Angesichts von Energiekrise und Rezessionsgefahr hat sich die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft weiter verschlechtert. Das zeigt das aktuelle NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima, das im Oktober den fünften Monat in Folge gesunken ist. Die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen nähern sich ihrem historischen Allzeittief.

Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist im Oktober um 1,7 Saldenpunkte auf -17,1 Punkte gesunken. Es war bereits der fünfte Rückgang in Folge. Die Unternehmen beurteilten im Oktober sowohl die gegenwärtigen Geschäfte als auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate schlechter als im Vormonat. Damit nähern sich die Geschäftserwartungen mit einem aktuellen Stand von -40,9 Saldenpunkten dem coronabedingten Allzeittief vom April 2020 (-48,2 Punkte).

„Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen steht vor Herausforderungen. Wie schwer der Winter für die Unternehmen tatsächlich wird, hängt insbesondere von der weiteren Entwicklung der Energiekosten ab“, sagt Eckhard Forst, Vorsitzender des Vorstands der NRW.BANK. „Hoffnung macht, dass die Preise für Gas und Strom zuletzt gesunken sind. Ein positives Signal ist zudem, dass sich der Materialmangel in der Industrie entspannt hat.“

Industrie: Weniger Lieferprobleme
Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima erneut stark eingetrübt. Die Unternehmen waren merklich unzufriedener mit den laufenden Geschäften. Auch der Pessimismus mit Blick auf das nächste Halbjahr nahm nochmals zu. Die Auftragsbücher sind zwar weiterhin voll, jedoch kommen immer weniger Neuaufträge hinzu. Die Auslastung der Kapazitäten sank leicht von 83,8% auf 83,5%. Sie entspricht damit genau dem langfristigen Durchschnitt. Die Stimmung hat sich in nahezu allen Industriebranchen eingetrübt. Nur in der chemischen Industrie gab es ein solides Plus, wobei dies eher auf eine Kompensation des vorherigen Einbruchs zurückzuführen ist. Ein positiver Einflussfaktor: Der Mangel an Vorprodukten hat sich jüngst entspannt. Nur noch rund 55% der Firmen berichteten von Lieferschwierigkeiten (Vorquartal: 64%). Vor allem im Kraftwagenbau und in der Möbelindustrie ließen die Engpässe nach.

Handel: Umsätze auf schwachem Niveau
Wegbrechende Aufträge sowie die anhaltend hohe Inflation machen auch dem Handel in Nordrhein-Westfalen massiv zu schaffen. Im Oktober erreichten die Geschäftserwartungen sogar einen neuen historischen Tiefpunkt. Sie sind nun noch schlechter als zu Beginn der Coronapandemie. Im Zuge der schwachen Umsätze musste der Handel erneut seinen Lagerbestand ausweiten. Viele Handelsfirmen planen zudem, ihre Belegschaft in den nächsten drei Monaten zu reduzieren.

Dienstleistungen: Leichtes Auftragsplus
Im nordrhein-westfälischem Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima nach dem Einbruch im Vormonat nur noch leicht weiter eingetrübt. Die Dienstleister waren unzufriedener mit den aktuellen Geschäften. Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden sechs Monate nahm hingegen etwas ab. Dies könnte auf die jüngst leicht gestiegenen Aufträge zurückzuführen sein.

Bauhauptgewerbe: Schwierige Kreditbeschaffung
Auch im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima nur leicht eingetrübt. Während die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas schlechter bewerteten, hellten sich die Erwartungen auf einem sehr niedrigen Niveau leicht auf. Steigende Materialkosten und höhere Zinsen lassen die Bauaufträge, vor allem im Wohnungsbau, zunehmend einbrechen. Für viele Bauunternehmen wird es zudem immer schwieriger, Kredite zu erhalten. Im Oktober berichteten 8,3% der Firmen von Engpässen bei der Kreditbeschaffung. Dies ist der höchste Wert seit Ende 2005.

Hintergrund
Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Hierfür werden monatlich etwa 1.500 Unternehmen aus dem Bundesland zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Zukunftserwartungen befragt. Ihre Antworten werden exklusiv für die NRW.BANK ausgewertet.

Detaillierteres Zahlenmaterial finden Sie unter www.nrwbank.de/ifo.

Über NRW.BANK

Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt ihren Eigentümer, das Land NRW, bei dessen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. In ihren drei Förderfeldern „Wirtschaft“, „Wohnraum“ und „Infrastruktur/Kommunen“ setzt die NRW.BANK ein breites Spektrum an Förderinstrumenten ein: von zinsgünstigen Förderdarlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen in NRW zusammen. In ihrer Förderung berücksichtigt die NRW.BANK auch bestehende Angebote von Bund, Land und Europäischer Union.

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