Diese Frage betreffe auch Friedensau mit seiner Hochschule gibt Bochmann zu bedenken. Die Hochschule, die Menschen für pastorale Dienste, Soziale Arbeit, Entwicklungshilfe, Musiktherapie und Beratung ausbildet, liegt in Sachsen-Anhalt. Bildung ist Ländersache. Das heißt, Entscheidungen der Regierenden in Magdeburg haben unmittelbare Auswirkungen auf die Hochschule und würden nicht etwa auf Bundesebene gesteuert.
Ausländische Studierende
Hier hätten Hochschulbetreiber Sorgen. Allein die Forderung nach einer Rückkehr zu Diplom- und Magisterstudiengängen, würde Sachsen-Anhalt (nicht nur) für internationale Studierende wegen mangelnder Vergleichbarkeit und Anerkennung unattraktiv machen. Nicht ohne Grund sei Friedensau die erste Hochschule im Bundesland gewesen, die auf die international üblichen Bachelor- und Masterabschlüsse umgestiegen ist. Allerdings hätten die 70 Prozent ausländischer Studierenden in Friedensau angesichts der bestehenden, womöglich bald landespolitisch geförderten Ausländerfeindlichkeit auch noch ganz andere Probleme.
Ausländische Pflegekräfte
Der Ort Friedensau hat auch ein Seniorenheim. Die Menschen würden dort überwiegend von ausländischen Pflegekräften versorgt. In Sachsen-Anhalt gebe es außerdem über 2.000 ausländische Ärzte. Sie und die Pflegekräfte könnten problemlos an anderen Orten Arbeit finden. Die Bedürftigen, Senioren und Menschen mit Einschränkungen hätten dagegen weniger Optionen. Sie würden die Leidtragenden sein. „Und das geht mich als Christ etwas an“, betont Andreas Bochmann.
So sei er dankbar, dass Friedensau in verschiedenen Veranstaltungen für diese Themen sensibilisiert habe – nicht als Wahlkampfhilfe oder Empfehlung für irgendeine Partei, sondern im Sinne der Information und Aufklärung, was ein ureigenes Anliegen von Hochschulen sei. Dabei gehe es auch um den Dialog mit jenen Menschen, die sich von der Politik missachtet fühlten und enttäuscht seien. „Haben wir als Adventisten nicht Erfahrung mit Enttäuschung“, habe ein Referent gefragt und „Könnten wir nicht zu Hoffnungsträgern werden?“
Hoffnungsträger
Wir müssen uns nicht am Schlechtreden der Verhältnisse beteiligen, so Professor Bochmann. Wir leben in einem freien und demokratischen Land, und trotz aller beängstigender Entwicklungen gehe es uns als Volk gut. Misstrauen und Missgunst böten keine Lösungen, auch wenn gesunde Skepsis und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn durchaus berechtigt seien. Populistische Parolen und einfache Antworten reichten nicht aus. Die Kirche sei eine der wenigen Institutionen, in der sich Menschen ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtung begegnen könnten. Jesus sagte einmal: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannesevangelium 13,35) Im Umgang mit unseren Unterschieden – auch in politischen Meinungen – könnten Christen ein lebendiges Zeugnis sein. Darin liegt für Bochmann auch eine Chance.
Andreas Bochmann versah seine Kolumne mit der Überschrift „Suchet der Stadt Bestes …“. Ein Bibeltext aus Jeremia 29,4. Der Text geht weiter: „ … und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“ Politisches Engagement (Suchet der Stadt Bestes) und geistliches Ringen („und betet für sie“) gehörten zusammen, auch im Blick auf Wahlen, nicht nur in Sachsen-Anhalt.
Aufruf zu Solidarität mit der Hochschule Friedensau auf jesus.de
In dem Beitrag „Sachsen-Anhalt ist (nicht) weit weg!“ auf der überkonfessionellen, christlichen Website jesus.de wird zu Solidarität u.a. mit Friedensau aufgerufen. Martin Gundlach, Redaktionsleiter des SCM Bundes-Verlags (Witten), schreibt darin, dass er einer Distanzierung zum Osten widerspreche. „Wir gehören zusammen!“, so Gundlach. Gleichzeitig ruft er zur Solidarität mit den verunsicherten Menschen, den Pastorinnen und Pastoren und der Theologischen Hochschule Friedensau auf. Unter Bezugnahme auf die Kolumne von Andreas Bochmann in der Septemberausgabe von Adventisten heute erwähnt er den drohenden Verlust der internationalen Anerkennung von Friedensauer Studienabschlüssen bei einem Wegfall von Bachelor- und Masterabschlüssen. „Christinnen und Christen vor Ort geben ihr Bestes, in Magdeburg, in Dessau und in vielen anderen Städten und Dörfern im Bundesland. Auch andere Bürgerinnen und Bürger treten ein für die demokratische Zukunft von Sachsen-Anhalt — eine wunderschöne Gegend mit vielen großartigen Menschen“, so Martin Gundlach. Sein Beitrag ist im Internet unter www.jesus.de/nachrichten-themen/nachrichten-gesellschaft/sachsen-anhalt-ist-nicht-weit-weg/ zu finden.
Hinweis: Die Septemberausgabe der Kirchenzeitschrift Adventisten heute, die im Advent-Verlag (Lüneburg) erscheint, ist unter folgender Website als Ansichts-pdf verfügbar: https://advent-verlag.de/zeitschriften/chancen-und-risiken-kuenstlicher-intelligenz-aheu-9-26/
Über Friedensau
Der Hochschulort Friedensau, 35 Kilometer östlich von Magdeburg gelegen, gehört zur Stadt Möckern. Der 1899 gegründete Ort feierte 2024 sein 125-jähriges Jubiläum. Hier befindet sich neben einem Seniorenheim und dem Pfadfinder-Zeltplatz die 1990 staatlich anerkannte Theologische Hochschule Friedensau, eine Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. In den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie können zehn B.A.- und M.A.-Studiengänge – zum Teil berufsbegleitend oder online – belegt werden. Rund 40 Nationen sind unter den Studierenden und Lehrenden vertreten: www.thh-friedensau.de.
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