beim einen oder anderen mit sich brachte. In geführten Rundgängen steuerten die zu kleinen Gruppen eingeteilten Schulklassen jeweils drei Werkstätten an. Wer mehr sehen wollte, konnte im Anschluss daran auf eigene Faust die in der Bildungsstätte der Handwerkskammer geschulten Berufe erkunden. Und davon gab es jede Menge: Zwölf Werkstätten erlaubten freien Zutritt, wobei die Zusammenarbeit mit Innungen und Betrieben besonders wirkungsvolle Einblicke ermöglichte.

Aufs Dach und in den Bagger

Doch nicht nur drinnen, auch auf dem Gelände der Bildungsakademie warteten Entdeckungen: beispielsweise die Dachdecker und ihr Dachmobil, das virtuelle Erkundungen ermöglichte, oder die Steinmetze, die vom Vormodellieren eines Modells bis zum Herausarbeiten einer Schrift aus Stein die Vielfalt ihres Berufs zeigten. Auch Firmen waren am Start – sogar mit Bagger direkt vor dem Eingang, der nicht nur in all seiner Größe und Pracht bestaunt, sondern tatsächlich betätigt werden konnte. Hütchen stapeln mit dem Zweischalengreifer, so die Aufgabe – gar nicht so leicht. Perfekter Nebeneffekt der Kooperation mit Betrieben: Wer wollte, konnte so direkten Kontakt zu einem möglichen Ausbildungsbetrieb knüpfen.

Staunen für Kunst und Können

Beim Rundgang durch die Bildungsakademie folgte ein Highlight aufs andere. Reifen-Wechsel-Challenge in der Kfz-Werkstätte beispielsweise. Virtuelles Schweißen. Baumkuchen verzieren. „Eine Idee, was so ein Kunstwerk kostet?“, lautete die Begleitfrage des Bäcker- und Konditormeisters in der Backstube. Über die Auflösung von 300,- Euro staunten die jungen Leute nicht schlecht. Derweil staunten die Ausbilder in der Stuckateur-Werkstatt ihrerseits über die Leistung der Schulgruppe. „Richtig gut geworden!“, so das Urteil über einen detailreichen Stuckguss, den die erste Gruppe des Tages angefertigt hatte. Ob Rohrteile zusammenfügen in der Werkstatt von Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik oder Schaltkreise verstehen bei den Elektronikern, ob Maurer und Tischler bei ihren Handwerken beobachten oder kreative Sprühversuche bei den Autolackierern auf Papier umsetzen, ob Handwerk digital in der CNC-Werkstatt begutachten oder die Möglichkeiten bei Metallbauern und Feinwerkmechanikern erfahren – die Vielfalt des Handwerks bot vielen Interessen und Talenten Raum.

Kreativität braucht Technik

An den Übungsköpfen bei den Friseuren wurde schnell klar, dass es für Kreatives erst mal die richtige Technik im Umgang mit Schere, Kamm und Co. braucht, während in der Maler-Werkstatt Technik und Kreativität auf andere Weise ins Gespräch kamen. „Muss man als Maler malen können?“, so die Frage. Wohl schon, wenn Malen den Anstrich meint, weniger aber in Bezug auf kunstvolles Zeichen. „Ich kann überhaupt nicht malen“, beruhigte deshalb der Ausbildungsmeister, ehe er einer Schülerin den Pinsel in die Hand drückte, mit der Aufgabe, frei Hand eine gerade Linie zu ziehen. Das wiederum lässt sich mithilfe eines Malerlineals und der richtigen Technik ganz wunderbar bewerkstelligen. Ein bisschen Übung braucht es aber schon dafür. Chemie und Physik auch, wenn man den Malermeister anstrebt. Wer hätte das gedacht.

Handwerk – Das isses!

So brachte „Handwerk im Rampenlicht“ eine Menge Informationen, verpackt in Spiel, Spaß und Erlebnis. Die Veranstaltung ist Teil der Nachwuchskampagne „Handwerk – Das isses!“ der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, die mit vielfältigen Aktionen und Maßnahmen das komplette Jahr überspannt.

Unterstützung rund um alle Themen der Ausbildung im Handwerk erhalten Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer, Ausbildungsbetriebe und Azubis bei der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberatung der Handwerkskammer, E-Mail: ausbildungsberatung@hwk-mannheim.de.

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