Der „industrielle Hunger“ auf fossile Energieträger hat über Jahrzehnte im Bundesgebiet eigene Landschaften geschaffen. Vormalige Naturräume sind zu reinen Energielieferanten degradiert worden. Diesen veränderten Naturlandschaften werden nun neue, postfossile Transformationslandschaften folgen. Drängende Entwicklungen wie die Energie- und Mobilitätswende führen zwangsläufig zu einer erneuten Umformung. Die anstehenden Aufgaben sind Chance und Auftrag zugleich, lebenswerte Räume für Menschen zu entwickeln. 

Rolle der Landschaftsarchitektur bei der anstehenden Transformation
Der Beirat des Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen würdigte auf seiner Jahrestagung am 1. April 2022 auf Schloss Dyck, Jüchen im Rhein-Kreis-Neuss, die Vorreiterrolle des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Klimaanpassung durch das am 8. Juli 2021 verabschiedete erste Klimaanpassungsgesetz in Deutschland. Er unterstützt die dazugehörige 15-Punkte-Offensive der Landesregierung mit den darin formulierten Zielen für eine inklusive Raumnutzung. Dieses Maßnahmenpaket zeigt überdeutlich die Rolle der Landschaftsarchitektur bei der anstehenden Transformation; es stellt die Bedeutung einer umfassenden klimaorientierten Planung und Entwicklung, sowie den Schutz und Ausbau grüner Infrastrukturen zurecht heraus.

Ausgehend von der Kommunal- und Landesebene sind folgende Maßnahmen bundes-/landesweit zu verstetigen:
– übergeordnete interdisziplinäre Visionen von neuen Stadt- und Kulturlandschaften entwickeln,
– historische und bestehende Landschaftsbilder als Qualitätsmerkmal verstärkt in die Planung einbeziehen,
– aktuelle Herausforderungen wie Klimaanpassung, Energiewende und neue Mobilität konsequent berücksichtigen,
– Entwicklungs- und Nutzungsszenarien organisatorisch, strukturell und inhaltlich den Transformationserfordernissen anpassen und dadurch einen Paradigmenwechsel einleiten,
– gesetzliche Grundlagen den systemischen Erfordernissen anpassen,
– von exemplarischen Transformationsräumen und -bespielen lernen.

Um diesen Aufgaben zukunftsgewandt gerecht zu werden, braucht es eine Ausbildungsoffensive KlimaLandschaft – auch und gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die aktuellen Ausbildungskapazitäten reichen bereits jetzt nicht aus, um die anstehenden Aufgaben der Landschaftsarchitektur vollumfänglich zu bearbeiten, geschweige denn den klimaresilienten Umbau von Stadt und Land auf allen Ebenen zu planen und zu realisieren. Wir benötigen eine bundesweite universitäre Ausbildungsoffensive, auch um die erforderlichen wissenschaftlichen Forschungen betreiben zu können. 

Exemplarische Landschaftsentwicklung im Rheinischen Revier
Die landschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche des Rheinischen Reviers bieten ein besonderes Potential, die Zukunftsaufgaben Klimaanpassung, Mobilitätswende sowie neue Formen des Zusammenlebens gebündelt umzusetzen. Dabei sind sich Landschaftsarchitekt:innen der Komplexität und Verantwortung für die Entwicklung qualitätsvoller Landschaftsbilder in ihrer täglichen Praxis bewusst. Der bdla begrüßt die offizielle Einberufung eines Beirats Klimaanpassung Nordrhein-Westfalen im November 2021 und die Aufnahme der Architektenkammer von NRW in den Beirat.

Das Rheinische Revier als leistungsstarke Industrie- und Wissenschaftsregion steht beispielhaft als Reallabor einer intensiv genutzten Landschaft, dessen Transformation gerade erst begonnen hat. Hierbei sind auch regionale klimatische Extremsituationen wie Hochwasser oder Trockenstress bei der Planung und Entwicklung zu berücksichtigen. Die von der Region Köln/Bonn e.V. 2019 erarbeitete Praxishilfe „Klimawandelvorsorgestrategie für die Region Köln/Bonn“ wird seitens des bdla als beispielhaft und vorbildlich auch für weitere Regionen in Deutschland angesehen.

Der bdla spricht sich für eine konsensbildende Planung der drei Tagebaufolgelandschaften Garzweiler, Hambach und Inden aus. Innovative Prozesse anzustoßen, erwies sich zurückliegend das Instrumentarium der Gartenschau als besonders geeignet. Von diesen Erfahrungswerten ausgehend, unterstützt der Verband die Überlegungen, die Durchführung einer Internationalen oder Bundesgartenschau zu prüfen. Damit würden der Entwicklung der Zukunftslandschaften mit all ihren komplexen Anforderungen wertvolle Impulse verliehen. Diese Jahrhundertaufgabe sollte auf einem breiten politischen Konsens auf Landesebene gegründet sein.

Die Profession der deutschen Landschaftsarchitekt:innen begreift sich bei der Realisierung epochale Transformationsaufgaben als wichtiger Impulsgeber und Ansprechpartner gegenüber Politik und Gesellschaft, wird weiterhin konstruktive Beiträge beisteuern und weitere verantwortungsvolle Positionen und Aufgaben auf Länderebene ein- bzw. übernehmen.

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