Wenn alles glattgeht, wird Calvin Klewer Anfang September seinen Gesellenbrief in der Tasche haben. Den Prüfungen kann er gelassen entgegensehen: die Noten in Theorie und Praxis passen, den letzten überbetrieblichen Lehrgang hat er mit einer Zwei abgeschlossen, und die Übernahme im Betrieb ist auch schon geklärt. „Ich blicke positiv in die Zukunft“, sagt Klewer.
Das war nicht immer so. Im Herbst vergangenen Jahres stand die Lehre tatsächlich auf der Kippe. In seinem damaligen Ausbildungsbetrieb kam Klewer immer weniger zurecht. Die Lehre wurde nach und nach zur Belastung und Klewer häufiger krank. Schließlich stand er vor der Frage: Will ich das weitermachen?
Dass es nicht zum Abbruch gekommen ist, verdankt Klewer einem Zufall und seiner Mutter. Die nutzte ein Telefonat mit dem Malerbetrieb Martini zu einem geplanten Auftrag und sprach das Thema an. Man vereinbarte ein Gespräch und kam schnell zusammen. Im vergangenen Oktober wechselte Klewer seinen Ausbildungsbetrieb.
Beide Seiten profitieren davon, der Betrieb hat einen motivierten Auszubildenden gewonnen, Klewer kann seine Lehre ohne Zeitverlust erfolgreich abschließen. „Das war eine Premiere für uns“, sagt Tanja Martini, die den Betrieb zusammen mit ihrem Ehemann Axel führt. Größere Bedenken habe es allerdings nicht gegeben, und zwar aus zwei Gründen. „Einmal hat Calvin uns überzeugt. Dann finde es ich wichtig, das Ganze im Blick zu behalten und bereit zu sein, neue Wege zu gehen.“ Der Erfolg gibt ihr recht. Calvins Neustart in einem anderen Umfeld ist gelungen, was nach Martinis Einschätzung auch mit der Betriebsgröße zu tun hat. „In einem Familienbetrieb sind die Wege kürzer. Wir legen Wert auf den persönlichen Austausch und ein gutes Miteinander im Team.“
Im dritten Lehrjahr übernimmt Klewer alle Aufgaben, die im Betrieb anfallen. Dabei haben es ihm die klassischen Maler- und Lackierarbeiten besonders angetan. „Das macht mir sehr viel Spaß“, verrät Klewer, der sich dank seines Vaters, selbst gelernter Maler und Lackierer, schon früh ein Bild vom Beruf machten konnte. Für Abwechslung sei ohnehin gesorgt. „Man macht nicht jeden Tag dasselbe, hat ganz unterschiedliche Aufgaben, und man sieht ein Ergebnis. Das gefällt mir.“ Eine Tätigkeit, um die er am liebsten einen Bogen machen würde, gibt es trotzdem. Für Klewer ist es ausgerechnet eine Arbeit, die im Schwarzwald häufiger beauftragt werden dürfte: das Schleifen von Holzschindeln.
Klewer hat die schwierige Phase in den ersten beiden Ausbildungsjahren gemeistert und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Nach der Prüfung muss er sich nicht auf Jobsuche begeben, seine Gesellenstelle hat er sicher. „Ich fühle mich wohl im Betrieb und freue mich darauf, was kommt“, sagt Klewer, der in seiner Freizeit am liebsten in der Natur unterwegs ist und sich in gleich zwei Angelsportvereinen für den Naturschutz engagiert.
Axel Martini, Malermeister, und Tanja Martini, Raumgestalterin und Wohnberaterin, führen das 1909 gegründete Familienunternehmen in der vierten Generation. Mit Sohn Mika, der zurzeit eine kombinierte Weiterbildung zum Betriebsmanager inklusive Meisterabschluss absolviert, steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern. Der Betrieb beschäftigt zurzeit sieben Mitarbeiter, davon zwei Auszubildende. Die Ausbildung hat einen hohen Stellenwert im Unternehmen. Um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, besucht Tanja Martini als Senior-Ausbildungsbotschafterin regelmäßig Schulen. „Wir müssen mehr tun als früher“, sagt Martini. Dazu zählt auch die Präsenz auf den Ausbildungsmessen in der Region. Ein Aufwand, der sich offenbar auszahlt. „Unseren zweiten Auszubildenden haben wir auf diesem Weg kennengelernt.“ Die Lehrstelle für das Jahr 2026 sei allerdings noch zu vergeben.
Maler Martini
Tumlinger Schellenbergstr. 4
72178 Waldachtal-Tumlingen
www.maler-martini.de
Zur Auszeichnung „Lehrling des Monats“
Die Auszeichnung wird seit Dezember 2014 vergeben. Vorgeschlagen wer-den können solche Auszubildende, die sich durch besonders gute Leistungen im Betrieb, in der Berufsschule und auch in der überbetrieblichen Ausbildung sowie ganz allgemein durch Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung, Teamfähigkeit und Belastbarkeit auszeichnen. Mit der Auszeichnung zum „Lehrling des Monats“ soll der Vorbildcharakter von jungen Erwachsenen hervorgehoben werden. Sie dient als Ansporn für andere, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Besonders gewürdigt werden kann darüber hinaus beispielsweise auch ein über die Ausbildung hinaus-gehendes ehrenamtliches Engagement. Kurzum: Gesucht werden junge Persönlichkeiten, die in besonderer Weise geeignet sind, Vorbild für andere Lehrlinge und „Werbeträger“ für eine handwerkliche Ausbildung zu sein. Im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen werden von den 14.000 Handwerksbetrieben zurzeit über 4.400 Lehrlinge ausgebildet.
Handwerkskammer Reutlingen
Hindenburgstr. 58
72762 Reutlingen
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http://www.hwk-reutlingen.de
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