Im Mittelpunkt der Gespräche stand die zukünftige regulatorische Ausgestaltung des Umgangs mit PFAS in Europa. Dabei wurde erneut deutlich, dass die Debatte um PFAS zunehmend zu einer der zentralen industriepolitischen Fragestellungen der kommenden Jahre wird. Insbesondere für die europäische Oberflächentechnik, die in zahlreichen industriellen Schlüsselwertschöpfungsketten unverzichtbar ist, hätte ein pauschales PFAS-Verbot weitreichende Folgen.
Innovation statt pauschaler Verbote
Die Diskussionen in Sevilla zeigten sehr deutlich, dass bereits heute eine Vielzahl innovativer technischer Lösungen existiert, um PFAS gezielt zu identifizieren, Emissionen zu reduzieren und Stoffe kontrolliert zu zerstören. Unternehmen und Technologieanbieter aus verschiedenen Ländern präsentierten konkrete Verfahren und technische Ansätze, die einen verantwortungsvollen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähigen Umgang mit PFAS ermöglichen können.
Dabei wurde insbesondere sichtbar, dass Industrie und Forschung intensiv an Lösungen arbeiten, um Umweltbelastungen zu minimieren und gleichzeitig essenzielle industrielle Anwendungen weiterhin zu ermöglichen. Zahlreiche der vorgestellten Technologien befinden sich bereits im praktischen Einsatz oder stehen kurz vor der industriellen Skalierung.
Aus Sicht des ZVO unterstreicht dies, dass eine differenzierte Regulierung möglich ist und pauschale Verbotsansätze weder alternativlos noch sachgerecht sind.
NGOs fordern weiterhin weitreichende Verbote
Demgegenüber vertraten verschiedene NGO-Vertreter weiterhin die Position eines nahezu vollständigen PFAS-Verbots. Konkrete technische oder wirtschaftlich tragfähige Alternativlösungen für viele industrielle Anwendungen wurden dabei jedoch kaum aufgezeigt.
Gerade für die industrielle Oberflächentechnik ist dies problematisch. PFAS kommen in zahlreichen Prozessen zum Einsatz, bei denen derzeit keine gleichwertigen Alternativen verfügbar sind. Dies betrifft insbesondere Anwendungen mit hohen technischen Anforderungen, bei denen chemische Stabilität, Temperaturbeständigkeit oder spezielle Oberflächeneigenschaften zwingend erforderlich sind.
Ein regulatorischer Ansatz, der diese Realitäten ausblendet, birgt erhebliche Risiken für industrielle Wertschöpfung und technologische Souveränität in Europa.
Massive wirtschaftliche Folgen eines PFAS-Totalverbots
In den Gesprächen wurde deutlich, dass ein nahezu pauschales PFAS-Verbot erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen hätte. Betroffen wären insbesondere mittelständisch geprägte Industrien, die auf funktionierende und international wettbewerbsfähige Produktionsprozesse angewiesen sind.
Aus Sicht des ZVO drohen unter anderem:
- Produktionsverlagerungen ins außereuropäische Ausland
- Verlust industrieller Wertschöpfung in Europa
- Gefährdung von Arbeitsplätzen im industriellen Mittelstand
- Schwächung europäischer Schlüsseltechnologien
- steigende Kosten für Industrie und Verbraucher
- neue strategische Abhängigkeiten von Drittstaaten
Zudem würde ein Verbot in vielen Fällen nicht zu einer tatsächlichen globalen Reduktion von PFAS führen, sondern vielmehr zu einer Verlagerung der Produktion in Regionen mit deutlich geringeren Umwelt- und Sicherheitsstandards. Damit wären weder dem Umwelt- noch dem Verbraucherschutz nachhaltig geholfen.
Differenzierte Regulierung statt ideologischer Symbolpolitik
Die Gespräche in Sevilla haben aus Sicht des ZVO deutlich gemacht, dass Europa eine differenzierte, wissenschaftsbasierte und wirtschaftsnahe PFAS-Regulierung benötigt. Ziel muss es sein, Emissionen dort zu reduzieren, wo dies technisch sinnvoll, effizient und verhältnismäßig möglich ist.
Ein pauschaler Verbotsansatz wird der Komplexität industrieller Anwendungen nicht gerecht und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriestandorts. Stattdessen braucht es technologieoffene Regulierung, realistische Übergangsfristen sowie eine stärkere Berücksichtigung industrieller Realitäten innerhalb des europäischen Chemikalienrechts.
Gerade die Oberflächentechnik zeigt seit Jahren, dass Innovation, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander vereinbar sind — wenn Regulierung praxisnah ausgestaltet wird.
ZVO und CETS setzen Dialog auf europäischer Ebene fort
Der ZVO und der CETS werden sich daher auch weiterhin aktiv in die europäische PFAS-Debatte einbringen und für differenzierte Lösungen werben. Ziel bleibt eine Regulierung, die Umwelt- und Gesundheitsschutz ernst nimmt, gleichzeitig aber industrielle Innovation, Mittelstand und europäische Wertschöpfung nicht gefährdet.
Die Gespräche in Sevilla haben gezeigt, dass die Industrie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und konstruktiv an Lösungen mitzuwirken. Nun liegt es an den europäischen Institutionen, einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, der sowohl Umweltziele als auch wirtschaftliche Realität berücksichtigt.
Denn fest steht:
Europa braucht wirksamen Umwelt- und Gesundheitsschutz – aber ebenso eine starke industrielle Basis, technologischen Fortschritt und wettbewerbsfähige Unternehmen.
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