Die Autohersteller mit ihren Händlernetzen müssen aufpassen, dass ihnen Online-Autobörsen nicht nur die Gebrauchtwagenkunden wegschnappen, sondern auch die Akquise von Neuwagenkunden übernehmen. „Im Gebrauchtwagengeschäft hat der traditionelle Handel bereits heute die Kundenschnittstelle verloren“, warnt Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). „Kein Händler kann es sich mehr leisten, seine Gebrauchtwagen nicht bei einer der großen Autobörsen anzubieten.“ Diese Entwicklung prophezeit Diez auch den Neuwagenverkäufern.

Portale wie Mobile.de und Autoscout24.de sind längst führend, wenn Privatkunden einen Gebrauchten suchen. Auch Händler kommen nicht mehr drum herum, ihre Gebrauchten in den Online-Börsen zu präsentieren. Allerdings wollen die Hersteller dieses Geschäft zurückgewinnen. So hat VW das Gebrauchtwagenportal HeyCar aufgebaut. „Wir wollen mit HeyCar den Platzhirschen nicht nur Marktanteile abnehmen. Wir haben zudem den Anspruch, uns perspektivisch als Plattform Nummer eins für höherwertige Gebrauchtwagen in Deutschland zu positionieren“, so Christian Dahlheim, Vertriebsvorstand von Volkswagen Financial Services, gegenüber AUTOStraßenverkehr. Das Besondere am VW-Portal: Es ist auch für Händler anderer Automarken offen.

Längst gibt es Portale wie meinauto.de, die auch die Konfiguration von Neuwagen anbieten und dann den Kontakt zu Händlern vermitteln. Sie sind mittlerweile erfolgreich. Allerdings war hier der Widerstand der Hersteller deutlich größer als bei den Gebrauchten. „Wir mussten uns als Pionier für den Internet-Autokauf unseren Markt erst selber bereiten“, beschreibt Alexander Bugge, Gründer und Geschäftsführer von meinauto.de. „Als neuer disruptiver Player konnten wir dabei nicht auf viel Unterstützung aus der Autobranche zurückgreifen. Das sieht heute anders aus.“ Die Autohäuser haben Gefallen an den Neuwagenportalen gefunden und füttern sie mit ihren Angeboten. Der Druck auf die Hersteller wächst, eigene Lösungen zu entwickeln.

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