Die Anforderung liegt woanders, als viele vermuten
Bemerkenswert ist die Zusammensetzung des Bedarfs. Der OECD zufolge benötigen weniger als ein Prozent der Beschäftigten fortgeschrittene KI-Kompetenzen wie Programmierung oder Modellentwicklung.
Die große Mehrheit braucht etwas anderes: digitale Grundfertigkeiten sowie die Fähigkeit, Daten zu nutzen, zu analysieren und zu deuten. Daneben bleiben Führungsfähigkeiten und menschliche Stärken wie Problemlösung, Kreativität und Erneuerung wichtig — genau die Bereiche, in denen Forschung zu Wissensmanagementsystemen seit Jahren ansetzt.
Was der Policy Brief ausweist
Der Policy Brief nennt im Einzelnen:
- Rund 40 Prozent der Arbeitgeber in Industrie und Finanzwesen nennen die Qualifikation als Haupthürde.
- Bei kleinen und mittleren Unternehmen ohne generative Verfahren ist es mehr als die Hälfte.
- Weniger als ein Prozent der Beschäftigten braucht fortgeschrittene KI-Kompetenzen.
- Über die Hälfte der Arbeitgeber in beiden Branchen meldet einen gestiegenen Bedarf an hoch qualifizierten Beschäftigten.
- Mehr als die Hälfte der Beschäftigten, die Künstliche Intelligenz nutzen, erhält vom Arbeitgeber finanzierte Weiterbildung.
„Wer die Einführung an der Technik festmacht, sucht am falschen Ort. Die Bremse sitzt bei den Kompetenzen, und die lassen sich anders als Rechenleistung nicht einkaufen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Weiterbildung wirkt messbar zurück
Ein Befund des Berichts betrifft den Nutzen von Schulungen. Beschäftigte, die eine Weiterbildung erhalten haben, berichten laut OECD häufiger von positiven Ergebnissen — von besserer Arbeitsleistung bis zu verbesserten Arbeitsbedingungen.
Der Ertrag hängt damit weniger am Werkzeug als an der Einführung. Zwei Organisationen mit derselben Software erzielen unterschiedliche Ergebnisse, wenn nur eine von beiden erklärt hat, wofür sie taugt.
Die Anschlussfrage ist eine Bildungsfrage
Wenn nicht Spezialwissen, sondern breite Datenkompetenz gefragt ist, verschiebt sich die Verantwortung. Sie liegt dann nicht mehr allein bei einzelnen Fachabteilungen, sondern bei allen, die Ausbildung gestalten.
Genau darauf zielt die Debatte über Wissensmanagement in der Hochschulbildung, die dieselbe Frage eine Stufe früher stellt.
Woran sich die kommenden Jahre messen lassen
Die OECD empfiehlt, den Kompetenzbedarf laufend zu beobachten und den Zugang besonders für kleine Unternehmen und gefährdete Beschäftigtengruppen auszubauen. Ob das gelingt, zeigt sich an einer einzigen Zahl.
Sinkt der Anteil der Arbeitgeber, die fehlende Kompetenzen als Haupthürde nennen, hat die Weiterbildung gewirkt. Bleibt er bei 40 Prozent, war es eine Debatte über Technik.
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